Stolberg - Eine neue schmucke Dorfmitte für Zweifall

Eine neue schmucke Dorfmitte für Zweifall

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Zweifall steht vor einer entscheidenden Veränderung: Der Ortskern um den alten Schulhof und der „Huck“ werden bis Ende nächsten Jahres komplett umgestaltet. Zudem erneuert der Landesbetrieb die Jägerhausstraße während der Osterferien. Foto: J. Lange
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So soll sich nach den Arbeiten der unter dem alten Schulhof versteckte Hasselbach präsentieren. Linkerhand werden Sitzmöglichkeiten angeboten, während Wasserbausteine die rechte Seite des Bachbettes aufweiten.

Stolberg. Das Ende ist zumeist der Beginn eines neuen Anfangs. Für Zweifall gilt das mehr denn je. Denn abgerissen werden müssen in den nächsten Wochen das alte Feuerwehrgerätehaus und die beiden Brücken über den Hasselbach – also die in der Döllscheidter Straße und die Platzbrücke, die einst als Schulhof diente.

Alle drei Bauwerke sind marode. Entstehen soll eine neue schmucke Dorfmitte, die sich von der Kirche über den alten Schulhof und den Platz vor der Metzgerei bis in den Huck hinter der Kirche erstreckt. Es ist ein ambitioniertes Großprojekt: Bereits Ende nächsten Jahres soll es vollendet sein.

Erster Förderbescheid liegt vor

Das schreibt vor allem der Förderbescheid über Mittel der Integrierten Ländlichen Entwicklung vor, den Tobias Röhm jetzt in den Händen hält: „Bis zum 30. November 2018 soll der Zuschuss verarbeitet sein“, sagt der Technische Beigeordnete. „Das ist ganz schön straff“. Deshalb laufen im Rathaus die Vorbereitung der Ausschreibungen auf Hochtouren. Im Oktober soll der Vergabeausschuss die Arbeiten beauftragen. Spätestens Ende November soll‘s losgehen.

Voraussetzung ist aber auch, dass die Zuschüsse für die Offenlegung des Hasselbaches rechtzeitig eintreffen. Denn die neue Mitte Zweifalls besteht aus unterschiedlichen Projekten, die von verschiedenen Zuschussgebern gespeist werden. Frühzeitig wurden die Zweifaller eingebunden in die Ideenfindung.

Aber auf die Erarbeitung eines Entwicklungskonzeptes für das Dorf musste hier verzichtet werden. „Einfach weil die Zeit zu sehr drängt“, erklärt Bernd Kistermann. Der Leiter des Amtes für technische Infrastruktur hat dabei vor allem die Brücke in der Döllscheidter Straße im Visier. Sie ist so instabil, dass bereits vor Jahren die erlaubte Belastung auf 2,5 Tonnen reduziert worden war. Mit dem Neubau soll sie ebenso wie die dann deutlich reduzierte Platzbrücke die „normalen 60 Tonnen“ problemlos aushalten können. Damit hat dann auch wieder die Feuerwehr problemlos freie Fahrt über die Döllscheidter Straße, wenn‘s mal brennt.

Der Nachteil des Verzichtes auf das Entwicklungskonzept ist ein geringer ausfallender Zuschuss. Anstelle von 65 steuert die EU lediglich 45 Prozent zu den Kosten für die Gestaltung des Umfeldes bei. Den Bewilligungsbescheid über 429.408 Euro hält Röhm bereits in den Händen.

Rund 730.000 Euro lässt sich die Stadt die neue Mitte Zweifalls kosten. Hinzu kommen weitere etwa 370.000 Euro für die Öffnung des Hasselbaches. Sie soll nicht nur städtebaulich ein Hingucker sein, sondern sie hat auch durchaus finanzielle Dimensionen. Die Öffnung von Gewässern wird laut der Wasserrahmenrichtlinie in der EU bezuschusst. Gleichzeitig entfallen die hohen Kosten für einen neues platzgreifendes Brückenbauwerk. Lediglich der Zufahrtsbereich des alten Schulhofes an der Döllscheidter Straße wird wieder als Brücke ausgeführt. Beide Brücken schlagen übrigens mit jeweils 600.000 Euro zu Buche. Alles in allem und mit Planungskosten kostet die neue Ortsmitte rund 2,8 Millionen Euro.

Allerdings hat es die Offenlegung des Hasselbaches in sich. Auf dem ursprünglichen Bachbett hat sich umfangreich Sediment abgelagert. Stellenweise bis zu 70 Zentimeter müssen abgetragen werden, um die Sohle wieder zum Vorschein zu bringen. Zudem wird der so gewonnene Raum noch aus einem anderen Grunde benötigt. Aufgrund des Hochwasserschutzes muss Ereignis, das statistisch alle 100 Jahre eintritt, Zweifalls Ortskern schadlos passieren können. Das bedeutet nach der Kunst der Berechnung, dass 50 Zentimeter Platz verbleiben muss zwischen dem Scheitel des Hochwassers und der Brückenunterkante.

Hilfreich dabei, dieses Ziel zu erreichen, ist auch die Aufweitung des Bachbettes im Platzbereich. Mit schweren Wasserbausteinen wird eine treppenförmiger Anstieg der Uferpromenade zur Jägerhausstraße hin geschaffen. Allerdings soll das Wasser für Passanten nicht erreichbar: Ein Geländer soll ein hinabklettern verhindern. Das gilt zwar auch für die Seite vor der alten Schule. Dort werden aber Sitzmöglichkeiten auf kleineren Stufen oberhalb des Baches angeboten. Was auf der kleinen Platzfläche seitlich des historischen Gebäudes geschieht, ist trotz allen Zeitdrucks nicht so ganz gewiss.

„Es besteht die Option auf eine Bouleanlage“, sagt Röhm. Ob jemand diese Option noch so kurz vor der Ausschreibung der Arbeiten ziehen kann, ist nicht gewiss. Entstanden war die Idee eines Bouleplatzes in der Planungsphase, als an dieser Stelle noch ein Steg zur Terrasse der angrenzenden Gaststätte angedacht war. Derzeit sieht es so aus, als würde dieser Bereich ebenso wie weite Teile des Umfeldes mit beigefarbenem Pflaster bestückt.

Farbliche Akzente setzen dazu anthrazitfarbene Betonsteine, die den Bachlauf einfassen, Parkstreifen abgrenzen und auch den Charakter der Vorplätze von Kirche und Metzgerei betonen sollen. Dort hat die Stadt übrigens auf Wunsch und in Absprache mit den Anwohnern die Planung überarbeitet und an die Flurgrenzen angepasst, so dass das bereits gelegte Kopfsteinpflaster vor der Geschäftsfront bestehen bleibt. Zudem wurde das geplante Beet verkleinert, so dass Platz für eine Sitzbank, aber auch zum Abstellen von Autos verbleibt.

Was einst in zwei Abschnitten angedacht war, wird nun in einem Aufwasch erledigt: Hellebend­straße und Huck sind direkter Bestandteil der Umsetzung. Die niveaugleiche Pflasterung bewahrt den Platzcharakter für die Durchführung von Veranstaltungen. Zudem wächst der Parkraum durch den Abriss des alten Feuerwehrgerätehauses, das nicht mehr wirtschaftlich zu halten war. Nicht berücksichtigt bei der Neugestaltung ist allerdings das kirchliche Gelände, das sich die Gemeinschaft der Gemeinden Süden keine Optionen für eine zukünftige Nutzung des Gotteshauses verbauen wollte, sagt Röhm.

Jägerhausstraße wird erneuert

Spannend wird es in Zweifall ab Ende November. Zunächst werden die Leitungen der Versorgungsträger unter der Brücke Döllscheidter Straße provisorisch verlegt, damit diese abgerissen und neu gebaut werden kann. Der Verkehr fließt derweil über den alten Schulhof. Steht diese Brücke werden die Versorgungsleitungen in eine Medienbrücke integriert, und der alte Schulhof kann aufgerissen werden. Nahezu zeitgleich laufen die Arbeiten zur Platzgestaltung im Huck an.

Außerdem muss die Stadt bis zu den Ostferien die Randbereiche der Jägerhausstraße neu gesetzt haben. Denn während der Ferien möchte die Stadt im Auftrag und auf Rechnung des Landesbetriebs Straßenbau diesen Abschnitt der L238 – unter Vollsperrung – komplett neu bauen. Läuft alles nach Plan, können sich die Zweifaller 2018 über ein schmuckes Weihnachtsgeschenk freuen.

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