Eine ideale Trostspenderin für Kinder

Von: Marie-Luise Otten
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Das erste Buch in den Händen halten: Für die Stolberger Autorin Waltraud Weynand ist das ein ganz besonderes Gefühl. Foto: M.-L. Otten

Stolberg/Jülich. Passend zur 67. Frankfurter Buchmesse erscheint Waltraud Weyands Buch „Erzähl mir was!“ im Woll-Selbstverlag Schmallenberg. Es ist das erste Buch der in Stolberg geborenen und bis 2003 hier lebenden Autorin.

Während mehrerer Krankenhaus-Aufenthalte begegneten ihr viele Kinder voller Angst und Einsamkeit. Waltraud Weyand begann, den kleinen Patienten Geschichten zu erzählen und machte sich so zu einem idealen Trostspender für deren Aufenthalt im Krankenhaus.

Eigenes Leid vergessen

Durch dieses Erzählen vergaß sie ihr eigene schwere Zeit und empfand sogar Dankbarkeit für das neue Leben, das ihr nach einem geplatzten Hirnaneurysma mit einer Hirneinblutung bei der Rettung in allerletzter Minute geschenkt wurde. Von Ärzten und Eltern motiviert, schrieb sie später alles nieder, und so entstanden die Kindergeschichten für Kleine und Große.

Wie war der Weg von Stolberg nach Jülich?

Weyand: Nach dem Tode meines Mannes im Januar 2006 lernte ich Ende des gleichen Jahres meinen jetzigen Lebensgefährten kennen, der in einer sehr ähnlichen Lage war. Wir verstanden uns auf Anhieb, und ich zog dann 2007 zu ihm nach Jülich, um auch von einigen anderen Dingen Abstand zu bekommen.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? War es ihr Herzenswunsch?

Weyand: Ich habe schon immer sehr gerne und viel geschrieben. Zu Beginn waren es Gedichte, lustige Geschichten für Erwachsene oder Vorträge zu besonderen Anlässen. Die Kindergeschichten entstanden überwiegend, als ich im Krankenhaus lag. Aber sie gefielen auch den Senioren, denn viele fanden sich hier wieder. Einfach nur „Mensch“ sein zu dürfen ohne Erfolg haben zu müssen oder unter Leistungsdruck zu stehen, das zieht die Menschen auch heute noch in ihren Bann.

Haben Sie das Schreiben speziell gelernt?

Weyand: Ich habe das Schreiben nicht gelernt, es kommt einfach aus meiner Seele. Sie inspiriert mich und gibt meinem Leben die Richtung vor.

Ist es das erste Buch, das Sie veröffentlichen?

Weyand: Es ist das erste Buch, das veröffentlicht wurde. 2003 hat der damalige Bürgermeister von Stolberg, Hans-Josef Siebertz, mir einmal eine begrenzte Anzahl sehr einfacher Hefte gedruckt, die an einige Kindergärten und an das Bethlehem Krankenhaus verschenkt wurden. Einige davon durfte ich behalten. Es war aber nichts Offizielles.

Warum ein Kinderbuch?

Weyand: Kinder können noch zuhören, sind ehrlich und für mich die besten Leser. Sie freuen sich auf spannende und lehrreiche Geschichten, wie sie das Leben schreibt. Es ist für mich zwar schwieriger, aber ich brauche die Herausforderung, relativ reale und gewaltfreie Geschichten zu schreiben.

Was sind das für Geschichten, die Sie erzählen?

Weyand: Mir fällt zum Beispiel ein Sprichwort ein oder ich denke an ein Ereignis mit einem Tier, und dann mache ich daraus eine für Kinderherzen spannende Geschichte. Ich habe aber auch schon über ein behindertes und ein ausländisches Kind geschrieben, weil ich sie integrieren will. Sie gehören ganz normal zur Gesellschaft dazu, und hier sehe ich dann meinen Beitrag zur Inklusion.

Welche Themen sind Ihnen hier wichtig? Freundschaft? Sehnsucht nach einer heilen Welt?

Weyand: Mir ist wichtig, dass der Sinn einer Geschichte erkannt und verstanden wird. Ja, es ist auch eine Reise in eine heile Welt. Jung und Alt dürfen einfach mal für kurze Zeit „Mensch“ sein. Dazu gehört die Kontrolle zu verlieren, Verletzlichkeit zuzulassen oder Schwäche zu zeigen.

Welche Sprache nutzen Sie? Jugendsprache?

Weyand: Ich schreibe ganz normal, so dass es für jeden passt. Es gibt allerdings eine Weihnachtsgeschichte, deren sprachliche Muster und Merkmale der Jugendsprache zuzuordnen sind.

Für wen sind die Bücher gedacht und gibt es eine Altersgrenze?

Weyand: Es gibt keine Altersgrenze. Natürlich in erster Linie für die Kinder. Aber sehr viele Senioren haben mir bestätigt, sich in so mancher Geschichte wiedergefunden zu haben.

Warum gibt es keine Bilder zu den Geschichten?

Weyand: Weil ich festgestellt habe, dass fast jeder andere Prioritäten in die Geschichten setzt. So wollte ich bewusst der Fantasie eines Jeden freien Raum lassen.

Wie ist der Weg von der Idee bis zum Traum vom eigenen Buch?

Weyand: Sehr sehr lang!!! Ich fand es zu schade, dass die Geschichten nur so rum lagen und es kein Buch gab. Ich hatte einige Verlage angeschrieben, aber mir fehlte wohl der „richtige“ Name, um hier anzukommen. Dann hatte ich das große Glück Herrn Hoffe vom Woll-Selbstverlag in Schmallenberg (Stadt im Hochsauerlandkreis) per Zufall kennen zu lernen. Er interessierte sich für meine Kindergeschichten und hat mir letztendlich nun zu meinem Buch verholfen, wofür ich sehr dankbar bin und was mich sehr stolz macht.

Fließt persönlich Erlebtes in den Geschichten mit hinein? Oder ist alles nur Fantasie?

Weyand: Es fließt schon viel Erlebtes mit hinein. Manchmal habe ich die Geschichten in Gedanken durchlebt. Sie sind ein Teil von mir.

Mit wem können Sie sich besprechen, was Ihnen so vorschwebt?

Weyand: Ich bespreche nichts mit jemandem. Wenn ich eine Idee habe, dann schreibe ich. Ich lasse meinen Lebensgefährten wohl anschließend lesen, was ich geschrieben habe, aber es bleibt dann alles so, wie es ist.

Braucht man Hintergrundwissen, bevor man eine Geschichte anfängt zu erzählen?

Weyand: Zuerst kommt die Idee, dann lese ich mir hierzu Fachwissen an, damit das, was ich schreibe, stimmt. Danach wird die Geschichte für Kinder verständlich verfasst.

Interessiert Sie, was es auf dem Markt zu lesen gibt?

Weyand: Ich orientiere mich nicht an anderen Schriftstellern, weil es zu umfangreich wäre und ich meinen eigenen Stil habe und behalten möchte.

Lässt sich mit dem Schreiben Geld verdienen?

Weyand: Wenn man Bücher wie „Harry Potter“ schreibt, dann verdient man sicherlich sehr viel Geld. Es entzieht sich meiner Kenntnis, wie viel man für was bekommt. Darum geht es mir auch nicht. Ich werde sicherlich nicht reich dadurch werden, und davon leben könnte ich auch nicht. Davon bin ich Welten entfernt. Ich freue mich über jedes verkaufte Buch, es macht mich einfach stolz und glücklich, etwas geschaffen zu haben, was auch anderen Freude bereitet.

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