Eine echte Alternative zur Fastfood-Küche

Von: Heike Eisenmenger
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Viertklässler der Atscher Gru
Viertklässler der Atscher Grundschule üben sich schon einmal im Schneiden von Tomaten. Gesunde Ernährung steht bei ihnen als Thema regelmäßig auf dem Stundenplan. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Atsch. Zwölf kleine Hände greifen in die große Schüssel und kneten die Masse mit Inbrunst: „So ist es richtig, die Zutaten müssen gut miteinander vermischt werden”, erklärt Koch Rainer Dovérn den Schülern der Grundschule Atsch. Dieser Aufforderung kommen die Jungen und Mädchen gerne nach.

„Matschen macht Spaß”, sagt der Viertklässler Niklas. Dass die Kinder mit Spaß bei der Sache sind, ist der Grundansatz der Aktion „Gesund macht Schule”. Bei dieser Aktion, an der im vergangenen Schuljahr insgesamt rund 35 000 Schüler teilnahmen, arbeiten die AOK Rheinland/Hamburg und die Ärztekammer Nordrhein zusammen.

Hintergrund der Aktion ist eine Besorgnis erregende Entwicklung: „15 Prozent der Kinder sind bereits übergewichtig”, fasst AOK-Präventionsexperte Wolfgang Grief das Ergebnis bundesweiter Studien zusammen. Aus dicken Kindern werden dicke Erwachsene, deren Risiko, bereits in jungen Jahren in Folge der Fettleibigkeit krank zu werden, sehr hoch ist.

Unterschiedliche Gründe

Dass immer mehr Kinder fehlernährt sind, habe unterschiedliche Gründe. „Unsere Gesellschaft hat sich verändert”, resümiert Dovérn, Küchenchef des Restaurants „Jägerspfad” in Eschweiler. „Früher ging der Vater arbeiten, während die Mutter zu Hause blieb, um sich um den Haushalt und die Kindererziehung zu kümmern - und sie sorgte auch für die Mahlzeiten.” Heutzutage würden meist beide Elternteile arbeiten, „gesundes Essen bleibt oft auf der Strecke. Wenn man abends müde nach Hause kommt, wird schnell das Fertiggericht in die Mikrowelle geschoben oder etwas von der Imbissbude geholt.” Doch unregelmäßig zu essen, sei nicht gesund.

Ein Ausweg aus dem Dilemma ist Wissen: „Den Kindern sollte so früh wie möglich beigebracht werden, was zu einer gesunden Lebensweise gehört”, erläutert Helmut Schroeter, Pressesprecher der Krankenkasse. Das Fundament dafür müsse bereits im Kindergartenalter gelegt werden.

In der Grundschule Atsch steht das Thema „gesunde Ernährung” immer wieder auf dem Unterrichtisplan - auch nach den Osterferien wird dies wieder der Fall sein. So wie auch Bewegung fester Bestandteil des Schulalltags ist. „Die Schüler kochen auch zusammen. Das ist ja auch ein Erlebnis, das die Gruppe zusammenwachsen lässt”, greift Rektorin Johanna Steinröx den sozialen Aspekt auf.

Dass den Schülern das Kochen mit dem Ehepaar Rainer und Thi Dovérn einen Riesenspaß macht, ist offensichtlich. Es ist die Grundessenz. „Die Kinder saugen das neue Wissen förmlich auf. Es ist so leicht, Kinder zu motivieren. Man muss nur ihren Wissensdurst wecken”, erklärt Rainer Dovérn.

Die Teilnahme an der Kochaktion ist freiwillig. 20 Schüler aus den vierten Klassen haben sich angemeldet. Im Vorfeld durften sie unter mehreren Gerichten ihre Favoriten wählen. Wraps waren dabei der klare Favorit.

„Wraps ja, aber mit wenig Fett”

Das Ergebnis überrascht den 47-Jährigen nicht. „Wir haben eine Fastfood-Kultur.” Dovérn macht einen Kompromiss: Wraps ja, aber mit wenig Fett, dafür mit viel Eiweiß und Vitaminen. Außer Wraps mit Putenbrust-Gemüse-Füllung werden die Schüler Bruschetta mit Tomatenwürfel und Olivenöl, Gemüsechili und Blaubeer-Smoothie mit Dovérn zubereiten. „Bruschetta ist ideal, um Reste zu verwerten”, erzählt seine Ehefrau Thi den Kindern.

Mit allen Sinnen Essen erfahren: Das gehört für das Ehepaar Dovérn zum Kochen dazu. Thi Dovérn öffnet eine Flasche mit Öl, in die sie Kräuter eingelegt hat. Der Flasche entsteigt ein feines Aroma, „das riecht aber gut”, sagt Justine (10) spontan. Wo man hinschaut, herrscht emsige Betriebsamkeit: Die Kinder schneiden Tomaten und Zwiebeln, entkernen Äpfel, raspeln Möhren, waschen Blaubeeren, vermengen Frischkäse mit frischen Kräutern, braten Putenbruststreifen und reiben Brot mit Olivenöl und Knoblauchzehe ein.

Katharina hackt Zwiebeln in kleine Stücke. „Ich halte die Luft an, wenn ich Zwiebeln schneide, dann weine ich nicht”, verrät die Viertklässlerin ihren Trick. Gibt es tatsächlich ein Mittel, um das lästige Augentränen beim Zwiebel schneiden zu verhindern? „Nein, auch der Profi weint beim Zwiebelschneiden”, sagt Dovérn und lacht.

Warum es keine gute Idee ist, sich von kalorienreichem Fastfood und Süßigkeiten zu ernähren, wissen die Jungen und Mädchen sehr genau. „Davon wird man dick”, sagt Niklas. „Und man kriegt Zucker”, ergänzt Katharina. Und dass gesundes Essen sehr lecker sein kann, ist für die Schüler sonnenklar. „Meine Mutter kocht immer gesund. Das schmeckt total gut”, reibt sich Justine wie zur Bestätigung den Bauch.

Lecker-gesund ist auch das, was die Schüler zubereitet haben - und die Gerichte sind kinderleicht nachzukochen.
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