Eine Abenteuerreise durch Afrika auf zwei Rädern

Von: Sarah Sillius
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Mit dem Rad auf Abenteuertour: Frank Keusgens legte innerhalb von vier Wochen in Afrika rund 2000 Kilometer auf zwei Rädern zurück.

Stolberg. Auf seiner über 2000 km weiten Tour durch Namibia hat Frank Keusgen nicht nur Land und Leute, sondern auch seine persönlichen Grenzen kennengelernt. „Das ist Radfahren bis zum Limit”, sagt er.

Vor sich hat er eine Landkarte von Namibia ausgebreitet und erzählt von seiner über 2000 Kilometer weiten Radtour, die ihn in diesem Jahr vier Wochen lang durch das Land im Süden Afrikas geführt hat.

Seit 1993 ist Keusgen eng mit dem Radsport verbunden. Bis 2004 fuhr er unter anderem Rennen für den Radsportclub Stolberg und ist noch immer als Kassierer für den Verein tätig.

Der Radsport sei ein gelungener Ausgleich zu seinem Beruf als Systemadministrator, meint der 35-Jährige. Seit einigen Jahren radelt er nicht mehr nur auf heimischen Wegen, sondern war in den französischen Alpen, den USA und Chile unterwegs.

„Mit jedem Mal bin ich mutiger geworden und habe mir dieses Jahr Namibia ausgesucht, obwohl es kein typisches Radfahrland ist”, verrät der gebürtige Eschweiler.

Vor seinem Flug nach Namibia habe er sich ausreichend über das Land informiert und seine Ausrüstung den dortigen Gegebenheiten angepasst. Ein spezielles Reiserad sowie Zelt, Schlafsack, Kocher und Solardusche gehörten zu seiner Grundausrüstung: „Am wichtigsten war es natürlich, dass ich immer genug Wasser dabei hatte, bei meiner Wüsten-Etappe waren es sogar 25 Liter.”

Startpunkt seiner Tour war die namibische Hauptstadt Windhoek. Meist auf Schotterpisten radelte Keusgen zuerst in Richtung Norden zum Waterberg über Grootfontein bis nach Tsumeb südlich des Etosha-Nationalparks, dann nach Westen bis nach Khorixas in der Region Kunene.

Von Erzählungen und Reifenspuren erfuhr Keusgen, dass es wohl vor ihm einen spanischen Radfahrer mit derselben Idee gegeben hat. Begegnet sei ihm aber kein Gleichgesinnter - dafür einige „Backpacker”, ein Weltreisender aus der Schweiz und natürlich viele Einwohner Namibias, darunter auch Angehörige der Volksgruppen der Herero und Baster.

„Bedrückend fand ich die Armut der Herero in Okakarara, ein Ort in der Nähe des Waterbergs, wo die meisten Menschen in Blechhütten leben.”

In Uis, nahe der Brandberge, kam es zu einem ersten Zwischenfall: „Mein Vorderrad riss, aber zum Glück wurde ich von einem Mann mit dem Auto an die Küste zur nächsten Stadt gebracht.”

Nachdem er einen neuen Vorderreifen montiert hatte, wartete das größte sportliche Highlight seiner Reise auf ihn. Keusgen durchquerte an drei Tagen die Wüste Namib, fuhr vorbei an der Mondlandschaft und der Blutkuppe.

Mit letzter Kraft

„Nur mit letzter Kraft erreichte ich die nächstgelegene Lodge, weil mir das Wasser ausgegangen war”, erzählt Keusgen und gibt zu, dass er nicht mehr lange hätte weiterfahren können: „Aber so lernt man seine persönlichen Grenzen kennen.”

Weiter nach Süden über Solitaire und Sesriem, dem Eingangstor zu den großen Sanddünen und dem Sossusvlei, fuhr er entlang der Naukluftberge weiter nach Rehoboth wieder zurück nach Windhoek.

Geplant hatte Keusgen seine Route nur so ungefähr: „In Namibia gibt es oft extrem starke Regenfälle, so dass ich manchmal nicht weiterfahren konnte.”

Obwohl er zum Ende der Regenzeit in Namibia war, habe es überdurchschnittlich viel Niederschlag gegeben und die Busch- und Baumsavannen seien außergewöhnlich grün gewesen. „Selbst die Wüste war überzogen von seidengrünem Gras”, schwärmt Keusgen.

In der Wüste habe er wild gezeltet und sonst meistens auf Campingplätzen oder Farmen übernachtet. Besonders gerne denkt er an eine Begegnung auf der Farm in Otjekongo zurück: „Dort wurde ich sehr herzlich empfangen und habe zufällig an einer Kindergarteneröffnung im Dorf teilgenommen.”

Mit der deutschen Initiatorin stehe er noch immer in Kontakt und wolle ihr Projekt unterstützen, so Keusgen.

Sobald wie möglich will der begeisterte Radfahrer seine nächste Abenteuertour starten. „Vielleicht wieder in Namibia - aber auch andere Länder wie Kuba, Costa Rica oder Neuseeland würden mich reizen.”

Er sei auch prinzipiell nicht abgeneigt, gemeinsam mit anderen Radfahrern ein Land zu durchkreuzen. Jedoch sei es nicht einfach, jemanden mit ähnlichen sportlichen Ambitionen zu finden, der gerne mit viel Gepäck fährt und ein so großes Abenteuer eingehen will.

Gerne mal Gas geben

Dabei stehe für Keusgen nicht nur der sportliche Ehrgeiz im Mittelpunkt: „Ich will auch die Landschaft genießen und die Menschen kennenlernen. Aber wenn ich über 30 Kilometer den gleichen Blick auf einen Berg habe, gebe ich natürlich gerne mal Gas.”
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