Eindrucksstarkes Cellospiel voller Wärme

Von: mlo
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Guido Schiefen (links), seit 2008 Professur für klassisches Cello an der Musikhochschule Luzern, und Wolfgang Boettcher, Gründungs-Mitglied des Leonhardt-Quartetts, hinterließen in Vicht ein ausdrucksstarkes Spiel voller Wärme und Tiefe. Foto: M.L. Otten

Stolberg-Vicht. Dass die Vichter Pfarrkirche St. Johannes Baptist einmal zum Anziehungspunkt klassischer Konzerte werden würde, hat sich so in Vicht auch niemand vorstellen können. In seiner Begrüßung am Sonntagnachmittag freute sich Rudi Dreuw wieder über die vielen Gäste, die gekommen waren, um das zweite Konzert der besonderen Art in sich aufzunehmen.

Die Ausführenden, Prof. Wolfgang Boettcher und Guido Schiefen, zwei hervorragende Cellisten, machten ihrer Ankündigung alle Ehre und hinterließen ein ausdruckstarkes Spiel voller Wärme und Tiefe.

Den Anfang und das Ende des Konzerprogramms gestalteten die beiden Virtuosen gemeinsam. Sie zeigten gleich in der „Sonate für zwei Violoncelli op. 8 Nr 3 in d-Moll“ des in Alkmaar geborenen Niederländers, William de Fesch, mit welcher Leichtigkeit sie ihr Instrument beherrsch(t)en und das spannend und virtuos zugleich.

Stark beeinflusst

Das Finalstück war von Francois Couperin, der das Pariser Musikleben zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert nachhaltig beeinflusst hat. In seinen Kompositionen wie auch in den theoretischen und methodischen Schriften bemühte sich der Organist an der Königlichen Kapelle Ludwig IV. in Versailles stets um die Integration des sogenannten französischen und des sogenannten italienischen Stils. Und daher trug das gespielte „Duo Nr. 13 in G-Dur“ den programmatischen Untertitel „Les goûts réunis“ („die wiedervereinigten Geschmacksrichtungen“).

Solistisch präsentierte Wolfgang Boettcher Johann Sebastian Bachs „Suite für Violoncello solo Nr. 1 in G-Dur“, die als ein Prüfstein jedes Interpreten gilt. Sie ist eine von sechs Suiten für Violoncello solo, die Pablo Casal bis zu seinem Tod täglich spielte und „die Quintessenz von Bachs Schaffen“. Dieses Kabinettstück hatte Boettcher vor 50 Jahren zum ersten Mal im Couvenmuseum in Aachen gespielt. In Vicht ließ er die Darbietung auf seinem selbst gebauten Cello von 2012 wieder zu einem kleinen Ereignis werden, wobei er die spieltechnischen Tücken höchst virtuos umsetzte. Weltberühmt ist das Prélude, da es für mindestens 30 Filme benutzt wurde.

Musik in Vollendung zeigte Guido Schiefen mit der „Suite für Violoncello solo Nr. 2“ von Max Reger. Obwohl zwei Jahrhunderte Musikgeschichte die beiden Komponisten trennen, ließen sich Verbindungen zwischen Bach und Reger erspüren, die der Pendler zwischen Eitorf und Luzern auf seinem Violoncello von John Betts (London 1780) demonstrierte. Tief versunken im Spiel, entzückte er mit großen halsbrecherischen Passagen und lotete sämtliche Extreme der Dynamik, Artikulation und Tempi voll aus. Für den heftigen, lang anhaltenden Beifall wurde das Publikum mit einer Zugabe belohnt.

Da die Solisten großzügigerweise auf ein Honorar verzichteten, kam die freiwillige Gabe am Ende des Konzertes zu 50 Prozent der Kirchengemeinde Vicht zugute und die andere Hälfte dem Flüchtlingsrettungsboot der SOS-Méditerranée Deutschland.

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