Ein Zertifikat für Familienfreundlichkeit in Stolberg

Von: Laura Beemelmanns
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Die Stadt Stolberg möchte künftig an vielen Orten in die Familienfreundlichkeit investieren – im Sinne des Zertifikates „Familiengerechte Kommune“. Foto: L. Beemelmanns
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Der Spielplatz am Eburonenweg in Büsbach ist das vielleicht beste Beispiel für gelebte Familienfreundlichkeit. Denn er soll bald generationenübergreifend gestaltet werden. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Die Stadt Stolberg möchte nicht nur familienfreundlich sein, sondern das ganze auch zertifiziert wissen. Daher wurde im Haupt- und Finanzausschuss kürzlich beschlossen, dass sich die Stadt an einem sogenannten Auditierungsverfahren namens „Familiengerechte Kommune“ in Trägerschaft des Vereins Familiengerechte Kommune e.V. zum Erwerb dieses Zertifikats beteiligt.

Das Audit ist aus einer Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung, der „berufundfamilie“ gGmbH sowie des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen entstanden. Die geschätzten Kosten für das Audit belaufen sich für die Stadt Stolberg auf rund 25.000 Euro und wurden entsprechend im Haushalt berücksichtigt. Die Höhe der Kostenbeteiligung ergibt sich aus der Zahl der Einwohner der jeweiligen Kommune und ist daher von Stadt zu Stadt verschieden.

Lebenswertes Umfeld

Laut Robert Voigtsberger sei die Teilnahme am Auditierungsverfahren ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. „Die Familien in der Kupferstadt sind Grundpfeiler und Leistungsträger unserer Gesellschaft. Sie sind das wichtigste soziale Netzwerk der Stadt“, sagt der Erste Beigeordnete.

Daher sei es unumgänglich auch dafür zu sorgen, dass die Menschen neben den beruflichen Perspektiven eben auch ein lebenswertes Umfeld vorfinden. Dazu gehören Spielplätze, Schulen, Beratungsstellen und Angebote, die darüber hinausgehen. „Die Unterstützung aller Familien in ihren sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen hat einen hohen Stellenwert“, sagt Voigtsberger.

Die Stadt Stolberg wolle dazu beitragen, dass sich wirklich alle Menschen wohlfühlen. Dazu gehören Eltern und ihre Kinder, Großeltern, Tiere – eine Familie eben. Als bestes Beispiel geht da mitunter der Spielplatz am Eburonenweg in Büsbach voran. Der Spielplatz soll aufwendig umgestaltet und zum generationenübergreifenden Spielplatz umgestaltet werden. Rund 105.000 Euro soll das kosten und Beschäftigung in jeder Altersklasse bieten.

Mit dem Umbau eines einzelnen Spielplatzes ist das Ziel einer familienfreundlichen Kommune jedoch nicht erreicht. Mehr Spielplätze und Angebote bedeuten auch, dass die Kosten und der Personalaufwand steigen werden. Und das wiederum bedeutet Handlungsbedarf. Um die Familienfreundlichkeit der Stadt also auch dauerhaft zu gewährleisten, müssten Familienpolitik und Angebote angepasst werden. Die Verwaltung hat das Jahr 2016 daher als „Jahr der Familienfreundlichkeit“ ausgerufen.

Bedürfnisse aller Generationen

In vielerlei Hinsicht zeigt sich die Verwaltung aber auch mit den bisherigen Angeboten schon ganz zufrieden. In der Vorlage des Haupt- und Finanzausschusses steht: Die städtische Infrastruktur erfüllt die Bedürfnisse aller Generationen. Angefangen bei der Schwangerschaftsberatung und den Angeboten der Familienzentren über alle wichtigen Schulformen bis hin zum kulturellen Angebot für Jung und Alt.

Dennoch gebe es immer etwas zu tun und zu verbessern. Die notwendigen Schritte einer zielgerichteten Weiterentwicklung sollen nun fachlich und methodisch durch eine externe Beratung und Begleitung unterstützt werden. In diesem Rahmen solle die Familienpolitik der Stadt systematisiert und strategisch weiterentwickelt werden, um bestehende Aktivitäten unterschiedlicher Akteure noch besser zu vernetzen.

Das Audit ist dabei als Hilfe zu sehen, um Kommunen auf dem Weg einer strategischen und gemeinsam getragenen Familienorientierung zu unterstützen. Dabei werden mitunter auch die Ergebnisse der Befragung zum Sozialplan der Stadt beitragen. Denn in diesem Fragebogen haben über 1700 Bürger bereits die Kinderbetreuung, Schulen, Sportvereine und die Angebote für Kinder, Jugendliche und Senioren beurteilt.

Die Kinderbetreuung und Schulen schnitten dabei besonders gut ab und erreichten über sechs von möglichen acht Punkten. Auch das sportliche Angebot in Stolberg wurde mit über sechs Punkten bewertet. Bei den Angeboten für Kinder und Jugendliche und auch für Familien wurden nur 3,5 bis 4,4 Punkte vergeben. Dieser Bereich könnte demnach noch ausgebaut werden.

Zwölf Monate Wartezeit

Die Auditierung zur familiengerechten Kommune erfolgt nach einem vorgegebenen Verfahren und dauert zwölf Monate. In diesem Zeitraum werden die aktuellen Angebote zusammengefasst und Strategien für die Zukunft erarbeitet. Anschließend werden auch Familien und Ortskundige hinzugezogen. Sie sollen an der Abstimmung der Ziele beteiligt werden. Sechs Punkte sollen dabei bearbeitet werden.

Dazu gehören Senioren und Generationen, Wohnumfeld und Lebensqualität, Beratung und Unterstützung für Familien, Bildung und Erziehung, Familie, Arbeitswelt und Betreuung sowie Vernetzung und Nachhaltigkeit. Damit die Stadt all diese Punkte nicht alleine erarbeiten muss, steht der Verein Familienfreundliche Kommune e.V. unterstützend zur Seite.

Das Verfahren setzt sich aus mehreren Phasen zusammen. Dazu zählen neben der Erfassung der aktuellen Situation auch die Analyse, Workshops mit dem Ziel der Strategiefindung und die Festlegung eines oder mehrerer Schwerpunkte. Nach diesen zwölf Monaten folgt die Festlegung der Maßnahmen und der Beschluss des Rates.

Öffentlich verliehen

Bei einem positiven Ergebnis erhält die Stadt das Zertifikat „Familiengerechte Kommune“, das öffentlich verliehen wird und für drei Jahre gilt. In diesen drei Jahren wäre die Stadt dann verpflichtet, dem Verein jährlich über den Entwicklungsstand zu berichten. Nach drei Jahren wird Bilanz gezogen und das Zertifikat kann für weitere drei Jahre verlängert werden. Ziel sei es, die Attraktivität Stolbergs als Familienstandort zu stärken. Möglich ist das auch in anderen Städten. Stolberg könnte somit als Modellkommune vorangehen.

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