Stolberg - Ein Wunschzettel für den Landesminister

Ein Wunschzettel für den Landesminister

Von: Sarah Maria Berners
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Ministerbesuch bei Reibekuchen und Apfelmus: Armin Laschet (vorne) besuchte mit Landtagskandidat Axel Wirtz (2.v.r.) und Städteregionsrat Helmut Etschenberg (rechts) die Kita Zwergenburg. Leiterin Claudia Breuer (2.v.l.) und Margit Schmitt (links), Geschäftsführerin des Sozialdienstes Katholischer Frauen, nutzen die Gelegenheit, um ihre „Landespolitische Wunschliste” zu überreichen. Foto: Sarah Maria Berners

Stolberg. Wenn in Wahlkampfzeiten die Politiker bei der Basis zu Gast sind, darf man es nicht verpassen, ihnen zu zeigen, wo es hakt und ihnen dann eine Wunschliste mit auf den Weg zu geben.

Diese Gelegenheit hat auch der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) nicht verstreichen lassen, als Landesminister Armin Laschet, Landtagskandidat Axel Wirtz und Städteregionsrat Helmut Etschenberg zu Besuch waren.

Beratungsbedarf steigt

In Stolberg ist der SKF mit dem Agnesheim, der sozialen Beratungsstelle, der Nachmittagsbetreuung an Offenen Ganztagsschulen, der Kindertagesstätte Zwergenburg und der Tagesstätte für spanische Kinder vertreten. Viel Arbeit für die 169 ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter. Und es wird immer mehr. Ihre „Landespolitische Wunschliste” kann Geschäftsführerin Margit Schmitt mit Zahlen und Berichten aus dem Jahresbericht des SKF unterfüttern.

Zum Beispiel im Bereich der Schuldner- und Insolvenzberatung: „Die ist unser großes Sorgenkind. Wir werden der Menge an Klienten nicht mehr Herr”, beschreibt sie. „Teilweise stehen die Hilfesuchenden schon Stunden vor Beginn der Beratungszeiten, in der Schlange”, erklärt Schmitt. Arbeitslosigkeit sei der Hauptgrund für die finanzielle Schieflage. Mit der Städteregion werde derzeit über eine Kapazitätserweiterung verhandelt.

Aber auch vom Land fordert sie, die Finanzierung der Insolvenzberatung den aktuellen Kosten anzupassen und den Stellenschlüssel entsprechend der Einwohnerzahl zu erhöhen. Denn für die zwei Teilzeitkräfte sei der Andrang einfach zu groß. „Der Beratungsbedarf steigt auch in allen anderen Bereichen”, hält Schmitt fest. 1922 Mal wurde die Beratungsstelle im vergangenen Jahr aufgesucht, 4252 telefonische Beratungen weist die Statistik aus.

Auch im Agnesheim sind die Kapazitäten erschöpft. 60 stationäre Plätze gibt es, 18 Kinder und Jugendliche werden teilstationär betreut. „Die Anzahl der Kinder, die wegen Kindeswohlgefährdung untergebracht werden müssen, ist in den letzten Jahren gestiegen”, weiß Heimleiterin Kornelia Stöcker.

„Wir hatten einige Anfragen von Jugendämtern, aber es können nicht mehr Kinder aufgenommen werden.” Entgegen vielen Vermutungen führt Stöcker die Zunahme nicht nur auf die gesteigerte Sensibilität zurück. „Die Zunahme ist nicht dadurch zu erklären, dass mehr Kinder vorsichtshalber aus Familien entnommen werden.” Feststellen müssen die Sozialarbeiter in den letzten Jahren auch, dass die Zahl der psychisch kranken Kinder und Jugendlichen deutlich gestiegen ist.

Das umstrittene Kinderbildungsgesetz Kibiz hat sich auf die Kindertagesstätten des SKF negativ ausgewirkt. Wie Schmitt darstellte, wurden die Öffnungszeiten kürzer, der Leitungsanteil der Kita-Leiterinnen gekürzt und die Stellenanteile geringer. „Wir waren vorher sehr gut aufgestellt und sind durch das Kibiz egalisiert worden.” Auch für die Betreuung von unter Dreijährigen sei das ein Problem. Das konnte auch Laschet für das Beispiel nicht bestreiten. Er und Parteifreund Etschenberg betonten jedoch, dass die Situation in vielen Einrichtungen verbessert worden sei. Der SKF wünscht aber, dass bei der bevorstehenden Kibiz-Reform 2011 der Personalschlüssel für die U3-Betreuung erhöht wird und die Leiterinnen der Familienzentren freigestellt werden (Kurzinterview).

Diese Anregungen will Laschet mit in die Überlegungen nehmen, und versicherte auch über den zusätzlichen Einsatz erfahrener Kinderpflegerinnen nachzudenken. Eine andere Baustelle in den Kitas: „Immer weniger Eltern können das Geld für das Mittagessen aufbringen”, berichten die Pädagoginnen aus beiden SKF-Einrichtungen. Während die Kinder in der Zwergenburg Reibekuchen mit Apfelkompott futterten, machen sich die Erzieherinnen sorgen, wie das Essen auch künftig für alle Kinder finanziert werden kann. Das Programm „Kein Kind ohne Mahlzeit” soll nach Willen des SKF verlängert und auch für Kitas eingerichtet werden. „Ich bin gegen kostenfreie Kitas. Wenn wir diese Summe von 450 Millionen Euro hätten, würde ich andere Prioritäten setzen, zum Beispiel für kostenloses Essen und eine Verbesserung des Personalschlüssels”, betonte Laschet. Versprechungen konnte er aber nicht machen.

Mit dem Wunschzettel im Gepäck machten sich Laschet, Wirtz und Etschenberg auf den Weg. Jetzt hoffen die Mitarbeiter des SKF, dass die Wünsche in Erfüllung gehen.
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