Ein wenig Ruhe dank Oma-Ersatz

Von: Luisa Houben
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Auf der Rutsche: Elisa (4), Andre (knapp 2), Oliver (11) Joußen und Paul Sieberichs (5). Dahinter (v.l.) Sabine Beckers (SKM), Martina Küpper (Gesundheitszentrum), Karin Joußen, Sabine Sieberichs mit Sohn Max (8 Monate) und Andreas Sieberichs. Foto: L. Houben

Stolberg. Samstags ist es ein bisschen ruhiger im Haus, und Karin Joußen darf mal die Füße hochlegen. Zwei ihrer fünf Kinder sind dann für ein paar Stunden bei ihrer Familienpatin. Gemeinsam kochen und basteln sie mit ihrem „Oma-Ersatz“.

Oliver, der älteste Sohn der alleinerziehenden Mutter, genießt die Rückzugsmöglichkeit, die ihm die Patin ermöglicht: „Es ist nicht so viel Stress, wenn nicht so viele Kinder zu Hause sind“, erzählt der Elfjährige.

Die „Familienpatenschaften“ in Stolberg sind ein Kooperationsprojekt des Bethlehem-Gesundheitszentrums und des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM). Seit 2009 bieten sie eine konkrete Unterstützung im Alltag und leben von ehrenamtlichen Paten und Patinnen, die ihre Zeit an Familien verschenken.

Sie begleiten bei Arztbesuchen, bei Behördengängen oder betreuen die Kinder.

„Wie Puzzlestücke fügen wir die Familien und Paten zusammen.“ sagt Martina Küpper, Projektkoordinatorin des Gesundheitszen­trums.

Ganz individuell, ausgerichtet an den Bedürfnissen der Familien und Möglichkeiten der Ehren­amtler, entsteht die Verbindung. „Nach den ersten Gesprächen muss vor allem das Bauchgefühl bei allen stimmen, damit es zu einer Patenschaft kommen kann“, ergänzt die Sozialpädagogin.

Jederzeit zur Stelle

Der Fokus des Projekts liegt auf der Zeit, die man miteinander verbringt, und die es ermöglicht, eine Bindung zueinander aufzubauen. Martina Küpper und ihre Kollegin Sabine Beckers vom SKM bringen die Familien und Paten nicht nur zusammen, sondern begleiten diese auch. „Viele Vereinbarungen werden eigenständig getroffen, dennoch stehen wir jederzeit sowohl für die Ehrenamtler als auch den Familien bei Problemen zur Verfügung“, erklärt Sabine Beckers.

In Stolberg gibt es rund 20 Familienpatenschaften, jedoch mehr wartende Familien als vermittelte Paten. Eine davon ist Familie Sie­berichs, die noch auf ihr passendes Gegenstück wartet.

Die fünfköpfige Familie hat im Kindergarten von dem Projekt gehört. „Meine Eltern wohnen anderthalb Stunden von hier entfernt. Es wäre schön, jemanden zu haben, der uns unterstützt und mit den Kindern auf den Spielplatz geht, wenn ich ab Dezember wieder arbeiten gehe“, sagt Sabine Sieberichs und wünscht sich eine zusätzliche Bezugsperson für ihre drei Kleinen.

Familienpate kann jeder unabhängig von Alter, Nationalität und Religion werden, der in seiner Freizeit ehrenamtlich Kinder betreuen und Familien im Alltag unter die Arme greifen möchte. Die Frauen und Männer werden auf die Tätigkeit vorbereitet und währenddessen begleitet.

Bei regelmäßigen Treffen mit den Paten sprechen die Koordinatorinnen über die Herausforderungen und tauschen Erfahrungen aus. „Viele erzählen davon, wie viel Gutes sie für sich selbst aus bestimmten Situationen mitnehmen können“, berichtet Martina Küpper.

Austausch mit anderen

Auch Fortbildungen in Erster Hilfe, zum Thema Versicherungsschutz oder Umgang mit der Familie gehören dazu. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen, wenn es zu Treffen aller Paten und Familien kommt. Gemeinsame Unternehmungen dienen dazu, neue Kontakte zu knüpfen und das soziale Projekt zu fördern.

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