Stolberg - Ein weiterer Schritt in Sachen Sozialbericht

Ein weiterer Schritt in Sachen Sozialbericht

Von: Sonja Essers
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Halten den neuen Sozialreport in ihren Händen: Sozialamtsleiter Paul Schäfermeier (links) und Sozialplaner Leo Jansen Foto: Sonja Essers

Stolberg. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung belegt: Arbeitslosigkeit, Bildungsstand und Einkommen stehen in einer starken wechselseitigen Beziehung mit der Wahlbeteiligung. Das heißt: Wer von Armut betroffen ist, geht nicht wählen – das trifft auch auf Stolberg zu.

Diese neuen Erkenntnisse sind im Stolberger Sozialbericht festgehalten und sollen in den Sozialbericht einfließen. Ein Konzept, das als Vorbild für die Sozialberichterstattung der Städteregion dient, die im kommenden Jahr an den Start gehen soll, wie Sozialamtsleiter Paul Schäfermeier und Sozialplaner Leo Jansen berichten. Ein weiterer Schritt in der Stolberger Sozialberichterstattung ist also gemacht. Doch von vorne.

Anfang dieses Jahres verabschiedete der Stolberger Rat das Leitbild Soziale Kupferstadt 2030 mit den entsprechenden Zielen für die Sozialplanung und entschied, die Sozialräume Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg besonders in den Blick zu nehmen. Eine erste Sozialraumkonferenz und die Umsetzung der Studie „Viertelgestalter“ gemeinsam mit der Katholischen Hochschule Aachen folgten. Zudem wurde ein Planungsbüro mit der Erstellung eines Integrierten Handlungskonzeptes beauftragt. Die Arbeiten dazu sollen voraussichtlich im Mai 2018 abgeschlossen sein.

Im Sozialreport stehen die gesamtstädtischen und sozialräumlichen Daten im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2016. „Es ist spannend, wenn man die Trends und Entwicklungen über die Jahre beobachten kann“, sagt Jansen. Wichtig sei, dass man mit der Sozialberichterstattung Kontinuität aufbaue, meint Paul Schäfermeier.

Es gibt diesmal allerdings auch neue Indikatoren, die berücksichtigt wurden. Darunter die Mindestsicherungsquote, Kinderarmut, die politische Partizipation in den Sozialräumen und die Schul-Übergangsquoten. Das Ergebnis: Die neuen Zahlen bestätigten, was die bisherige Sozialberichterstattung bereits herausgefunden hatte: Dass es in den Sozialräumen Ober-, Unterstolberg und Münsterbusch besonderen Handlungsbedarf gibt.

Das wird auch am Beispiel der Mindestsicherungsquote – ein zusammengefasster Indikator, der den prozentualen Anteil der Empfänger von Mindestsicherungsleistungen an der Gesamtbevölkerung darstellt – deutlich. Diese beträgt in Stolberg 13,7 Prozent. Damit liegt die Kupferstadt über dem nordrhein-westfälischen Landesdurchschnitt von zwölf Prozent aus dem Jahr 2015. Die Zahlen für das Jahr 2016 liegen noch nicht vor.

Überdurchschnittlich hohe Werte

Bezogen auf die einzelnen Sozialräume konnte festgestellt werden, dass die Quote in Oberstolberg 31,6 Prozent, in Unterstolberg 29,7 Prozent und in Münsterbusch 17,8 Prozent beträgt und damit überdurchschnittlich hohe Werte aufweist. Die benachbarten innenstadtnahen Stadtteile liegen knapp über (Büsbach mit 12,6 Prozent und Atsch mit 12,2 Prozent) oder unter (10,6 Prozent) dem landesweiten Durchschnitt.

Ähnlich verhält es sich bei dem Thema Kinderarmut. Knapp zwei Drittel aller Betroffenen unter 15 Jahren leben in den drei Stadtteilen Oberstolberg (49,3 Prozent), Unterstolberg (39,7 Prozent) und Münsterbusch (31,4 Prozent). Diese drei Stadtteile liegen auch über der städtischen Gesamtquote von 23 Prozent.

Um die politische Partizipation in den einzelnen Sozialräumen zu ermitteln, diente die Wahlbeteiligung bei der diesjährigen Landtagswahl als Grundlage. Eine geringe Wahlbeteiligung gibt es bei den Menschen, die von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen sind und in sozial benachteiligten Wohnvierteln leben.

Für Stolberg bedeutet dies: Die Bezirke der Innenstadt-Sozialräume (Unter- und Oberstolberg) ergaben zusammengefasst eine Quote von 35,7 Prozent Wahlbeteiligung. Die innenstadtnahen Sozialräume (Atsch, Münsterbusch, Donnerberg und Büsbach) wiesen einen Wert von 46,4 Prozent auf, und der ländliche Raum (Dorff, Breinig, Breinigerberg, Venwegen, Zweifall, Mausbach, Vicht, Werth, Gressenich und Schevenhütte) lag bei 52,7 Prozent.

Der Indikator Schul-Übergangsquoten verweist auf die Zusammenhänge von Bildungsverhalten, Bildungsbenachteiligungen und den damit verbundenen Chancen für das einzelne Kind. Im Stolberger Sozialreport wurde der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule ausgewählt. Der Fokus liegt auf den Übergangszahlen von der Grundschule auf das Gymnasium.

Bei den Grundschulen im Fördergebiet der Sozialplanung (Ober-, Unterstolberg und Münsterbusch) liegt die Übergangsquote des Schuljahres 2006/2017 mit 24 Prozent weit unter dem städtischen Durchschnitt von 41,3 Prozent. Die anderen Sozialräume setzen sich im Schnitt mit fast 49 Prozent noch weiter von dem Fördergebiet ab.

Aktionen geplant

Die Stolberger können sich übrigens an der Erstellung des Integrierten Handlungskonzepts beteiligen. Dazu soll es verschiedene Veranstaltungen und Aktionen geben. „Die Bürgerbeteiligung ist bei diesem Prozess sehr wichtig. Man hat nur Erfolg, wenn man sich mit den Bürgern berät“, sagt Jansen.

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