Ein Viertel der Belegschaft von Leoni-Kerpen mit Kurzarbeit

Von: Jürgen Lange
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Produktion fürs Lager: Leoni
Produktion fürs Lager: Leoni Kerpen darf aufgrund des EU-Embargos gegen den Iran seine Lieferverträge für die Petrochemie nicht ausführen. Die Fertigung wurde heruntergefahren; das Personal ist betroffen. Foto: Kerpen

Stolberg. Die Produktion von Wochen liegt auf Halde. Kabel und Kabelsysteme in Kilometerlänge wartet in Lagern auf ihre Verwendung. Der Nürnberger Kabelproduzenten und sein Stolberger Tochterunternehmen Leoni Kerpen darf seine Produkte nicht ausliefern an die Kundschaft im Nahen Osten.

Das Embargo gegen den Iran, das die 27 EU-Mitgliedsstaaten Mitte Oktober verschärft hatten, wirkt sich auf die Hersteller in Deutschland aus - und auf ihre Mitarbeiter in Stolberg. Leoni Kerpen hat Konsequenzen gezogen.

Ein Viertel der rund 630 Mitarbeiter starken Belegschaft fährt Kurzarbeit. Darüber hinaus werden zum Jahresende zeitlich befristete Verträge nicht verlängert oder vorzeitig gekündigt. Das trifft 39 Menschen aus der Leoni-Kerpen-Mannschaft.

„Das EU-Embargo gegen den Iran trifft nun auch uns mit seiner ganzen Härte”, sagt in Nürnberg Konzernsprecher Sven Schmidt. Es ist nicht die erste Handelsbeschränkung, die verhindern soll, dass der Gottesstaat in den Besitz von Atomwaffen kommen kann.

Aber erstmals sind die vor Monaten von Leoni Kerpen mit der Petrochemie geschlossenen Verträge betroffen, erklärt Schmidt. Kerpen liefert Kabelstränge und Systemlösungen für den Auf- und Ausbau von Förderanlagen und Raffinerien an den Golf.

Bislang hat das Unternehmen stets eine Genehmigung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) erhalten - sowohl für die Lieferverträge wie für den Export auf Basis der Altverträge.

Doch das ist jetzt anders. Seit die EU ihre Sanktionen gegen den Irak verschärft hat, „läuft gar nichts mehr”, beschreibt Schmidt die Situation. Schlimmer noch. Sie trafen die deutsche Industrie „ab sofort und ausnahmslos”. Auch Leoni hatte keine Chance, zu reagieren und die Produktion anzupassen. „Es hat uns kalt erwischt”, sagt Sven Schmidt. Es blieb nur ein drastisches Rückfahren der Produktion.

Das hatte Konsequenzen für die Mitarbeiter. Sie müssen Überstunden und Urlaubsansprüche abbauen. Für 20 bis 25 Prozent der Belegschaft greift im vierten Quartal des Jahres die Kurzarbeit. „Es ist absehbar, dass sich auch noch für Januar und Februar gelten wird”, so Schmidt weiter. Darüber hinaus werden Arbeitsverträge für befristete Mitarbeiter nicht verlängert. „In einigen Fällen laufen sie regulär aus, in anderen sind sie zum Jahresende gekündigt worden”, erläutert der Konzernsprecher.

„Die betroffenen Leute sind informiert”, erklärt Karl-Heinz Lach. „Alle Vorbereitungen für die Personalreduzierung laufen”, so der Betriebsratsvorsitzende, der sogar eine Ausweitung der Kurzarbeit bis Ende April für möglich hält. In der nächsten Woche sollen Gespräche zwischen der Geschäftsführung sowie Betriebsrat und IG Metall mehr Klarheit in die Situation bringen. Ob neue Aufträge die Lage abmildern können, ist noch ungewiss.

In Nürnberg stellt man sich bereits auf schwierige Zeiten ein. Das dritte Quartal schloss noch mit befriedigenden Ergebnissen ab. Von Januar bis September lag der Umsatz im Geschäftsbereich von Draht- und Kabelprodukten mit 1,23 Milliarden Euro um vier Prozent unter dem starken Vorjahreszeitraum.

In den Sommermonaten entwickelte sich insbesondere das Geschäft mit Automobilleitungen und Kabelsätzen für Medizintechnik und Hausgeräte weiterhin gut, während die Nachfrage in den Bereichen Automatisierungstechnik, Solarindustrie und Infrastruktur sowie nach Datenkabeln nachließ. Noch positiv entwickelt sich für den Geschäftsbereich das Ergebnis vor Steuern: Im dritten Quartal stieg es auf 27,3 Millionen Euro (Vorjahr 19,3 Millionen Euro).

Bislang konnte eine nachlassende Nachfrage durch ein starkes Geschäft mit China und den USA aufgefangen werden. Für das vierte Quartal erwartet die Konzernleitung einen Einbruch auf breiter Front. Aufträge aus der Automobilindustrie brechen zunehmend weg. „Und das Embargo gegen den Iran hat eine riesige Lücke hervorgerufen, mit der wir nicht rechnen konnten”, so Karl-Heinz Lach.

Mit Leoni Kerpen reiht sich ein weiterer Betrieb in die Reihe der „Sorgenkinder” in der Region ein. Beim Stolberger Werk der KME stehen 102 Arbeitsplätze zur Disposition. Von der Schließung des Prysmian-Werks in Eschweiler sind 160, vom Bombardier-Ende in Aachen 600 Beschäftigte betroffen.

Einen deutlichen Beitrag zur Reduzierung um rund 100 Mitarbeiter europaweit wird der Stolberger CAE-Standort leisten müssen, und Dalli reduziert seinen Personalstamm um 98 Arbeitsplätze.

Das sind schwierige Voraussetzungen für die betroffenen Menschen, um am Standort eine neue Arbeit finden zu können.
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