Ein tiefer Blick ins Menschliche

Von: Toni Dörflinger
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Eindrucksvolle Schau: Ralf Harth (v.l.) sowie Margret und Rolf Hasche (v.l.n.r.) aus Aachen lassen die im Rathaus ausgestellten Werke eingehend auf sich wirken. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. „Seelenblick” nennt sich eine Bilderschau, die bis Freitag, 11. Juni, im Foyer des alten Rathauses am Kaiserplatz gezeigt wird. Die rund 40 klein- und großformatigen Malereien, die durch einige Skulpturen ergänzt werden, haben Kinder- und Jugendliche der in Stolberg und Aachen beheimateten Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie erstellt.

Die Jugendlichen haben ihre Situationen reflektiert und den Versuch gestartet, ihre Gefühle in Bildern darzustellen. Dabei sind Werke entstanden, die Einblicke in das Gefühlsleben der jungen Künstler vermitteln und eindrucksvoll Angst, Kummer, Hoffnung und Freude zum Ausdruck bringen.

Um ihre Gefühlszustände darzustellen, haben sich die seelisch kranken Patienten für unterschiedliche Formen und Farben entschieden. So werden die ausgestellten Werke, die eine Therapieform darstellen und mitunter ein Spiegelbild des verborgenen Inneren wiedergeben, von ausdrucksstarken Farben, feinen und groben Strichzeichnungen sowie Formen geprägt, die mitunter von schrägen Ebenen und verzerrten Linien geprägt sind.

Neben dunklen Farben sind aber auch farbenfrohe Töne eingesetzt worden. Wie Ergotherapeut Georg Kempe, der jetzt gemeinsam mit der Vorsitzenden des Fördervereines „Kinderseele”, Roswitha Harth, im alten Rathaus die Schau eröffnete, betonte, war die Anfertigung der Bilder von Überraschungen und Erfahrungen geprägt. Denn beim Umgang mit Pinsel und Farbe erhielten die jungen Künstler plötzlich Einblicke in ihre inneren Gemütszustände, die sich bisher eher im Verborgenen oder im Unterbewusstsein abgespielt haben.

Die als Experiment angelegten Malversuche ermöglichten den Jugendlichen, deren psychischen Erkrankungen von der Gesellschaft oftmals immer noch stigmatisiert werden, Neues auszuprobieren und Mut im Umgang mit der Kunst zu beweisen. Vorgaben habe es nicht gegeben, betonte Kempe am Rande der Ausstellungseröffnung.

Erstellt haben die jungen Patienten ihre unterschiedlichen Werke als Aquarell-, Acryl-, Öl- und Bleistiftzeichnungen. Organisiert und zusammen getragen wurde die Schau von dem Aachener Förderverein „Kinderseele”, der die Wanderausstellung bisher in Aachen und in Monschau gezeigt hat. Stolberg ist die letzte Station des mehrwöchigen Ausstellungsprojektes. „Mit Ungeduld erwarten die jungen Künstler die Rückgabe ihrer WerkeÓ, versicherte Harth, die die Besucher der Schau aufforderte, sich intensiv mit den ausgestellten Werken auseinanderzusetzen und so eine Reflexion der eigenen Seelenzustände in Gang zu setzen.
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