„Ein Tag für den Árbol“: Leckeres Essen für guten Zweck verkauft

Von: Leona Otte
Letzte Aktualisierung:
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Alles im Blick: Der 19-jährige Jefferson aus Ecuador schwingt den Kochlöffel mit Leidenschaft für den Restaurant-Spendenday in Stolberg. Viele wollen das Ergebnis seiner Kochkünste probieren.
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In der alten Ruine: Jutta Berard (Dritte von links) zusammen mit Freunden aus dem Trägerverein des Árbol de la Esperanza, dem Sozialen Dienst für Frieden und Versöhnung (DSFV) des Bistums Aachen.

Stolberg-Gedautal. Jefferson steht unter einem Zelt nahe der Rasenfläche des wunderschönen Gartens der Familie Conrads-Berard. Immer wieder kommt der eine oder andere Gast vorbei und fragt ihn nach dem Essen, das er gerade zubereitet. Der 19-Jährige aus Ecuador hat von dort aus alles im Blick, kann das Treiben ringsum beobachten, während er seiner Leidenschaft nachgeht und den Kochlöffel schwingt.

Doch erst einmal alles auf Anfang. Schon auf einen der kleinen Wege runter ins Gedautal begegnen einem am Sonntagnachmittag die ersten drei älteren Damen, die beim Restaurant Day „Ein Tag für den Árbol“ – einer Spendenaktion für ein ecuadorianisches Kinderheim gewesen sind. Es sei viel los, sagen sie grinsend im Vorbeigehen und winken.

Unten im Tal angekommen, werden so zwei Dinge unmissverständlich deutlich: Erstens, dass die Frauen keineswegs untertrieben haben, zweitens, dass sich ausnahmsweise mal keine Sonntagsspaziergänger hierhin verirrt haben, denn jeder Zentimeter, der zur Verfügung stehenden Parkfläche, ist restlos vollgestopft mit Autos. Ein gutes Zeichen.

Die alte Türe des Holztores der Familie Conrads-Berard steht bereits offen, und Stimmengewirr dringt nach draußen auf die Straße. Ein Schritt, und man ist drin.

Wie wichtig dieser Schritt tatsächlich ist, wird im späteren Verlauf noch deutlich werden. „Die Idee ist vor einem Jahr entstanden“, erzählt Jutta Berard, die den Restaurant Day zusammen mit ehemaligen Freiwilligen des Vereins Árbol de la Esperanza (Baum der Hoffnung) zur Unterstützung des gleichnamigen Kinderheimes in Ecuador sowie ihrer Familie organisiert hat. „Wir dachten uns, so etwas könnte man doch auch einmal in Stolberg machen.“

Gesagt, getan. Dabei bedurfte es Einiges an Organisation und Vorbereitung: „Eine gewisse Vorfreude war dennoch da, was irgendwo auch Spannung mit sich brachte. Man stellte sich im Vorfeld allerhand von Fragen: Kommen genug Leute? Was machen wir, wenn es regnet? Wird das Essen für alle reichen?“, so die 30-Jährige weiter.

Blickt man nun umher, wird nur allzu offenkundig, dass alle Befürchtungen null und nichtig waren. Ehemalige Freiwillige, wie Luisa Meyknecht oder Mauro Mühlberg, sowie unzählige Gäste, die ein- und ausgehen können, wie es ihnen beliebt, sitzen an den vielen Tischen zwischen Apfelbäumchen und Blumenbeeten sowie in der alten Ruine. Kinder wuseln umher und die letzten warmen Sonnenstrahlen dieser Jahreszeit fallen auf die lachenden Gesichter.

Drinnen in der gemütlichen Bauernküche ist das Essen aufgebaut, natürlich gibt es passenderweise primär mediterrane und südamerikanische Speisen, aber auch Kuchen. Am besten duftet es jedoch draußen bei Jefferson. Als gelernter Koch weiß der junge Mann genau, was er tut. Er brutzelt für den Restaurant Day „Patacones“ und „Bolones“, Gerichte mit Kochbananen, die an die Ferne und seine Heimat erinnern. Aufgewachsen ist Jefferson in dem Kinderheim, für das heute die Spenden gesammelt werden.

Jutta Berard, die selbst 2006 in Quito, der Hauptstadt Ecuadors war, als Freiwillige vor Ort das Projekt unterstützt hat und es heute immer noch begleitet, verdeutlicht die Signifikanz: „Es ist schon so, dass Kinderrechte an Bedeutung gewonnen haben, aber ist es de facto noch längst nicht so, dass die Kinder den Schutz, den sie brauchen auch bekommen.“

Árobol de la Esperanza bietet Kindern den Schutz. Diejenigen, die aus armen und zerrütteten Familien kommen, die Gewalt, Misshandlungen oder Missbrauch erfahren haben, finden dort ein neues Zuhause. So erzählt auch Jefferson. Zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins ist nicht jemand nach Ecuador geflogen, sondern jemand ist von Ecuador nach Deutschland gekommen.

Auch er macht seit einem Monat einen Freiwilligendienst in Aachen an der OGS und findet, dass Deutschland einen starken Kontrast zu Ecuador darstelle: „Das Leben in Ecuador ist im Allgemeinen sehr schön, nur je nachdem kann die Lebenssituation sehr hart sein“, betont der 19-Jährige. Das läge vor allem an dem Unterschied zwischen den Armen und Reichen.

Hier, so sagt er, gefiele es ihm auch. Hauptsächlich wegen der Kultur, nur die Sprache sei leider ein bisschen kompliziert, zugegen im „koordinierten“ Deutschland. Jetzt schaut Jefferson noch einmal auf die Gäste, die sich um ihn herum unterhalten und sich an seinem leckeren Essen erfreuen.

Auf die Frage hin, was ihm der Tag bedeute, antwortet er, dass ihm das Projekt, genauso wie diese Stunden, unglaublich am Herzen liegen: „Der Tag spiegelt etwas von dem Projekt wider und damit auch von mir. Árbol ist meine Familie und mein Leben.“

Und Jefferson ist froh, dass er beim Restaurant Day etwas beitragen kann, um seiner „Familie“, 9650 Kilometer entfernt, zu helfen. Ein Jahr wird er noch in Deutschland bleiben und hoffentlich irgendwann einmal zurückkehren können. Die Leute sind immer noch dabei ihre Teller zu leeren. „Wir sind hier, um den Verein zu unterstützen, und weil wir es fantastisch finden, dass wir mit einem solch kleinen Schritt eine Menge bewirken- und Dinge verändern können“, äußert Hajo Lenzen, der soeben zusammen mit seiner Frau Beatrix aus Jülich gekommen ist.

Beatrix ergänzt: „Den Kindern in Quito werden dadurch ja neue Lebenschancen eröffnet. Und was mir persönlich besonders wichtig ist: Ich sehe ganz genau, wo das Geld ankommt.“ Während die beiden sich jetzt auf das Essen freuen, formuliert Jutta Berard ein Resümee: „Wir finden es unglaublich toll, dass so viele gekommen sind und sind gleichermaßen überaus dankbar dafür.“ Eine gelungene wie simple Idee, der Restaurant Day im Stolberger Gedautal. Die Spendendose für Bildung, Betreuung, Essen, ein besseres Leben… Für die Kids in Ecuador – am Ende hoffentlich voll.

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