Stolberg - Ein Stolberger auf der Insel: „Der schlimmste Gegner ist man selbst“

Ein Stolberger auf der Insel: „Der schlimmste Gegner ist man selbst“

Von: Valerie Barsig
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Maximilian Möhring aus Stolberg (Vierter von rechts) wirkte bei der TV-Serie „Wild Island“ mit.

Stolberg. Der schlimmste Gegner auf einer einsamen Insel ist man selbst. Jedenfalls, wenn es nach Maximiliam Möhring geht. Der Stolberg hat diesen Sommer vier Wochen lang auf dem Eiland Gibraléon bei Panama verbracht – und musste dort sein Essen jagen und Wasser suchen. Gemeinsam mit 13 anderen Teilnehmern hat er bei der Fernsehshow „Wild Island“ mitgemacht.

Im Interview spricht er darüber, wie er jetzt als Politiker der Piratenpartei im Haus der Städteregion wahrgenommen wird und darüber, dass es gut ist, sein Fleisch auch mal selber zu jagen.

Max, Du bist jetzt quasi ein Pirat im doppelten Sinne...

Möhring: Das könnte man so sagen. Allerdings wollte ich die Insel ja nicht entern, sondern mich dort vier Wochen durchkämpfen, und das hat auch gut geklappt.

Steht jetzt ab und an ein Kaiman auf Deinem Speiseplan?

Möhring: Nicht unbedingt. Allerdings würde ich gern nochmal einen Pelikan essen – der war wirklich lecker.

Du bist quasi von der Politik auf eine einsame Insel gewechselt. Gibt es da Parallelen?

Möhring: Auf jeden Fall. Ich konnte dort meine Vorstellung von Demokratie und Abstimmung einbringen. Wir mussten auf der Insel ein gerechtes Regelwerk finden, sodass jeder hinter jeder Entscheidung stehen kann. Das ist auch der Grund, warum ich bei den Piraten bin – wir sind eine Mitmachpartei, und jeder kann sich äußern. Und das zu praktizieren, war auch meine Intention auf der Insel.

Das bedeutet, ihr musstet euch auch politisch organisieren?

Möhring: Auf der Insel gibt es keine Zivilisation, keine Regeln oder gesellschaftlichen Strukturen. Es war wie eine Gesellschaft im Kleinen, aber natürlich keine große Politik.

Gerade Newtopia stand ja aber als Fernsehformat durchaus auch in der Kritik, weil die angeblich unabhängige Gesellschaft dort von Außen gesteuert wurde.

Möhring: Ich habe natürlich mitbekommen, dass Newtopia in der Kritik stand – auch wenn ich eigentlich kaum Fernsehen schaue. Bei Wild Island werden aber keine Situationen bewusst erzeugt, wir haben keine Regieanweisungen und es gab keinen einzigen Eingriff von Außen. Das einzige, das uns mit der Zivilisation verbunden hat, war ein Funkgerät, mit dem wir Hilfe holen konnten.

Was war für Dich der schwerste Moment auf der Insel?

Möhring: Klar gab es einen Mangel an Nahrung und Wasser, das war für mich aber nicht so dramatisch. Wir haben es immer irgendwie geschafft, dass alles gut ging. Das Schwierigste war, dass ich mich irgendwann nicht mehr körperlich betätigen konnte – eben weil Wasser und Nahrung fehlten. Das hieß, dass ich mich nicht mehr ablenken konnte und die Gedanken, die dann hochkamen, konnte man nicht mehr unterdrücken. Man muss sich intensiv mit sich selbst auseinandersetzen.

Ist es das, was man mitnimmt?

Möhring: Ja. Es ist quasi eine Art Persönlichkeitsfindung in einem Rahmen, wo mal nicht alles vorgegeben ist, wie in der Zivilisation. Gleichzeitig war es schön, mal fernab jeglicher Strukturen zu sein und von Dingen, die man sonst einfach bekommt – wie zum Beispiel Fleisch. Das mal selber ranschaffen zu müssen, war eine gute Erfahrung. Gleichzeitig ist es auch eine gesellschaftliche Grenzerfahrung, denn man ist mit 13 anderen zusammen, die man vorher gar nicht kannte.

Kann man Dich jetzt als Politiker noch ernst nehmen, nachdem Du in einer Fernsehshow warst?

Möhring: Für mich war das kein soziales Belustigungsprojekt, sondern eine Möglichkeit, die ich nutzen wollte und konnte. Ich habe in der Show nicht zu sozialen Dramen beigetragen, sondern mich dafür interessiert, wie man eine Gesellschaft von unten aufbaut. Das konnte ich einbringen. Ansonsten ist die Sendung für mich ein dokumentarisch festgehaltener Überlebenskampf. Alle, die an der Show teilnehmen sind Gewinner – und, so viel kann ich verraten, alle haben überlebt.

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