Ein sehr besinnliches Stückchen Holz: Hobbymäßig Krippenbauer

Von: Laura Beemelmanns
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Nicht nur Krippen baut Alexander Harperscheid selbst. Auch Brunnen, Bänke, Vogelhäuser, Werkzeug und Leitern fertigt er in Miniaturausgabe an. Für die feinen Arbeiten nimmt er meistens ein Cuttermesser zur Hand. Foto: L. Beemelmanns
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Alexander Harperscheid hat schon unzählige Krippen gebaut. Den Großteil des Holzes sammelt er in Wäldern.

Stolberg. Die Krippen, die der Stolberger Alexander Harperscheid in den vergangenen Jahrzehnten gebaut hat, haben ihre Reise – teils weit über die Grenzen der Kupferstadt hinaus – längst angetreten. Seit vielen Jahren werkelt er an den hölzernen Unikaten.

Diese werden jedes Jahr zur Weihnachtszeit in Köln, Berlin, Düsseldorf, im Sauerland – und natürlich auch in Stolberg aufgestellt und liebevoll dekoriert. Denn dorthin hat er sie an die Fans der handwerklichen Kunst verkauft. Und das, obwohl er nicht einmal Werbung für seine Kunstwerke gemacht hat.

Harperscheid, 78, Rentner und Malermeister, hat sich in jungen Jahren die filigrane Arbeit mit der Laubsäge und Hölzern bei seinem Vater abgeschaut. Handwerklich begabt, das war er aber schon immer. Doch mit Krippen und der Weihnachtszeit hatten seine ersten paar selbst gebauten Flugzeugmodelle noch nicht viel zu tun. Das kam erst als er eines Tages im Urlaub mit seiner Frau eine Krippe sah, die er am liebsten gleich in den Kofferraum gepackt hätte.

„Leider passte sie da nicht rein“, sagt der 78-Jährige und lacht. So richtig begeistert von der Idee, das sperrige Stückchen Weihnachtsdeko viele Kilometer weit zurück nach Stolberg zu transportieren, war seine Gattin auch nicht. Sie hatte eine viel bessere Idee, machte ein Foto und riet ihrem Mann, die Krippe doch nachzubauen. Gesagt, getan. Diese Krippe sollte die erste von vielen werden. Harperscheid war infiziert. Und die ganze Familie gleich mit.

Über all die Jahre sammelten alle zusammen Holz, Rinden und Wurzeln in den Wäldern rund um Stolberg und in der Eifel, seine Töchter machten Fotos der vielen Werke und fertigten Bücher davon an, und jedes seiner Kinder hat zudem eine selbst gebaute Krippe im Haus. „Für uns gehört eine Krippe zu Weihnachten dazu. Ich kenne das so von zuhause“, sagt Harperscheid. Und obwohl er jedes Jahr eine andere Krippe aufstellt, und schon viele verschiedene Modelle gebaut hat, gehen ihm die Ideen nicht aus. „Ich habe im Moment nur keinen Platz mehr“, sagt er und lacht.

Harperscheid baut die Krippen in unterschiedlichen Stilen. Die meisten erinnern zwar an alte Bauernhäuser, aber auch orientalische Krippen und solche aus alten Baumwurzeln hat er schon angefertigt. „Manchmal hat man das Glück, und findet Wurzeln im Wald“, sagt er. Die hat er dann schnell irgendwo versteckt und seine Familie mit dem Auto hinzugerufen, um sie auch nach Hause zu transportieren. Dort hat er sie dann wieder zu einer Krippe verarbeitet. Alles, was er aus Holz herstellen kann, macht er auch selbst. Dazu gehören Brunnen, Bänke, Vogelhäuser und allerlei Dekoration. Lediglich die Figuren bestellt Harperscheid über das Internet.

Die großen Bauernhäuser leimt er ganz allein und nach eigenen Entwürfen zusammen. Dass er Malermeister ist, kommt ihm da nur zugute. Denn er formt alte Gemäuer per Hand und „mache die Häuser auf alt“, wie er sagt. Den orientalischen Krippen verpasst er einen sandigen Look – und orangefarbene Fenster, wodurch das Licht, das er ebenfalls darin installiert, sanft schimmert. Die meisten der Krippen haben einen Balkon und zwei Etagen. Immer findet sich auch ein kleines Lager für Heu darin. Auch an einen Kamin hat Harperscheid gedacht. Und diesen ebenso wie die einzelnen Dachschindeln selbst geformt. Dazu nimmt er weicheres Holz, das er zukauft. „Alles findet man nicht im Wald“, sagt er. Er müsse vor allem auch darauf achten, dass das Holz im Wald eine gute Qualität habe und nicht morsch oder faul sei. Doch da finde man genug.

Inzwischen hat er sich ein kleines Lager zusammen gesammelt. Davon profitiere er, wenn er mal wieder spontan eine Idee für eine neue Krippe hat. Dann verschwinde er immer mal wieder für ein paar Stündchen im Keller. Denn so eine Krippe baue sich schließlich nicht mal eben so. „Man braucht Geduld bei dieser filigranen Arbeit“, sagt Harperscheid. Seine Frau verrät mit einem Lächeln auf den Lippen, dass er diese Geduld nicht immer auch bei anderen Dingen im Haushalt habe, aber beim Krippenbauen schon.

Für eine Krippe brauche er mindestens eine Woche. Oft verteile sich die Arbeit über mehrere Tage, an denen Harperscheid immer mal wieder in den Keller geht und Schindeln oder Brunnen schnitzt, Häuserwände leimt oder an neuen Entwürfen tüftelt. Zeitdruck habe er dabei nicht. „Es ist ja nur ein Hobby“, sagt der 78-Jährige. Er baut die Krippen, weil es ihm Freude bereitet, nicht, um damit reich zu werden. Er verbringe gerne Zeit damit, die Miniatur-Häuser zu gestalten und auch zu dekorieren.

Vielleicht aber kann er zur Weihnachtszeit noch die eine oder andere Krippe verkaufen. Allein aus dem Grund, damit er wieder Platz hat und neue Krippen bauen kann. Denn Ideen hat Alexander Harperscheid noch jede Menge.

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