Ein Mikrofon hat Hans-Josef Wellmann noch nie gebraucht

Von: Heike Eisenmenger
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Kann wieder lachen: Hans-Josef
Kann wieder lachen: Hans-Josef Wellmann wird am morgigen Mittwoch 70 Jahre alt. Vor 20 Jahren stand es um die Gesundheit des ehrenamtlich Aktiven gar nicht gut. Foto: H. Eisemenger

Stolberg. „Das hat gefluppt”, legt Hans-Josef Wellmann lachend den Telefonhörer auf und strahlt wie ein kleiner Schuljunge, dem ein Spitzenstreich geglückt ist.

Es ist zwar kein gelungener Streich, der Wellmann zum Strahlen bringt, aber dafür die Zusage eines Sponsors, ein überregionales Treffen im Bereich der Seniorenarbeit in Stolberg zu unterstützen.

Das ist typisch für den früheren Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt, der ebenfalls viele Jahre lang Präsident des „Komitees Stolberger Karneval” und der „Lustigen Atschinesen” war. Am morgigen Mittwoch wird Wellmann 70 Jahre alt.

Zahlreiche Aktivitäten

Es braucht schon einige Zeilen, um all die Aktivitäten des Jubilars aufzuzählen. Und es braucht noch mehr Platz, um all die Projekte, die er in Angriff nahm, zu benennen, und beim Seniorenbeirat ist er ja mittendrin in der ehrenamtlichen Arbeit für Stolberg.

Dabei ist er streng genommen nicht mal ein „echter” Stolberger. Wellmann, ist ein „Eischwieler Jong”. Inmitten des Zweiten Weltkrieges, im Juli 1942 im Eschweiler Stadtteil Bergrath, verkündete der kleine Hans-Josef mit einem kräftigen Schrei seine Ankunft.

Bis heute braucht Wellmann auf Veranstaltungen kein Mikrofon. Er ist geübt darin, so laut zu sprechen, dass man ihn auch noch in der letzten Reihe gut verstehen kann.

Sein ehrenamtliches Engagement gründet auf den schwärzesten Stunden seines Lebens. Das Wohl der Gemeinschaft war ihm nie egal. Schließlich war er im Karneval auch vor dem „Tag X” aktiv, aber wie das halt so ist als Familienvater, hat Wellmann fast rund um die Uhr gearbeitet. Bis zu 16 Stunden war er als kaufmännischer Angestellter für seine Firma unterwegs, „ich rauchte eine Zigarette nach der anderen”.

Obendrein war er Komiteepräsident im Stolberger Karneval, Mitglied des Deutschen Karnevalverbandes und eben Präsident der Atscher Gesellschaft „Lustige Atschinesen”.

Von einem Moment auf den anderen war es damit vorbei - Herzinfarkt. Mit gerade einmal Anfang Fünfzig. Wellmann werden gleich vier Bypässe eingesetzt. „Das reinste Flickwerk, so viel gab es zu reparieren. Aber ich war selbst Schuld, bei der Lebensweise”, resümiert Wellmann im sachlichen Ton.

Anfangs glaubte er nicht, dass er überleben würde, so schlecht ging es ihm. „Aber ich habe überlebt und dass Sie mich anlässlich meines 70. Geburtstages interviewen, dafür bin ich dem lieben Gott zutiefst dankbar”, sagt Wellmann unvermittelt. Dabei war zunächst von Glückgefühl keine Rede, als ihm die Ärzte erklärten, er werde nicht mehr zurück in den Beruf kehren können. „Leben oder Tod - der Professor hat klipp und klar gesagt, was passiert, wenn ich wieder arbeite. Ich hatte sogar schon das Datum ausgemacht, wann ich wieder zurück am Arbeitsplatz bin.”

Nach fast einem Jahr Reha kehrte er zurück, zwar jetzt ohne Job, aber mit dem Anspruch, ehrenamtlich sein Bestes zu geben, wenngleich er lernen musste, Aufgaben abzugeben und Stress zu vermeiden.

Stress zu vermeiden ist gar nicht so einfach, vor allem nicht als Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, an deren Spitze er von 1999 bis 2011 für Stolberg stand. Gerissen hatte er sich um das Amt nicht. Aber er wusste, dass Not am Mann war, denn der langjährige und engagierte Vorsitzende, Peter Vonderbank, war gestorben und die Lücke musste irgendwie gefüllt werden.

Das Amt als Präsident der „Atschinesen” und später auch als Komiteepräsident gab er allerdings ab. Der Abschied von der Atscher Gesellschaft fand nicht im Guten statt. Wellmann, der über 1000 Orden besitzt, erinnert sich nicht gern daran, „aber in bestimmten Dingen bin ich zu Kompromissen nicht bereit”, gesteht er offen.

Die Leitung der Arbeiterwohlfahrt in Stolberg hat Wellmann nach zwölf Jahren abgegeben. „Es war eine schöne Zeit, aber die AWO ist wie eine Firma und zu viel Stress tut mir nicht gut, zumal ich der Überzeugung bin, dass jüngere Leute unbedingt nach vorne müssen.”

Da „Däumchen drehen” bekanntlich nicht sein Ding ist, hat er vorab schon nach einem neuen Betätigungsfeld gesucht und brachte den Seniorenbeirat in Stolberg mit auf den Weg. Als Vorsitzender des Seniorenbeirates ist Wellmann fast täglich im Einsatz. Er spricht mit Politikern, Behörden und auch Sponsoren, um Stolberg „seniorenfit” zu machen.

Und im Karneval ist er natürlich auch noch aktiv, wenngleich nicht mehr in vordester Front, aber Wellmann wird als Ehrenpräsident zu zahlreichen Anlässen eingeladen. Er ist übrigens ein Paradebeispiel dafür, dass Karneval auch ohne Alkohol Spaß macht. „Seit meinem Herzinfarkt vor 20 Jahren habe ich keinen Tropfen mehr getrunken. Es war auch vorher nicht viel, aber natürlich hat man zusammen Bier getrunken.”

Und, was wünscht er sich für die Zukunft? „Dass meine Lieben gesund bleiben und ich freue mich über jeden Tag, den der liebe Gott mir schenkt.”

Offiziell feiern wird Wellmann seinen 70. Geburtstag am Samstag, 14. Juli, in den Vereinsräumen des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr am Kaplan-Dunkel-Platz. Beginn des Festes ist um 11 Uhr.
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