Ein Leckerbissen im Büsbacher Kunsthof: Portraits von Professor Ernst Wille

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Der Europäische Kunsthof in Büsbach würdigt Prof. Ernst Wille. Ab Samstag kann die Ausstellung besichtigt werden. Foto: A. Hermann

Stolberg-Büsbach. Der neue Europäische Kunsthof, jetzt in einem historischen Haus im Stolberger Stadtteil Büsbach, beginnt das Ausstellungsjahr 2013 mit einem besonderen Highlight. Professor Ernst Wille wurde im Kunsthof vor genau zwölf Jahren für sein Lebenswerk geehrt. Das war 2001. Im Frühjahr des Jahres 2005 ist er verstorben. Eine Ausstellung mit seinen Farbkompositionen fand 2009 „in memoriam“ in Vicht statt.

Für die Räume des neuen Europäischen Kunsthofes wird Galeristin Angelika Kühnen nun vorwiegend renommierte Künstler ausstellen. Da ihr persönlich das Werk von Ernst Wille, und hier seine Porträts, besonders am Herzen liegen, lag es nahe, dass möglichst bald eine Ausstellung mit Werken des ehemaligen Professors der FH Aachen im Kunsthof stattfindet.

Spuren hinterlassen

Ernst Wille hat Spuren hinterlassen. Insbesondere ist er in Amerika als Künstler sehr bekannt. Dort gab es lange Zeit sogar einen „Wille-Day“. Als Kriegsgefangener wurde er von amerikanischen Offizieren mehrfach gefragt, ob Ernst Wille nicht ein persönliches Porträt von ihnen machen könnte. Dies führte schließlich dazu, dass der Künstler nach seiner Deportation in die Vereinigten Staaten dort mit der Schaffung eines großen Kriegsbildnisses in einem Offizierscasino beauftragt wurde. Es wurde ein heroisches Kriegsbildnis.

Der einzige Haken an dieser Geschichte – das Bildnis wurde nicht fertig, da Ernst Wille aus der Haft entlassen wurde und nach Deutschland zurückkehrte. Ca. 30 Jahre später jedoch besuchte Ernst Wille seinen ehemaligen Ort der Gefangenschaft. Das Offizierscasino stand immer noch. Das Bild war , wie er es verlassen hatte, unvollendet. Mit weitem Abstand zu den Kriegsgeschehnissen und im Beisein seiner ehemaligen „Bewacher“ vollendete Ernst Wille seine Arbeit und signierte diese. Davon waren die Amerikaner derart begeistert, dass seine Geschichte auf allen Titelseiten in den Vereinigten Staaten erschien.

Aber Ernst Wille ist vielmehr als ein Maler. Ernst Wille ist ein Stadtgestalter der Kunst und der Mahnung. So gibt es eine ganze Reihe von Kunstobjekten im öffentlichen Raum. Als Professor der FH Aachen hat er in dieser Zeit natürlich hier auch im öffentlichen Raum gewirkt. Das Mahnmal zu Ehren des ermordeten Bürgermeisters Oppenhoff auf dem Mittelstreifen der Oppenhoffallee ist sicher das aussagekräftigste Monument dieser Art. Ernst Wille hat mit seiner Familie bis zu seinem Tod 2005 in Köln gelebt. Sein wohl größtes Werk für diese Millionenstadt ist die „Judenwand“ neben dem alten historischen Rathaus der Stadt Köln. Vor diesem Kunstwerk befindet sich heute Kölns Ausgrabungsstätte in die Jahrtausend alte Geschichte. Und hier hatte auch John F. Kennedy zu den Bürgern Kölns gesprochen.

Ernst Willes gemalte Portraits werden nun von Angelika Kühnen im Europäischen Kunsthof bis März ausgestellt. Dies war jedoch nur mit Hilfe seiner Tochter möglich, die sich seither um den Nachlass und das Andenken ihres Vaters bemüht. Die Ausstellung ist eine wahre Komposition. So wie die Malerei Willes. Denn wie kein anderer hat Ernst Wille die Malerei, Literatur und Musik zusammengefasst. Große Sinfonien entstanden unter seinen Händen, mit von ihm geführten Pinseln und sind in seinen Bildern bis heute sichtbar.

Die Ausstellungen im Kunsthof finden mit neuen Konzept nun ohne eigentliche Vernissage und ohne Eröffnungsreden statt. Die Besucher mögen sich einlassen auf die gezeigten Kunstwerke und unvoreingenommen die Bilder betrachten. Ernst Wille ist sicherlich ein Künstler, der auch durch seine Lehrtätigkeit eine Vielzahl damals junger Künstler sehr beeinflusst hat. Sein Werk hat einen eigenen, charakteristischen Stellenwert der deutschen Kunstszene.

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