Stolberg - Ein Konzert im Stolberger Bethlehem-Gesundheitszentrum

Ein Konzert im Stolberger Bethlehem-Gesundheitszentrum

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
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Bereit für das Konzert am Ostermontag: Künstlerin Gertrud Schmidt und Chefarzt und Cembalist Claus Köppel.

Stolberg. Ein Konzert im Krankenhaus, und zwar in der Kapelle – das aktuelle Kulturereignis im Stolberger Bethlehem-Gesundheitszentrum sprengt den Rahmen des Üblichen bei weitem. Noch unkonventioneller wirkt das Konzert am Ostermontag, 17. April, im Gotteshaus auf der zweiten Etage des Gebäudes an der Steinfeldstraße 5 durch die Wahl der Klangkörper.

Gertrud Schmidt und Privatdozent Dr. Claus Köppel, Chefarzt der Altersmedizin im Hause, nehmen mit einer Viola d‘Amore und einem Cembalo zwei Instrumente mit einer wechselvollen und spannenden Geschichte zur Hand.

Ein Versprechen steht schon mal: „Ich habe ein langes Programm gemacht“, sagt Köppel, der seine künstlerische Mitstreiterin von gemeinsamen Auftritten her kennt. Dass der Cembalist und Mediziner, der zwischen Stolberg und seiner Heimat Berlin hin und her pendelt, Wort hält, darf als sicher gelten. Das üppige Repertoire, zu dem unter anderem Werke von Attilio Ariosti, Johann Sebastian Bach und Giovanni Toeschi gehören, hat im Übrigen keinen Preis: Der Eintritt im Krankenhaus ist frei.

Den moderierenden Part übernimmt Claus Köppel. Der hat neben Medizin auch Kirchenmusik studiert und kann nicht nur mit beachtlichem Können bei der Ausführung der Werke, sondern auch durch sein Hintergrundwissen zu Kompositionen und den Wunderwerken, die sie erklingen lassen, glänzen. Im Falle seines Cembalos gleicht dessen Geschichte eher einer Chronique scandaleuse.

Einst nämlich gehörte das Instrument, das sein klingendes Innenleben dem kunstvollen Ineinandergreifen aus Metallsaiten und Federkielen, die die Saiten zupfen, verdankt, der Solistin und Lebedame Violet Gordon-Woodhouse (1872-1948). Die machte nicht nur durch ihre Virtuosität, sondern auch durch den Umstand von sich reden, dass sie mit ihrem Ehemann und zeitweise bis zu vier Liebhabern unter einem Dach zusammenlebte.

Das Innenleben des Cembalos verrät indes ganz andere Werte. Sein Besitzer, der in der Bundeshauptstadt dem Vorstand der Freunde des Musikinstrumente-Museums angehört, historisch gesehen eine Spätblüte aus der Zeit des Übergangs vom Barock in die Klassik, charakterisiert Köppel das Schmuckstück aus seinem Besitz als „Instrument, dass sich aufbäumt gegen den Sieg des Klaviers als Tasteninstrument“.

Schon durch seine Machart sei das Produkt einer englischen Werkstatt ein Glanzstück – weil eine Art von Jalousie über den Saiten ein Auf- und Abschwellen des Klangs ermögliche. Beschaffen sei es wie ein edles Möbel. Und wenn er so etwas sieht, gibt es für den Chefarzt kein Halten mehr: „Wenn ich ein schönes Furnier sehe, dann muss ich es haben.“

Gertrud Schmidts Viola d‘Amore, einer größeren Verwandten der Bratsche (die wiederum größer als eine Geige ist, aber ähnlich gespielt und gehalten wird), kann nicht mir so viel Glamour dienen. Aber immerhin gehörte sie ehedem Michael, dem jüngsten Sohn des Schriftstellers Thomas Mann. Der hat zwei der Werke, die in der Kapelle gespielt werden, zu literarischem Ruhm verholfen: Er erwähnt sie in seinem Roman „Doktor Faustus“.

Das Konzert in der Kapelle des Bethlehem-Gesundheitszentrums in Stolberg (Steinfeldstraße 5) findet am Ostermontag, 17. April, ab 16 Uhr, statt. Der Eintritt ist frei.

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