Ein Klimaschutzkonzept für ganz Stolberg

Von: Michael Grobusch
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Ganzheitlicher Ansatz: An dem
Ganzheitlicher Ansatz: An dem Klimaschutzkonzept sollen Stadt, private Haushalte und die Industriebetriebe - auf unserem Bild im Hintergrund Unternehmen an der Zweifaller Straße - beteiligt werden. Foto: M. Grobusch

Stolberg. In gewisser Weise könnte die große Koalition zu einem Glücksfall werden. Zwar ist Umweltschutz mittlerweile über alle Partei- und Fraktionsgrenzen hinaus ein wichtiges Thema. Aber dennoch dürften dank des jüngst besiegelten Bündnisses und der dadurch bedingten klaren Stimmverhältnisse im Rat die Chancen für ein Klimaschutzkonzept in Stolberg gestiegen sein.

Ein solches hat die SPD beantragt, und hinter diesem Antrag steht in erster Linie ein Mann, der sonst vorwiegend bei Bildungsthemen und als Vorsitzender des Schulausschusses das Wort ergreift: Ratsherr Patrick Haas.

„Das Klimaschutzkonzept ist zwar nicht Bestandteil der Koalitionsverhandlungen. Ich erwartete aber dennoch, dass dieses Thema ernsthaft und zügig verfolgt wird”, erklärt Haas. Die Ernsthaftigkeit einmal vorausgesetzt, spielt vor allem die Zeit eine wichtige Rolle. Das hat weniger mit den Auswirkungen des Klimawandels zu tun als vielmehr mit den engen Fristen, die das Bundesumweltministerium für die von ihm angebotene Förderung gesetzt hat. „Anträge müssen zwischen dem 1. Januar und dem 31. März eingereicht werden”, benennt Haas den zeitlichen Rahmen.

Eine Teilnahme lohnt sich, ist der Sozialdemokrat überzeugt - und legt dabei großen Wert auf die Feststellung, dass die Idee zwar von der SPD stamme, das eigentliche Anliegen aber ein allgemeines und somit unpolitisches sei: „Zum Erreichen der bundespolitischen Vorgaben zur Reduzierung von CO2-Emissionen werden Kommunen zu wichtigen Handlungsträgern beim Klimaschutz. Dieser Verantwortung müssen wir uns gemeinsam stellen.”

Aus Sicht des Antragstellers ergibt sich aus dem Bundesförderprogramm für die Kupferstadt aber nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch eine doppelte Chance. „Als Nothaushaltkommune könnten wir die Finanzierung aus eigener Kraft gar nicht leisten. So aber werden 95 Prozent der Kosten über Zuschüsse abgedeckt.” Blieben lediglich fünf Prozent, die die Stadt über Personaleinsatz oder aber über Sponsoren beisteuern müsste. Und: „Ein Klimaschutzkonzept würde Einsparpotenziale bei der Energie und damit letztlich auch bei den Finanzen aufzeigen”, ist Patrick Haas sicher. Dass das Vorhaben an der Beantragung scheitern könnte, schließt er kategorisch aus: „Es gibt Musteranträge, die verwendet und von der Verwaltung an die Situation vor Ort angepasst werden können.”

Doch worauf zielt ein Klimaschutzkonzept ab? „In Stolberg gibt es gute Ansätze, beispielsweise beim Windpark Werth, dem Solarpark im Camp Astrid oder bei der vereinzelten Vermietung von Dachflächen für Photovoltaikanlagen. Es fehlt aber ein Konzept, das sich ganzheitlich mit Stolberg befasst, die Beteiligung aller relevanten Akteure und auch eine Koordinierung sicherstellt”, hat Haas große Defizite ausgemacht. „Was mir fehlt, ist ein Gesamtkonzept und eine konkrete Kosten-Nutzen-Rechnung. In Zukunft dürfen wir nicht mehr aus dem Bauch heraus planen, sondern das muss mit System geschehen.”

Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, sollen im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes zunächst die C02-Emissionen und Energieverbräuche im Stadtgebiet erfasst werden. In einem zweiten Schritt würden dann mögliche Maßnahmen erarbeitet - angefangen von Steigerungen der Energieeffizienz über den verstärkten Einsatz regenerativer Energiequellen bis hin zu einer energieorientierten Verkehrs-, Stadtentwicklungs- und Grünflächenplanung. Dabei sollen die Bürger, so sehen es die Förderrichtlinien vor, im Rahmen der sogenannten Akteursbeteiligung eingebunden werden. Gleiches gilt für Schulen und deren Fördervereine, umweltaktive Gruppen und die im Stadtgebiet angesiedelten Unternehmen. „Dabei geht es auch darum, Konkurrenzdenken zu vermeiden und vorhandene Maßnahmen bei der Erstellung des Konzeptes zu berücksichtigen”, erklärt Haas. Um all dies leisten zu können, sieht das Förderprogramm den Einsatz - und die Finanzierung - eines externen Klimaschutzmanagers vor.

Bis es soweit ist, dürfte allerdings noch ein Jahr vergehen. „Wenn wir unseren Antrag einreichen, würde wahrscheinlich im Sommer die Bewilligung erfolgen. Danach müsste die Stadt das Projekt ausschreiben und vergeben. Anfang 2013 könnte es dann konkret losgehen”, rechnet Patrick Haas hoch. Vom Erfolg eines Klimakonzeptes ist er überzeugt: „Stolberg wird unter ökologischen, ökonomischen und auch sozialen Aspekten davon profitieren.”
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