Ein Heimkehrer beim Vichter Nachmittag

Von: Sarah-Lena Gombert
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Die Vichter Nachmittage haben sich zu einer Institution im Dorf gemausert. Auch als Hans-Walter Schreiber zum Akkordeonspielen in die alte Heimat kommt, ist das Pfarrheim sehr gut besucht.

Stolberg-Vicht. Er sei ein „Vagabund und Privatgelehrter“ erzählt Hans-Walter Schreiber gerne, wenn man ihn nach seinem Beruf fragt. Vor vielen Jahrzehnten verschlug es den Vichter über Heidelberg nach München, von wo aus er ganz Europa bereiste. Vor wenigen Wochen tauchte er dann plötzlich im Vichter Dorfladen auf, wo er seinem alten Schulfreund und dem heutigen Pfarreiratsvorsitzenden Rudi Dreuw über den Weg lief.

Prompt wurde er verpflichtet, wieder zu kommen, und beim Vichter Nachmittag vorzuspielen. „Seit sechs Jahren veranstalten wir mittlerweile diese bunten Nachmittage im Pfarrheim“, erzählt Dreuw im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein 18-köpfiges Team bewirtet an diesen Nachmittagen rund 80 Vichter, die zum Klönen, Kuchen essen und Kaffee trinken vorbeikommen, und eben um mit Hans-Walter Schreiber zu sprechen. „Mittlerweile haben wir uns 55 Mal zu solchen Nachmittagen getroffen, die sind eine richtige Institution im Dorf geworden“, sagt Dreuw. Und jedes Mal gibt es ein Thema oder ein bestimmtes Programm. An diesem Nachmittag heißt das Programm Hans-Walter Schreiber.

Über Heidelberg nach München

Und der hat aus 48 Jahren, die er mittlerweile fort ist aus der Heimat, eine Menge zu erzählen. „Ich weiß auch nicht genau, warum ich hier unbedingt weg wollte, aber ich musste damals gehen“, sagt Schreiber, der zunächst nach Heidelberg an die Universität ging, für ein „Studium Generale“, wie er es bezeichnet. Anschließend fuhr er gemeinsam mit einer Freundin in die bayrische Hauptstadt München, wo sie zusammen eine Weile lang Deutschlands ersten Posterladen führten. „Dann habe ich angefangen, Kunstobjekte zu transportieren.“

Diese Arbeit habe ihn durch ganz Europa geführt, beispielsweise in Italien sei er viel unterwegs gewesen. „Meine Mutter hat mir immer gesagt, ich solle das sein lassen mit dem vielen Herumreisen. Das würde mich kaputtmachen. Aber das hat mich bis heute noch nicht kaputt gemacht“, sagt Schreiber und lächelt.

Auf seinen Reisen hat der Akkordeonspieler auch viel Musik gesammelt, die er an diesem Nachmittag in Vicht vorspielt. Das musikalische Talent, das habe der Vater ihm vererbt. Der war Chorleiter und Organist. „Vor allem italienische Lieder haben es mir angetan“, verrät er, aber weil er sein Publikum in Vicht erfreuen wolle, habe er auch einige deutsche Volkslieder extra für diesen Nachmittag eingeübt.

Auch wenn München seine Heimat geworden ist und er sich dort einen Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut hat, genießt Hans-Walter Schreiber die Tage, die er in Vicht verbringt. „Lange Zeit habe ich Leute nicht verstanden, denen ihre Wurzeln so wichtig sind. Ich habe mich immer gefragt, was soll das? Die spinnen doch!“ Aber jetzt habe er in seinem Heimatdorf viele alte Bekannte und Freunde wieder getroffen, auch an diesem Nachmittag wird er immer wieder angesprochen.

Auch wenn er über die Landschaft rund um Vicht spricht, gerät er ins Schwärmen. Es sei hier mindestens genauso schön wie in der Toskana. „Ich fühle mich hier einfach wohl“, sagt er. So wohl, dass er seine Rückreise nach München noch ein paar Tage nach hinten verschieben wird.

Der nächste Vichter Nachmittag ist übrigens am Mittwoch, 7. Dezember. „Dann machen wir einen Adventstreff“, verrät Rudi Dreuw schon mal im Voraus.

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