Ein Grüner Pfeil kollidiert mit Grünlicht

Von: Jürgen Lange
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Nach zwölf Jahren zum zweiten
Nach zwölf Jahren zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage demontiert wurde der Grüne Pfeil an der Ampel der Zweifaller Straße. Bei Nutzung des Privilegs kann es für Rechtsabbieger zu gefährlichen Situationen mit ordnungsgemäß nach links abbiegenden Autos kommen. Foto: J. Lange

Stolberg. Schneller als in Stolberg können selbst Indianer nicht mit einem Pfeil umgehen. Die verschwinden von einem auf den nächsten Tag, kehren ebenso unvermittelt wieder, um sich dann wieder in Luft aufzulösen.

Das hat dann weder etwas mit Federn noch der Spannkraft eines Bogen, viel mehr jedoch mit Verstimmungen in Kompetenzfragen zu Verkehrsfragen, in denen Stolbergs Politiker nicht immer einer Meinung mit der Polizei sind.

Polizei bittet, Verwaltung handelt

Doch der Reihe nach. Es war an einem freundlichen Tag Ende März, als ein Motorradfahrer von der Zweifaller Straße nach rechts in den Burgholzer Graben abbiegen wollte. Die Ampel zeigte Rotlicht, doch die Abbiegespur in Richtung Donnerberg ist mit einem Grünen Pfeil ausgeschildert: Unter Wahrung aller Sorgfaltspflichten darf man dann auch bei Rot abbiegen. Das tat der Kradfahrer denn auch, und wäre er nicht sorgsam gewesen, wäre er vermutlich unter einem entgegen kommenden Auto gelandet, das ganz ordnungsgemäß aus Richtung Innenstadt kommend von der Zweifaller Straße nach links in den Burgholzer Graben abbog - bei Grünlicht.

Diese Gefahrenlage diskutierte der Kradfahrer dann mit der Polizeiführung in der Kupferstadt und stieß auf offene Ohren. Der Grüne Pfeil an dieser Einmündung war den Ordnungshütern schon lange ein Dorn im Auge, so erfuhr es der Stolberger, weil es dort immer wieder zu solch gefährlichen Situationen komme.

Ausschuss fühlt sich übergangen

Gesagt getan, wenige Tage später war das kleine quadratische Schild mit der aus DDR-Zeiten stammenden Verkehrsregelung an der Ampel demontiert - auf Bitten der Polizei, wie im Nachhinein das Präsidium auf Anfrage bestätigte.

Doch weder Grund noch Bitte waren den Stolberger Politikern bekannt, als sie in der Juni-Sitzung des Verkehrsausschusses kräftig zunächst mit der Verwaltung ins Gericht gehen wollten. Denn die Stadt sei die anordnende Verkehrsbehörde, und der Ausschuss hat sich vorbehalten, bei wesentlichen Veränderungen an Lichtzeichenanlagen beteiligt zu werden, bevor die Verwaltung tätig wird.

Und jeder Grüne Pfeil im Stadtgebiet ist wesentlich. Immerhin hatte der Ausschuss vor zwölf Jahren heftig gegen die Hürden der Bürokratie gekämpft, um letztlich nur an einigen wenigen Stellen im Stadtgebiet diese für westdeutsche Verhältnisse fortschrittliche Beschleunigung des Verkehrsflusses einführen zu können. Dass dann solch ein Grüner Pfeil nach einem Dutzend Jahre so einfach verschwinde, das könne doch nicht sein.

Die Verwaltung versprach natürlich Besserung im Umgang mit den Politikern und eine Untersuchung des Vorgangs. Und siehe da, gleich in der folgenden Woche ward der Grüne Pfeil wieder an der Ampel gesichtet. Doch die Freude in der Ratsriege währte nicht lange, denn ein paar Tage später war es wieder demontiert, das hohe Gut der flüssigen Verkehrsführung in der Kupferstadt.

Unfallkommission ordnet an

Denn diesmal hatte sich die Polizei gleich an die bei der Städteregion angesiedelte Unfallkommission gewandt, in der Vertreter aller relevanten Institutionen alle Gefahrenstellen zwischen Kalterherberg und Puffendorfer Kreuzung fest im Blick haben. Die Kommission hat dann die Stadt angewiesen, den Grünen Pfeil erneut zu demontieren. Was wiederum zu großen Irritationen im politischen Raum führte.

Allerdings hatte die Anordnung auch durchaus einen ernsten Hintergrund. Der ist in der Ampelschaltung begründet.

Sobald die Lichtzeichenanlage für den auf der Landesstraße 238 stadteinwärts fließenden Verkehr Rot zeigt, bedeutet das für die entgegenkommenden Fahrzeuge noch lange nicht Rot. Denn stadtauswärts ist die Grünphase für den Verkehr ein wenig verlängert, damit noch Fahrzeuge auf die Kreisstraße 6 in Richtung Donnerberg abbiegen können. Dadurch kann es immer wieder zu brenzligen Situationen kommen, wenn ein Rechtsabbieger von den Privilegien des Grünen Pfeils Gebrauch machen möchte. Und damit es dazu nicht kommen kann, bleibt der Grüne Pfeil demontiert.

Damit eine derartige Demontage nicht auch demokratische Privilegien demontiert, wird auch der Stolberger Verkehrsausschuss den Grünen Pfeil ins Visier nehmen. Auf seiner August-Sitzung wird das Ratsgremium dann vor die Wahl gestellt, über die Bedeutung der Verkehrsflüsse abzustimmen, die ihm am meisten am Herz liegen.

Sollten das die mittels Grünen Pfeil bei Rot nach rechts in Richtung Donnerberg abbiegenden Verkehrsteilnehmer sein, dann müsste die Ampelschaltung so geändert werden, dass entgegenkommenden Fahrzeugen ebenfalls Rot gezeigt wird und sie nicht in den Kreuzungsbereich einfahren dürfen.

Die Qual der Wahl

Sollten aber die Linksabbieger die Präferenz der Politiker erhalten, dann darf der Grüne Pfeil nicht mehr aufgehängt werden.

Wird das Verkehrszeichen aber nicht mehr aufgehängt, dann kanns auch gefährlich werden. Denn aus jahrelanger Gewohnheit biegen etliche Autofahrer weiterhin bei Rot nach rechts auf den Burgholzer Graben ab, obwohl der Grüne Pfeil gar nicht mehr vorhanden ist. Nun hat der Stolberger Verkehrsausschuss die Qual der Wahl.
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