Stolberg - Ein Grabstein kann Leben gefährden

Ein Grabstein kann Leben gefährden

Von: Ottmar Hansen
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Frank Skottke von der Friedhofsverwaltung überprüft mit dem Kipptester die Standfestigkeit des Grabsteins. Wackelt das Grabmal, kommt ein gelber Zettel für die Angehörigen des Verstorbenen drauf. Foto: O. Hansen

Stolberg. Sie wirken so solide und fast wie für die Ewigkeit gemacht, doch der Eindruck täuscht: Mancher Zentner schwere Grabstein auf dem Friedhof Bergstraße hat sich im Laufe der Zeit gelockert und stellt eine große Gefahr dar. Wehe wenn das Grabmal umstürzt und einen Menschen unter sich begräbt!

An diesem Mittag ist es angenehm still auf dem Friedhof. Nur aus der Ferne sind Pkw vom Krankenhausparkplatz zu hören. Aber zwischendurch piept es. Willi Philippengracht und Frank Skottke von der Friedhofsverwaltung gehen die Gräberreihen ab und kontrollieren die Standfestigkeit der Grabsteine. „Auf diesem Friedhof wurden im Laufe der Jahrzehnte rund 8000 Grabsteine errichtet. Sie müssen gemäß einer Auflage des Unfallversicherungsverbandes mindestens einmal im Jahr auf ihren Halt hin überprüft werden“, erläutert Philippengracht die Aufgabe. Nicht auszudenken, wenn eine alte Dame sich zur kurzen Erholung auf einen Grabstein abstützt und der schwere Stein kippt um – auf ihre Beine. Oder ein kleines Kind wird von einem umstürzenden Grabmal erschlagen.

Vorurteil widerlegt

Früher haben er und seine Kollegen mit der Hand gegen die Steine gedrückt, um festzustellen, ob sie noch sicher stehen. Doch diese einfache, aber zuverlässige Methode gehört längst der Vergangenheit an. Philippengracht: „Die Leute haben nachher behauptet, wir rüttelten ihnen die Grabsteine lose.“ Um dieses Vorurteil zu widerlegen, hat die Stadt „Kipptester“ angeschafft. Das Messgerät wird mit einem Druck von 300 bis 500 Newton, je nach Größe, für zwei Sekunden gegen den Stein gehalten. Ertönt dann ein Piepton, steht der Stein fest. Ist er lose, lässt sich das so objektiv beweisen.

Aber vielleicht dient das Gerät ja auch der eigenen Gesundheit. Philippengracht: „Vor drei Jahren habe ich zur Kontrolle an einem Stein gerüttelt, der erst vor kurzem aufgestellt worden war. Der war so locker, dass ich prompt mit dem ganzen Stein über das Grab geflogen bin.“

Die Friedhofsverwaltung macht kein Geheimnis aus ihren Kontrollgängen. „Wer uns begleiten will, um zu sehen, ob der Gedenkstein am Grab seiner Angehörigen nicht wackelt, ist jederzeit willkommen“, versichert Frank Skottke. Wird ein Grabmal entdeckt, das sich im Laufe der Zeit (meist durch Verwitterung) gelockert hat, kleben die städtischen Mitarbeiter einen gelben Zettel auf den Stein. Beschriftet mit der Aufforderung an die Betreuer des Grabes, den Mangel zu beheben. Meist muss dann ein Steinmetz anrücken, der die Verankerung des Steins im Betonfundament erneuert. Nach sechs Monaten erfolgt dann eine erneute Kontrolle der Grabstätte durch die Behörde. „Hat es bis dahin keine Reaktion gegeben, lege ich den Stein notfalls um“, kennt Philippengracht in einem solchen Fall kein Pardon.

Immerhin: Die Zahl der losen Grabsteine auf dem Friedhof Bergstraße hat sich in den zurückliegenden Jahren stark verringert. Mussten vor fünf Jahren noch rund 300 Gräber beanstandet werden, so waren es im vergangenen Jahr noch 100. Philippengracht: „Die Leute achten offenbar mehr drauf.“

Die Grabsteine auf dem Friedhof im Herzen Stolbergs dürfen bis zu 1,30 Meter hoch sein, Stelen bis zu 1,80 Meter hoch. Der Trend ging allerdings zuletzt zu pflegearmen Bestattungsformen. Rund 80 Prozent der Verstorbenen werden in einer Urne bestattet, sie findet Platz in einer Stele oder in einem kleinen Grab, das dann in der Regel mit einer Steinplatte abgedeckt wird.

Wieder andere lassen ihre Angehörigen in einer Rasenfläche beerdigen, nur eine kleine Steinplatte im Gras erinnert noch an den Verstorbenen. Es gibt Streufelder, auf denen die Asche der Verstorbenen unter Bäumen oder an einem Bachlauf verstreut wird. Wackelnde Grabsteine sind da kein Thema mehr.

Alte Tradition

Willi Philippengracht hat allerdings eine Rückkehr zum früher üblichen Reihengrab ausgemacht. Und diese Rückbesinnung auf die alte Bestattungstradition kommt der Friedhofsverwaltung nicht einmal ungelegen. Für die Pflege der Rasengräber müssen schließlich nicht die Angehörigen, sondern die städtischen Mitarbeiter ran. Und da gibt es regelmäßig Probleme. Frank Skottke: „Manchmal benötigen wir mehr als eine Viertelstunde, um alle Blumen und Figürchen von einem Grab abzuräumen, damit wir dann mit dem Rasenmäher darüber fahren können.“

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