Ein echtes Marktgefühl kommt nicht auf

Von: Dirk Müller
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Nur noch zwei Stände locken die Kunden mit ihren Waren an: Der samstägliche Wochenmarkt auf dem Willy-Brandt-Platz bietet ein eher bescheidenes Bild. Foto: D. Müller
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Händler Toni von Krüchten plädiert für eine Rückkehr in die Innenstadt, um den Markt mit mehr Beschickern und mehr Kunden zu beleben. Foto: D. Müller
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Beschicker Reiner Lambertz ist mit dem Geschäft in Oberstolberg zufrieden und hält den Standort Kaiserplatz für die schlechtere Alternative. Foto: D. Müller

Stolberg. Der Wochenmarkt auf dem Willy-Brandt-Platz wird jede Woche samstags aufgebaut – insofern also auch seinem Namen gerecht. Was allerdings die Bezeichnung „Markt“ angeht, zeigt sich ein eher bescheidenes Bild auf dem Pflaster vor der EWV-Verwaltung.

Gerade einmal zwei Beschicker bauen ihre Stände auf, bieten Obst, Gemüse, Kartoffeln, Eier und mehr an. „Ein echtes Marktgefühl kommt hier nicht auf“, gibt Reiner Lambertz zu. Der Händler ist dennoch zufrieden mit dem Standort und dem Geschäft. „Es sind genug Leute hier unterwegs, und die Kunden sind froh darüber, dass wir hier auf dem Willy-Brandt-Platz sind“, sagt Lambertz.

Er ist Beschicker in der dritten Generation. „Und auch viele Kunden sind uns seit Generationen treu.“ Diese Stammkundschaft trage die Wirtschaftlichkeit des Geschäfts entscheidend mit. Der Kaiserplatz als samstäglicher Standort für den Wochenmarkt sei für ihn die schlechtere Alternative, meint Lambertz: „Auf dem Kaiserplatz finden immer wieder Veranstaltungen statt, und der Markt müsste diesen oft weichen. Der Wochenmarkt in Oberstolberg hingegen bietet den Kunden mehr Beständigkeit, und das ist wichtig.“ Ganz anders sieht es Toni von Krüchten am Nachbarstand.

„Ein Markt gehört in die Innenstadt“, sagt der Mann, der seit 37 Jahren als Beschicker in Stolberg frische Erzeugnisse anbietet. Von Krüchten hadert mit dem Willy-Brandt-Platz als Markt-Standort: „Jeden Samstagmorgen kommt ein Mitarbeiter des Ordnungsamts vorbei, um zu schauen, ob wir überhaupt aufbauen können, und regelmäßig werden falsch parkende Autos abgeschleppt. Dieser Aufwand für zwei verbliebene Stände – das steht doch in keiner Relation.“ Die Ansiedlung von Kaufland und Burg-Center hätte für den Wochenmarkt keine positiven Effekte gebracht.

„Kaufland ist wie eine große Biberburg. Den Biber bekommt man auch nie zu Gesicht“, beschreibt von Krüchten. Kunden des Supermarkts würden unter das Geschäft fahren, um zu parken, oben einkaufen und dann wieder „verschwinden“. Die Kupferstadt sei generell für Beschicker ein schwieriges Pflaster geworden. „Im Sommer kann man noch nach Stolberg fahren, aber im Winter dümpelt man nur vor sich hin, arbeitet noch nicht einmal kostendeckend.“ Eine bessere Zukunft für den Wochenmarkt am Samstag kann von Krüchten sich auf dem Kaiserplatz vorstellen. „Dort würde der ein oder andere Beschicker es vielleicht noch einmal mit einem Stand in Stolberg versuchen. Und es könnte wieder ein belebter Wochenmarkt entstehen, wenn Händler auch Käse, Brot und Blumen anbieten.“

Eben solche Händler waren einst vertreten, andere boten Fisch oder Geflügel an, ein Zweiradshop bereicherte den Wochenmarkt – auf dem Kaiserplatz. Dabei hatte der Samstags-Wochenmarkt ursprünglich in Oberstolberg seinen angestammten Standort. Ende der 80er Jahre mussten die Händler diesen verlassen, da der heutige Willy-Brandt-Platz umgestaltet wurde. Die „Übergangslösung Kaiserplatz“ hat sich daraufhin für die Beschicker so gut entwickelt, dass sie schon Ende 1997 nicht mehr nach Oberstolberg zurück wollten. Doch 1998 beschloss der Hauptausschuss nach einer neunmonatigen gebührenfreien Probephase, den Markt wieder in Oberstolberg zu etablieren.

Dort klagten die Händler bald über drastische Umsatzeinbußen, drohten Stolberg den Rücken zu kehren. Der scheidende Bürgermeister Ferdi Gatz­weiler plante, den Wochenmarkt wieder auf den Kaiserplatz zu verlegen, die GIO, die „Gemeinschafts-Initiative Oberstolberg“, war dagegen, und der Stadtrat stimmte 2005 mehrheitlich für den Verbleib auf dem Willy-Brandt-Platz. Jener war nur von kurzer Dauer, da Ende 2007 Baubeginn der Kaufland-Niederlassung anstand, und der Wochenmarkt zum Kaiserplatz zurückkehrte.

Im Herbst 2009 erfolgte abermals der Wechsel nach Oberstolberg. Diesmal hatten die Beschicker sich in einem knappen Mehrheitsbeschluss selbst dafür entschieden, ihre Marktstände wieder auf dem Willy-Brandt-Platz aufzubauen. In den vergangenen Wochen wurde eine Rückkehr auf den Kaiserplatz auch im Wahlkampf debattiert.

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