Ein Dorf, in dem man in Ruhe altern kann

Von: Laura Beemelmanns
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Gummistiefel empfohlen: Noch ist das AWO Seniorenzentrum Süssendell eine Baustelle. Trotz des Drecks, der vielen Bagger und Paletten fehlen aber nur noch die Inneneinrichtung und die Außengestaltung. Im März soll alles bezugsfertig sein. Foto: L. Beemelmanns
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Freuen sich schon jetzt auf die Eröffnung: Einrichtungsleiterin Nicole Mehr (l.) und Aufsichtsratsvorsitzende Beate Ruland. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Noch muss man sich den Weg durch den schlammigen Boden, den Bauschutt und die Bagger mit matschfestem Schuhwerk bahnen. In einigen Wochen soll das aber ganz anders aussehen. Denn zum 1. März eröffnet das erste Stolberger Demenzdorf offiziell seine Pforten.

Und schon jetzt durfte man einen ersten Blick wagen.

Das neue AWO Seniorenzentrum Süssendell liegt in mitten der Kupferstädter Natur im Stadtteil Mausbach am Fuße des Nationalparks Eifel. Rund herum stehen Bäume, liegt Laub und ganz aktuell teilweise Schnee. Idyllisch gelegen ist es, um auch vollends idyllisch zu wirken, müssen nun noch die letzten Handgriffe erledigt werden. „Es gibt noch einiges zu tun, aber wir liegen gut in der Zeit“, sagt Einrichtungsleiterin Nicole Mehr.

Sie ist es auch, die zusammen mit Projektleiterin Sabine von Homeyer und der Aufsichtsratsvorsitzenden der AWO Gesa, Beate Ruland, viele Hundert neugierige Gäste begrüßt, die bei der ersten „offenen Tür“ des Seniorenzentrums vorbeischauen. Denn schon jetzt – trotz schlammigen Bodens und vieler Handwerker, die noch Farbe anbringen und Möbel aufbauen – lassen sich die Strukturen der Einrichtung und das dahinterliegende Konzept erkennen.

Fünf verschiedene Stile

Es gibt fünf eingeschossige Gruppenwohnhäuser in unterschiedlichen Farben, darunter blau, rot und ein dezentes gelb. Die auffälligen Farben dienen zum einen der Orientierung der künftigen Bewohner und sehen zudem auch noch hübsch aus.

Und auch die Innenausstattung der Häuser wird sich unterscheiden. „Wir haben verschiedene Stile in den Häusern. Es wird ein modernes, ein klassisches, ein mediterranes, ein rustikales und ein Haus im Stile der 50er Jahre geben“, sagt Mehr. Wer all das sehen möchte, muss sich allerdings noch etwas gedulden. Denn für den ersten „Tag der offenen Tür“ diente zunächst das blaue Haus als Treffpunkt und Informationsraum für die vielen Interessenten. Das Zimmer 09 im selbigen Haus war auserkoren als Musterzimmer. Dieses ist über einen kurzen Flur an den Aufenthaltsmittelpunkt angeschlossen. So könne jeder Bewohner zunächst das Gruppengeschehen wahrnehmen und entscheiden, ob er daran teilnimmt oder lieber ins eigene Zimmer geht.

Das Zimmer selbst ist ausgestattet mit hellem Laminatboden, weißen Gardinen, einem altersgerechten Bett in Holzoptik sowie einem Schrank. Der Rest kann individuell gestaltet werden. Es dürfen eigene Möbel und persönliche Gegenstände mitgebracht werden.

Mit zum jeweiligen Wohnraum gehört außerdem ein Badezimmer, das ebenfalls hell gestaltet ist und jede Menge Platz bietet. Darin enthalten sind eine Toilette, ein Waschbecken mit Spiegel, eine Dusche und viele Halterungen. Zudem wird jedes Haus eine offene Wohnküche haben, die ein alltägliches Leben in Form von gemeinsamem Kochen, Arbeiten, Lesen und Erzählen ermöglichen soll – alles natürlich barrierefrei.

Um all das jetzt schon erkennen zu können, braucht es noch ein wenig Vorstellungskraft. Doch mit jedem weiteren Werktag nimmt das neue Seniorenzentrum Süssendell Gestalt an. „Ab Mitte Februar, wenn hier auch die Büroräume eingerichtet sind, ist täglich jemand von uns vor Ort. Auch dann kann das Seniorenzentrum gerne besichtigt werden“, sagt Mehr. Wer also den ersten Tag der offenen Tür verpasst hat, wird noch viele weitere Möglichkeiten haben, um sich ein Bild der Anlage zu machen.

Werken, gärtnern, nähen

Neben den Gruppenhäusern gibt es noch das gleichnamige „Zentrum“, das in mitten der fünf Gruppenwohnhäuser als zentraler Treffpunkt angesiedelt ist. Dort wird es unter anderem eine Gärtnerei, eine Schneiderei, eine Wäscherei, einen Werkraum, einen Technikraum und einen kleinen Laden geben. „In dem Lädchen wird beispielsweise saisonales Obst und Gemüse angeboten. Wenn wir einen Kuchen mit einigen Bewohnern backen wollen, dann können wir dort zusammen mit ihnen Äpfel oder anderes Obst holen“, sagt Mehr.

All diese Möglichkeiten sollen dazu dienen, dass die Menschen, die im Demenzdorf einziehen werden, das Gefühl haben, gebraucht zu werden, fügt Mehr hinzu. Sie sollen individuell beschäftigt werden – mit dem Hobby, auf das sie gerade Lust haben. Jeder könne jedem helfen und seine Interessen entfalten – ganz so wie auch zuvor in der gewohnten Umgebung.

Daher seien die Häuser im Zentrum auch mit langen Fenstern ausgestattet und die gesamte Anlage hell und freundlich gestaltet. „So kann man jederzeit überall reinschauen und helfen, wenn man möchte“. Diese Beschäftigungsmöglichkeiten sollen dazu beitragen, dass niemand, der dement ist, die Einrichtung verlassen möchte, was bei einer solchen Erkrankung häufig der Fall ist. „Wir werden das Gelände nicht umzäunen. Das unterscheidet uns von anderen Einrichtungen“, sagt Mehr. Im Vordergrund stünden die individuelle Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit der Bewohner.

Das Gelände liegt daher sehr günstig, da es von Bäumen und nicht von Straßen umgeben ist. Es gibt einen Parkplatz nahe der Zufahrt, ansonsten ist es rings um das Demenzdorf weitgehend autofrei und ruhig. Besuchern, Bewohnern und Mitarbeitern wird ein Café mit Terrasse zur Verfügung stehen, in dem sie sich unterhalten und entspannen können, so dass sie das Dorf auch nicht zwangläufig bei einem Besuch verlassen müssen.

Das Grundstück wird natürlich gestaltet mit Obstwiesen und Möglichkeiten zur Tierhaltung. Gebaut wurde in energieeffizienter und ökologischer Bauweise.

80 Bewohner finden Platz

Insgesamt werden 80 Menschen Platz im Demenzdorf haben – 16 je Haus. Etwa 30 haben sich bereits angemeldet. Betreut werden sollen sie von einem 50 bis 60 Personen starken Mitarbeiter-Team. „Wir haben schon ein paar Mitarbeiter eingestellt“, sagt Mehr. „Aber wir suchen auch noch welche. Sie werden sukzessive nach den Anmeldezahlen eingestellt.“ Anmelden könne sich zudem jeder, der einen Pflegeplatz benötige. „Wir sind auf Demenz spezialisiert, aber jeder Pflegepatient wird hier angenommen“, sagt Mehr.

Jeder Mensch, der also aufgrund seines Alters oder wegen einer körperlichen oder psychischen Erkrankung den gewöhnlichen Alltag nicht mehr meistern könne, sei willkommen. Angeboten werden Pflegeplätze, aber auch vollstationäre Pflege und Kurzzeitpflege beziehungsweise Verhinderungspflege. Dennoch würden vorrangig an Demenz erkrankte Menschen aufgenommen.

Dass schon jetzt so viel Interesse besteht, das haben Nicole Mehr und Beate Ruland nicht erwartet. „Ich habe schon damit gerechnet, dass einige Menschen kommen werden, aber dass es so viele sind, das ist einfach toll“, sagt Ruland.

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