Ein absolutes Highlight im Stolberger Musiksommer

Von: mlo
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Tomoko Yoneyama (Klavier), Jer
Tomoko Yoneyama (Klavier), Jeremy Hulin (Klarinette) und Jonas Seeberg (Cello) begeisterten das Publikum im Rittersaal. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Etwas abseits vom Trubel des Stadtfestes war eine relativ große Schar von Menschen in den Rittersaal der Burg gekommen, um dem Jeremy Hulin Trio zuzuhören. Mitreißende Spielfreude, lebendige Vielfalt im musikalischen Ausdruck und der Gestaltung, Präzision im Zusammenspiel, die die technische Perfektion eines jeden Einzelnen in der Beherrschung seines Instrumentes voraussetzt.

Das ist das Markenzeichen von Tomoko Yoneyama (Klavier), Jeremy Hulin (Klarinette) und Jonas Seeberg (Cello). Diese selten zu hörende Besetzung legte ein besonderes Zeugnis musikalischer Professionalität ab.

Der Auftakt zu diesem Kammermusikabend galt Ludwig van Beethoven mit seinem „Klarinettentrio op. 11”, auch „Gassenhauer-Trio” genannt. „Eh ich ans Werk gehe, will ich ein wenig essen.” Dieser Vers, den Beethoven dem dritten Satz des Trios voranstellt, entstammt aus Joseph Weigls Oper „Der Korsar oder Die Liebe unter Matrosen”. Diese Arie dient als Thema des Variationssatzes und gab dem Werk seinen gebräuchlichen Namen. Jeremy Hulin bildete mit Ehefrau Tomoko und Cellist Jonas Seeberg jene Dreiheit, die der 28-jährige Beethoven hier einfordert. Während der erste Satz, das Allegro Con brio, noch an die Wiener Klassik und seinen Lehrer Joseph Haydn erinnert, stehen im Adagio Klarinette und Cello im Vordergrund und schwelgen in romantischen Gefühlen. Die Pianistin ist die ideale Ergänzung dank ihrer atemberaubenden Hingabe und feinsinnigen Interpretation.

In der „Sonate für Klavier und Violoncello Op. 102 Nr. 2”, ebenfalls von Beethoven, zeichnen sich erste Anzeichen seiner Krankheit ab, dennoch hat die Taubheit Beethovens Klanggefühl nicht beeinträchtigt. Das innere Ohr des Komponisten vermochte das äußere vollauf zu ersetzen. Die Neuheit der späten Sonaten beruht auf dem Geist. Neu ist die Einbeziehung der Fuge unter die Sonatensätze, die eine ungeheuere Erweiterung der satztechnischen Möglichkeiten und der Ausdruckskraft bedeuten.

Die wachsende Beliebtheit der Klarinette, die sich nach 1800 als das Soloinstrument der Romantik durchsetzte, führte zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer Flut an virtuoser Klarinettenmusik. So komponierte auch Johannes Brahms vier bedeutende Kammermusikwerke für die Klarinette. Inspiriert hatte ihn Richard Mühlfeld, Solo-Klarinettist, den er in seiner Sommerresidenz in Bad Ischl kennengelernt hatte.

Anders als Beethoven benutzte Brahms in seinem „Klarinettentrio op. 114” alle Register. Dunkel getönte Klangfarben waren eingebettet in singende tragende Töne. Heftige Gefühlsausbrüche wechselten mit Passagen stiller Verzweiflung. Die Wiedergabe dieses fantasievollen Werkes durch das Jeremy Hulin Trio ließ beim Publikum Gänsehaut-Momente entstehen. Am Ende gab es enthusiastischen Beifall für dieses Highlight im Stolberger Musiksommer. Die Künstler bedankten sich ihrerseits mit einem Menuett aus der 2. Sinfonie und der Wiederholung des „Adagio” aus dem Gassenhauer-Trio.

Am Sonntag, 6. November, 19.30 Uhr, gastiert das Ensemble Saxocord im Kupferhof Rosental. Anja Witt (Gitarre), Christof Hallak (Viola) und Burghard Corbach (Saxofon) bieten dann Werke von Paul Hindemith, Ivan Shekov, Ennio Morricone, Bela Bartok, Siegfried Schwab und Roberto di Marino.
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