Stolberg - Ein Abend mit Heinrich Heine in der Stadtbibliothek

Ein Abend mit Heinrich Heine in der Stadtbibliothek

Von: leo
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Der Buchhändler Jörg Drescher bei seiner Lesung zu Heinrich Heine in der Stadtbücherei. Foto: L. Otte

Stolberg. „Mama, Papa, ich möchte Schriftsteller werden“, so manche Eltern würden bei dieser Aussage die Hände über den Kopf zusammen schlagen und sagen, man solle doch lieber etwas „Anständiges“ machen. Ähnlich erging es auch einem der größten letzten Dichter der Romantik: Heinrich Heine.

„Ich will nur schreiben“ hatte er einst zu Lebzeiten gesagt und formulierte damit nicht nur als einer der ersten deutschen Literaten klar sein Berufsziel, sondern zeigte auch: wer einen wirklichen Lebenstraum verfolgt, der lässt sich von den Meinungen anderer nicht beirren.

Es waren Anekdoten dieser Art, die Jörg Drescher beim Heinrich-Heine-Abend in der Stadtbibliothek zum Ausdruck brachte. Zahlreiche interessierte Besucher sind erschienen, um den Worten des Buchhändlers zu lauschen und sich zurückversetzten zu lassen in die Zeit der 19. Jahrhunderts.

Mit Bildern untermalt führte Drescher durch das Leben und das Werk von Heinrich Heine bis hin zu seinem Tode. Las ausgewählte Textfragmente vor und erzählte zwischen den Zeilen davon, wie er aufwuchs, wie er sein Leben mit Höhen und Tiefen in Deutschland, wie später auch in Frankreich, gestaltete.

Gebannt hingen die Zuhörer an den Lippen des Literaturkenners und folgten dem Klang seiner angenehmen Stimme: „Ich finde diese Art des Vortrages sehr lehrreich. Man kennt seine Stücke, aber noch etwas über seine Vita zu erfahren ist dann doch mal etwas anderes“, sagt Rolf Kähler, der die Lesung zusammen mit seiner Frau besucht hat.

Dabei lernten die Besucher an diesem Abend jemanden kennen, dessen charakterliches Wesen bis heute nur schwer eingeordnet werden kann: Heine – zugleich Jude und Deutscher, Europäer und Emigrant, Jurist und Journalist, Ironiker und politischer Freidenker und schließlich Romantiker und Poet.

Doch genau diese Vielschichtigkeit ist es, die Jörg Drescher an der Persönlichkeit so fasziniert und gleichzeitig einer der Gründe, warum er sich dazu entschloss einen Heine-Abend zu veranstalten: „Der andere ist, dass es mir am Herzen lag die Stadtbücherei und den Förderverein ein Stück weit zu bereichern und zu unterstützen“, sagt der 53-Jährige.

Viele Stunden der Vorbereitung steckten dahinter. Bei der Textauswahl war sich der Buchhändler sofort gewiss. Aufwendiger sei es dagegen gewesen, die Fakten und die Zeitumstände einzubetten.

Ein gutes Gefühl zum Abschluss, schaffte Drescher auch noch mit der letzten Anekdote.

Gerade in seinen letzten Jahren in Paris hatte es der Dichter durch Krankheit schwer, bewahrte aber seinen Humor: „Als er eines Tages Besuch erhielt und schon längst nicht mehr laufen konnte“, beginnt Drescher, „soll Heine, während er in ein anders Zimmer gebracht wurde, gesagt haben: „Guck mal, wie man mich hier in Paris auf Händen trägt“ – ja, so war Heine.

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