Stolberg - Ehrfürchtige Stille für makellosen Gesang

Ehrfürchtige Stille für makellosen Gesang

Von: Marie-Luise Otten
Letzte Aktualisierung:
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„Gregorianika“ verband in reizvoller Weise Musik vom Mittelalter bis in die Gegenwart beim Konzert im Zinkhütter Hof. Foto: Otten

Stolberg. Neben typisch einstimmigen gregorianischen Chorälen aus dem Mittelalter bestimmten mehrstimmige kirchliche Gesänge sowie Eigenkompositionen und Lieder aus der Heimat das Konzertprogramm von „Gregorianika“, einem ukrainischen Männerseptett, das in Stolberg gastierte.

Wenn auch die mystische Atmosphäre wie sie in Kirchen, Höhlen und Klöstern zu finden ist und im Museum Zinkhütter Hof gänzlich fehlte, da es zu groß und zu hell war, berührten die Herren durch ihren makellosen Gesang die Herzen der Zuhörer.

Leider waren nur etwas mehr als 100 Besucher gekommen, um diesem Hörerlebnis der besonderen Art zu lauschen. Als die Künstler die Bühne in beigefarbenen Kutten mit je einer Kerze in der Hand betraten und gregorianischer Gesang aus längst vergangener Zeit erklang, herrschte gleich ehrfürchtige Stille, und jeder im Saal spürte eine tiefe Spiritualität. Oleksiy Semenchuk, Bass und musikalischer Leiter, gab von der Stimmgabel die Töne an und sagte die einzelnen Titel nur äußerst karg an.

Den einstimmigen Chorälen folgte mehrstimmige und komplex strukturierte Musik: Geheimnisvoll faszinierende Gesänge aus dem 15./16. Jahrhundert wie „Ave Maria“ oder „Christus factus est“ wechselten mit Musik der heutigen Zeit, Kompositionen vom ukrainischen Mychailo Jatsinjyk, und ukrainischer Folklore. Immer wieder gab es Beifallsstürme für die hervorragend ausgebildeten Stimmen, bei denen jeder einzelne Ton saß und die den weiten Weg vom kaum hörbaren Pianissimo bis zum Mezzoforte in meisterhafter Weise umzusetzen wussten. Schön waren die Wechsel von Vorbeter und Chor in den meditativen Gesängen mit wechselnden Solisten, doch etwas mehr Feuer in den heiligen Gesängen hätte ihnen gut getan.

Alle Stücke wurden a-cappella vorgetragen, nur einmal griff Startenor Serhiy Rybyn zur Querflöte und begleitete darauf die Eigenkomposition „In Meditation“. Sein Bravourstück war „Knight in shining armour“. Hier legte sich der Tenor auf einen weltlichen melancholisch-poetischen Text fest und bot zusammen mit der tänzerischen Führung der Begleitstimmen ein höchst kultiviertes Klangspiel. Der stilprägende Brückenschlag vom Mittelalter in die Gegenwart gelang dem Chor mit modernen jazz-inspirierten Stücken, allen voran der New-Age-Song „Ameno“ in der Esperanto-Sprache, mit dem sie den ersten Teil des Abends beschlossen.

Insgesamt wurden 22 Gesänge präsentiert, darunter auch Mozarts „Ave Verum“ und Bortnyanskys „Herr, deine Kraft“. Nach dem Schlusslied „Gelobt sei der Name Gottes“ und den Beifallsstürmen war eine Zugabe unumgänglich. So setzte das Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“ in der Vertonung von Johannes Brahms das i-Tüpfelchen auf dieses außergewöhnliche Konzert.

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