Ehrenamtliche Kräfte: Die Tafel braucht dringend Nachwuchs

Von: Sonja Essers
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Helmut Nießen fährt im Auftrag der Stolberger Tafel Lebensmittel an Gehbehinderte aus. Da muss er mit seinen Kisten auch schon einmal die Treppe bis in die fünfte Etage bewältigen. Foto: S.Essers
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Tafel-Vorsitzende Gisela Becker-Bonaventura und ihr Stellvertreter Alfred Baldes wünschen sich weitere Helfer. Foto: S. Essers

Stolberg. 104 Ehrenamtler zwischen 15 und 85 Jahren versorgen 1855 Kunden: Auf ihre ehrenamtliche Arbeit sind die Angestellten und der Vorstand der Stolberger Tafel stolz. Es gibt allerdings ein drängendes Problem. Damit der Betrieb auch in Zukunft weiterhin aufrecht erhalten werden kann, werden dringend neue Ehrenamtler gebraucht.

Das Durchschnittsalter der fleißigen Helfer liegt nämlich zwischen 66 und 70 Jahren. „Die Stolberger Tafel wird getragen durch Menschen, die im Renten- und Pensionsalter sind“, sagt die Vorsitzende, Gisela Becker-Bonaventura. Sie seien zwar mit vollem Herzen dabei, Nachwuchs sei jedoch nicht in Sicht. Das soll sich ändern.

Seit 1999 gibt es die Stolberger Tafel bereits. Im Laufe der Jahre ist die Zahl der bedürftigen Haushalte auf 736 angestiegen. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 wurden noch 681 Haushalte von der Tafel versorgt. Von montags bis samstags können die Kunden in den Räumen in der Eschweilerstraße einkaufen. Und das ist nicht der einzige Service, den die Ehrenamtler anbieten. Denn: Jeden Donnerstag werden kranke und ältere Menschen mit den Lebensmitteln beliefert.

Eineinhalb Stunden

Vor allem für diese Aufgabe werden dringend Ehrenamtler benötigt, erklären die Vorsitzende Gisela Becker-Bonaventura und ihr Stellvertreter Alfred Baldes. Rund eineinhalb Stunden dauert diese Aufgabe. Was zu tun ist? In den Räumen der Tafel haben die Mitarbeiter bereits die entsprechenden Kisten gepackt, die dann zu den Anschriften gebracht werden müssen.

„Diesen Service haben wir für kranke und ältere Menschen eingerichtet. Es gibt Kunden, die einfach nicht zu uns kommen können“, sagt Gisela Becker-Bonaventura.

An dieser Stelle kommt Helmut Nießen ins Spiel. Seit rund sechs Jahren ist er als ehrenamtlicher Fahrer für die Tafel unterwegs. Wie er dazu kam? Durch einen Zufall. „Ein Kollege sprach mich an, ob ich für ihn einspringen könnte“, erinnert sich der Rentner. Aus der ursprünglich einmaligen Aktion wurde eine liebgewordene Aufgabe.

Dass ihm die ehrenamtliche Arbeit sichtlich Spaß macht, sieht man Helmut Nießen vor allem beim Austausch mit den Kunden an. Nachdem er die Kisten in sein Auto geladen hat, geht es zum ersten Halt. Der ist nur wenige Meter vom Ladenlokal entfernt. Zu Fuß ist dieser Weg allerdings nicht für jeden zu stemmen. Schließlich sind in der grünen Klappkiste Lebensmittel für die gesamte Woche enthalten.

Die ältere Dame in der zweiten Etage hat bereits auf Helmut Nießen gewartet. Während dieser die Kiste auf dem Küchentisch ausräumt, verwickelt sie ihn in ein kleines Gespräch. Keine Seltenheit, wie auch Gisela Becker-Bonaventura weiß. In manchen Fällen seien die Fahrer einer der wenigen Kontakte zur Außenwelt, sagt sie.

Fünfte Etage

Für Helmut Nießen geht es nach einigen Minuten Smalltalk wieder weiter. Nächster Halt: Friedrich-Ebert-Straße. Diesmal geht es in die fünfte Etage. „Hier gibt es aber zum Glück einen Aufzug“, sagt Nießen und lacht. Der Rentner stellt die voll bepackte Kiste auf den Wohnzimmertisch und schnappt sich beim Rausgehen die leere Kiste aus der vergangenen Woche. „Vielen Dank und bis nächste Woche“, tönt es im Hintergrund.

Nur wenige Häuser weiter ist der dritte und letzte Stopp für diesen Tag. Diesmal geht es in die dritte Etage – zu Fuß. Zu Beginn seiner ehrenamtlichen Tätigkeit fuhr Helmut Nießen wöchentlich zwischen sechs und sieben Kisten aus. Das habe man aber auch im Rücken gemerkt, sagt er.

Momentan teilen sich vier Fahrer 21 Kisten auf. „Wir brauchen dringend neue Ehrenamtler, denn unsere Kunden sind wirklich darauf angewiesen“, sagt Alfred Baldes. Gesucht werden auch Fahrer, die die Ware bei den Lieferanten abholen. Die Stolberger Tafel besitzt zwei Kühltransporter, die jeweils mit zwei Ehrenamtlern besetzt sind. Am Vormittag holen diese die Ware bei den Lieferanten ab und bringen sie in die Räume an der Eschweiler Straße. Damit die Fahrer in den Supermärkten erkannt werden, werden die Fahrer mit entsprechenden T-Shirts ausgestattet.

Auch im Ladendienst werden Mitarbeiter gebraucht. Bevor die Ware den Kunden angeboten wird, begutachten die Mitarbeiter die Lebensmittel, überprüfen die Haltbarkeit und waschen Obst und Gemüse. „Wir geben keine Lebensmittel raus, die wir nicht selbst essen würden“, sagt Alfred Baldes. Neben den Stellen für Ehrenamtler kann Gisela Becker-Bonaventura auch drei Stellen für den Bundesfreiwilligendienst vergeben – auch die sind bisher noch nicht besetzt.

Wer an der ehrenamtlichen Arbeit Interesse hat, kann sich an Gisela Becker-Bonaventura wenden. Sie ist per E-Mail an stolbergertafel@netcologne.de oder dienstags und freitags zwischen 11 und 16 Uhr telefonisch unter Telefon 860421 zu erreichen.

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