Ehrenamt: Sekundarschüler reichen viele helfende Hände

Von: Laura Beemelmanns
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Angelika Feßler, Lehrerin in der Sekundarschule in der Breslauerstraße, will ihren Schülern zeigen, wie wichtig soziales Verhalten in vielen alltäglichen Situationen ist. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. In der Schule lernt man fürs Leben. So soll es zumindest sein. Und diesen Spruch hat sich Angelika Feßler ganz besonders zu Herzen genommen. Feßler ist Lehrerin an der Sekundarschule in der Breslauerstraße.

Und sie möchte, dass ihre Schüler nicht nur Formeln, Vokabeln und Fremdsprachen lernen, sondern auch eine soziale Kompetenz entwickeln. Dazu gehören unter anderem Wertschätzung, Freundlichkeit, gute Umgangsformen, Respekt und Ehrlichkeit. Zwar werden diese Werte auch im „normalen“ Unterricht vermittelt, doch um sie zu verstärken hat Feßler ein neues Sozialprojekt in der Sekundarschule auf den Weg gebracht – und es „Helfende Hände“ genannt.

„Aus Nehmen ein Geben machen“

„Wir wollen aus dem Nehmen ein Geben machen“, sagt sie und bewegt dazu passend ihre Hände erst zu sich und dann von sich weg. Das bedeutet: Kinder und Jugendliche würden häufig nur das Nehmen kennen, sagt sie. Sie nähmen Hilfe ihrer Familie in Anspruch, bekämen Taschengeld oder Geschenke – für viele sei das selbstverständlich. Dass sie auch etwas zurückgeben können und dass auch das ein schönes Gefühl sein kann, soll im neuen Projekt hervorgebracht werden. „Diese Erfahrung wird das Selbstwertgefühl stärken und Einsichten in Dinge vermitteln, die man bisher möglicherweise noch nicht einmal wahrgenommen hat“, sagt Feßler. Das Projekt laufe gerade erst an.

Gestaltet wird es ähnlich wie ein Unterrichtsfach, das aber noch viel weiter ins gesellschaftliche Leben hineinragt und darin integriert werden soll. In den Jahrgängen sieben und acht wird in je einer Schulstunde pro Woche auch die Thematik „soziale Kompetenz“ von den Klassenlehrern aufgegriffen. Der Aspekt des sozialen Lernens wird mit der Wirtschaftslehre verknüpft, also dem beruflichen Aspekt für die Zukunft. Denn im besten Fall rege dieses Projekt die Schüler dazu an, über eigene Lebensziele- und inhalte nachzudenken.

Unbegrenzte Möglichkeiten

Hinzu kommen in jedem Halbjahr fünf Mal zwei Stunden, in der jeder Schüler ehrenamtlich eine soziale Aufgabe übernehmen soll. Das kann die Unterstützung in einem Alten- und Pflegeheim sein, im Kindergarten, bei alten oder kranken Nachbarn, den Großeltern sowie bei Mitschülern in der Hausaufgabenbetreuung, bei der Feuerwehr, der Tafel oder in einer Kirchengemeinde. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. „Einige Träger konnten wir schon für das Projekt gewinnen“, sagt Feßler. Es werden aber immer noch Partner gesucht.

Damit die Schüler auf diesem Weg nicht alleine gelassen werden, werden sie ausgiebig in den Schulstunden vorbereitet. Im Unterricht wird dann der Gedanke des Sozialen erarbeitet, die eigene Persönlichkeit herausgestellt, überlegt, welche Stärken der jeweilige Schüler hat und was zu ihm passen könnte. So hat Feßler das geplant.

Hinzu komme ein Bewerbungstraining, in dem vor allem auch die telefonische Anfrage beim jeweiligen Träger im Klassenraum geübt werden soll. „Für die Schüler ist es oft sehr schwer, bei Fremden anzurufen“, sagt Feßler. Jeder erinnere sich sicher noch daran, dass man als Teenager eigene Arzttermine lieber über die Eltern ausgemacht hat. „Wir üben daher zunächst in der Klasse, wie man ein solches Telefonat am besten führt“, sagt Feßler. Dazu sollen die Schüler das Telefonat in Zweiergruppen besprechen, Stichpunkte machen und es dann proben. Es sei wichtig, danach auch darüber zu sprechen, um sich selbst zu reflektieren.

Und genau das soll auch nach den ehrenamtlichen zehn Stunden so sein. Denn nicht nur die Schüler reflektieren ihre Arbeit, sondern auch die Träger, die Eltern und auch die Lehrer. Es sei ein Zusammenspiel aller beteiligten Personen, sagt Feßler. Zusammengetragen würden diese Informationen in einer Mappe. Darin würden die Kommentare und Einschätzungen aller Beteiligten gesammelt, um später zu sehen, welche soziale Arbeit zum jeweiligen Schüler passe und welche vielleicht nicht. Denn in jedem Halbjahr könne er sich einen neuen Träger aussuchen.

Noch befindet sich das Projekt in der Erprobungsphase. Die rund 80 Schüler der siebten Klassen haben bislang das Thema soziale Kompetenz im Unterricht durchgenommen. Zu den Trägern oder anderen sozialen Einrichtungen gehen sie im nächsten Jahr. Die jüngeren Jahrgänge werden folgen. „Mein Wunsch wäre, dass sich daraus noch etwas anderes entwickelt“, sagt Feßler. Das könnte beispielsweise ein soziales Engagement sein – oder sogar der Grundstein für ein Berufsziel.

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