Ehemaliges Ausflugslokal „Solchbachtal“ kommt unter den Hammer

Von: Sarah-Lena Gombert
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Seit dem vergangenen Jahr ist das Restaurant „Solchbachtal“ bei Zweifall geschlossen. Die Inhaberfamilie Deserno ist auf der Suche nach einem Käufer für das Haus und das Grundstück. Foto: S.-L. Gombert
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Mit einem kleinen Büdchen hat alles angefangen: Schon lange sind im Solchbachtal Leckereien an Wanderer verkauft worden. Foto: S.-L. Gombert
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Etwas irreführend ist die Menütafel, die noch am Restaurant steht. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg-Zweifall. Von der Jägerhausstraße rechts abbiegen, über den Hasselbach, vorbei am Sägewerkmuseum und schon befindet man sich in der Idylle des Solchbachtals: Hier schlummert derzeit das Restaurant gleichen Namens einen Dornröschenschlaf. Seit dem vergangenen Frühjahr ist das Restaurant „Solchbachtal“ geschlossen. Die Inhaberfamilie Deserno ist auf der Suche nach einem Käufer für das Haus und das dazugehörige Grundstück.

Weil aber bislang aus den vielen Interessensbekundungen kein Kaufvertrag zustande gekommen ist, sind die Desernos gemeinsam mit der Sparkassen Immobilien GmbH übereingekommen, das Haus an den Meistbietenden zu versteigern.

„Elfeinhalb Jahre haben wir das Restaurant geführt“, sagt Achim „Jim“ Deserno im Gespräch mit unserer Zeitung. Schon seit einer Weile, nicht erst seit der Schließung 2016, haben er und seine Frau Kajta versucht, einen Käufer zu finden. „Das hat nichts damit zu tun, dass das Restaurant nicht gut gelaufen wäre“, versichert der Gastronom.

Doch die beiden hätten sich die Grundsatzfrage gestellt, ob sie für den Rest ihres Lebens ein Restaurant führen wollten oder nicht. Die Entscheidung fiel dagegen: Achim Deserno arbeitet als angestellter Koch, seine Frau hat wieder eine Stelle in ihrem Beruf als Logopädin gefunden.

Viele Ideen, alle gescheitert

Interessenten für das Objekt im Solchbachtal gibt es laut der Sparlassen Immobilien GmbH grundsätzlich zur Genüge. „Ich habe schon mehr als 30 Parteien das Haus gezeigt“, erklärt Tobias Hermanns, Prokurist. Nicht alle davon wollten das Haus als Gaststätte nutzen. Vielmehr gab es ganz unterschiedliche Ideen: „Ein Forstwirt hatte Interesse bekundet, hat aber für seine speziellen Wünsche keine Genehmigung bekommen“, sagt Hermanns.

Auch habe es die Idee gegeben, eine Kindertagesstätte einzurichten oder dort einen Pferdehof anzusiedeln. Doch scheiterte der Verkauf entweder an den baurechtlichen Möglichkeiten, da das Objekt im sogenannten Außenbereich liegt, also – grob gesagt – außerhalb einer Ortschaft, oder schlicht an der Finanzierbarkeit. „Ein Reiterhof vor Ort wäre mit den Naturschutzbestimmungen nicht vereinbar gewesen“, sagt Hermanns.

Dass das Bauen, Umbauen oder die Nutzungsänderung von Gebäuden im Außenbereich keine unkomplizierte Sache ist, weiß auch Gerd Schön von der Stolberger Stadtverwaltung. Geregelt werden solche Belange im Paragrafen 35 des Baugesetzbuches. „Zu den privilegierten Bauvorhaben, die im Außenbereich möglich sind, gehören erst einmal land- oder forstwirtschaftliche Betriebe“, sagt Schön.

Auch gebe es andere wirtschaftliche Betriebe, deren Anliegen im Außenbereich berechtigt seien: „Einen Steinbruch kann ich nur da ansiedeln, wo Steine abgebaut werden können“, nennt Schön als Beispiel. Häufig spielen Belange des Landschaftsschutzes oder Naturschutzes bei der Beurteilung eines Bauvorhabens eine wichtige Rolle.

Dass es im Solchbachtal eine Konzession für den Betrieb einer Gaststätte gibt, hänge mit einem gewissen Bestandsschutz zusammen. „Wenn der Käufer hier etwas anderes als ein Restaurant einrichten will, dann wird es danach bestimmt nicht mehr so einfach, hier eine Gaststätte genehmigt zu bekommen“, schätzt Achim Deserno.

Freizeitverhalten verändert sich

Auch wenn ein Teil der Restaurantausstattung bereits verkauft worden ist und auch die Küche neu hergerichtet werden müsste: Das Gebäude als Gaststätte weiterzuführen, wäre grundsätzlich machbar. „Zwar hat sich das Freizeitverhalten der Leute in den vergangenen Jahren sehr verändert“, sagt Gastronom Achim Deserno. Viele Familien würden heutzutage an den Wochenenden lieber auf Events fahren als einen klassischen Sonntagsausflug mit Restaurantbesuch zu machen.

Auch seien Familienfeiern wie beispielsweise Kommunionsfeiern in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden. Doch: „Wer sich als Gastronom immer wieder neu erfindet, der wird auch Gäste haben“, ist Deserno überzeugt. Das Restaurant der Desernos war noch im vergangenen Jahr in den „Schlemmer Atlas“ aufgenommen worden.

Erbaut worden ist das große Haus mit der Backsteinfront in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, eine letzte Sanierung gab es 2004. „Wir haben viel Geld in die Immobilie investiert“, sagt Achim Deserno. Neben dem großen Gastraum im Erdgeschoss gibt es oberhalb eine Wohnung, die sich bis unters Dach erstreckt. „Das war die Betreiberwohnung“, sagt Gerd Schön von der Stadtverwaltung.

Es sei grundsätzlich auch denkbar, diese Wohnung als Mietobjekt unterzuvermieten – oder aus dem Gebäude ein Wohnhaus mit mehreren Parteien zu machen. Das Haus im Solchbachtal wäre mitnichten das erste seiner Art in Stolberg, dessen Nutzung geändert wird.

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