Stolberg-Atsch - Echte Jecke lassen sich von Kosten nicht schrecken

Echte Jecke lassen sich von Kosten nicht schrecken

Von: Dirk Müller
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„Stolberg goes Lappland“, schlugen die Jecken der Atscher IG in der vergangenen Session vor. Foto: IG

Stolberg-Atsch. Große Sitzungen, karnevalistische Frühschoppen oder Biwaks veranstalten sie nicht, aber dennoch sind die „Atscher Jecke“ aus dem Stolberger Fastelovvend nicht wegzudenken – und das seit 25 Jahren. „Gegründet haben wir uns mit rund 35 Mitgliedern, die aus dem Fußball-Dunstkreis der ASA Atsch kamen“, erinnert sich Matthias Manfrahs, der von Beginn an bei der Interessengemeinschaft (IG) Atscher Jecke dabei ist.

„Wir wollten in den tollen Tagen aktiv sein, aber keine Uniformen anziehen und uns statt Saalveranstaltungen ganz dem Straßenkarneval widmen“, führt er aus.

Das heiße aber bis heute nicht, dass die Atscher Jecke unorganisert sind, erklärt Bernd Prehler, der mit Andreas Kern die Vorstands-Doppelspitze der IG bildet: „Zum Beispiel sind wir in einheitlichen Kostümen unterwegs, allerdings jede Session in anderen.“ Das Rugby-Team der „Atscher Tigers“, Indianer, Clowns, Vogelscheuchen, Musketiere und andere Figuren aus der Atsch waren bereits bei den Umzügen in Büsbach, Münsterbusch und dem Rosenmontagszug in Stolberg zu sehen.

„Als in Münsterbusch der Zug auf den Samstag verlegt wurde, konnten viele aus der IG nicht mehr daran teilnehmen, so dass wir darauf verzichten mussten. Aber in Büsbach und Stolberg gehen wir nach wie vor mit“, erklärt Prehler.

Flower Power ist angesagt

Passend zu den jeweiligen Kostümen habe die IG 13 Jahre lang auch Wagen gebaut; seit TÜV-Gutachten erforderlich sind, habe die Interessengemeinschaft aus Kostengründen jedoch darauf verzichten müssen. So sind die Atscher Jecke auch in dieser Session als Fußgruppe – diesmal als Hippies im Zeichen von „Flower Power“ – bei den Zügen im Barenland und in Stolberg mit von der närrischen Partie, auch wenn die Teilnahme am Rosenmontagszug einen bitteren Beigeschmack habe, meint Elfriede Rößeler, Kassiererin der IG: „Dass wir für die Teilnahme am Zug zahlen müssen, ist schon etwas ärgerlich. Wir finanzieren unsere Kostüme selbst und bringen fast 1000 Euro für Wurfmaterial auf. Nun müssen wir auch noch Teilnahmegebühr entrichten, um den Menschen am Zugrand Freude zu bereiten.“

Man beiße aber in den „sauren Apfel“, denn echte Atscher Jecke lassen sich den Spaß nicht verderben. Die IG hat ein Vierteljahrhundert überdauert und versuche trotz „Stolpersteinen für das rheinische Brauchtum“ – TÜV-Gutachten, Gema-Tarife oder das anstehende absolute Rauchverbot in Gaststätten – mit derzeit 25 Aktiven im Alter von 9 bis 59 optimistisch in die Zukunft zu blicken, betont Prehler, und Manfrahs erläutert des „Erfolgsgeheimnis“ der Atscher Jecke: „Wir sind wie eine große Familie mit wirklich starkem Zusammenhalt. Es sind immer alle dabei und packen mit an, Entscheidungen werden stets gemeinsam gefällt.“

Im Sinne der Kameradschaft seien die Jecke übrigens ganzjährig aktiv. „An Pfingsten unternehmen wir eine mehrtägige Tour mit Kindern, im Sommer feiern wir unser Grillfest. Außerdem treffen wir uns jeden zweiten Dienstag im Monat“, beschreibt Rößeler. Zu bereden gebe es immer etwas, denn in 25 Jahren hätten die Jecken so einiges erlebt, sagt Prehler: „Damit könnten wir ein Buch füllen, aber das will bestimmt keiner lesen.“

Wenn auch Frohsinn, Narretei und Kameradschaft in der Geschichte der IG Atscher Jecke im Vordergrund standen, so habe es auch tragische Momente gegeben. „Der Tod unseres damaligen langjährigen Vorsitzenden Dieter Lenzen, bekannt durch die City Jonge, hat uns schwer getroffen.“ Grundsätzlich sei aber an Karneval, Pfingsten, beim Grillfest und bei den monatlichen Treffen der IG eine Menge gute Laune angesagt.

Viele Gastwirte überlebt

„Vielleicht erscheint es kurios, dass wir regelmäßig in der „Alten Brennerei“ bei Johannes Lang zusammenkommen, aber natürlich haben wir es zuvor in der Atsch versucht“, erklärt Rößeler. Leider habe man im eigenen Stadtteil immer wieder die Gastwirte „überlebt“. „Am Ende dieser Session feiern wir mit unserem Wirt, dass es unseren jecken Stammtisch bei ihm nun schon acht Jahre gibt.“

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