The Shallows Kino Freisteller

Dyna-Mess: Stark im Aufwind mit einem Millionen-Auftrag

Letzte Aktualisierung:
5072682.jpg
Nur ein Rotorblatt einer kleinen Windkraftanlage: Projektleiter Marco Brinkmann bei der Vorbereitung für einen Bruchtest. Die großen Blätter sind zehn Mal so groß. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Wenn am Leimberg geprüft wird, geht das zuweilen ganz schön spektakulär vonstatten. Vor allem, wenn es um die Festigkeit riesiger Rotorblätter von Windkraftanlagen geht. Die sind nämlich bis zu 65 Meter lang und haben – wenn sie bei Wind und Wetter auf dem Feld stehen – enorme Kräfte auszuhalten.

Die im Gewerbegebiet Steinfurt ansässige Firma Dyna-Mess hat jetzt den größten Einzelauftrag in ihrer 28-jährigen Firmengeschichte erhalten. Sie liefert einen Prüfstand, mit dem Rotorblätter von Windkraftanlagen der neuen Fünf-Megawatt-Klasse auf ihre Festigkeit geprüft werden. „Der Auftragswert beläuft sich auf ziemlich genau eine Million Euro“, freut sich einer der beiden Geschäftsführer, Marcus Jarchow, darüber, dass das mit 25 Mitarbeitern recht kleine Unternehmen solch einen großen Auftrag erhalten hat.

Mit der neuen Anlage wird der deutsche Auftraggeber, einer der weltweit führenden Hersteller von Windkraftanlagen, die Rotorblätter auf Herz und Nieren testen. Die rotierende Masse beträgt bei einigen Windkraftanlagen etwa 400 Tonnen und die Flügelspitzen erreichen Geschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkilometer. Hierbei geht es vor allem um zwei Fragestellungen: Nehmen die Rotorblätter ohne zu brechen auch extreme Kräfte auf, die bei schweren Stürmen entstehen? Und widerstehen sie der Belastung, die durch das ständige Hin-und Herschwingen während der Rotation verursacht werden?

Bei der Bruchprüfung werden die Spitzen der Flügel mit vier Hy-draulikzylindern um bis zu neun Meter ausgelenkt. Das bedeutet, dass die Hydraulikzylinder die Spitzen mit einer Kraft von bis zu 400 Kilonewton verbiegen müssen. Diese Zugkraft entspricht dem Gewicht von 30 Mittelklasse-Pkw.

Bei der Schwingprüfung geht es vor allem um die Dauerfestigkeit der Rotorblätter: Sie werden bis zu sechs Monate lang ununterbrochen hin- und hergebogen. Dabei schwingt das Rotorblatt mit einer Frequenz von etwa zwei Hertz. Die Spitze bewegt sich dabei um jeweils sieben Meter auf und ab.

Da bei der Auslenkung der Flügel enorme Kräfte aufgebracht werden müssen, sind entsprechend leistungsfähige Antriebe erforderlich. Wenn man die Anlage in konventioneller Technik bauen würde, würde sie mehrere Megawatt (MW) Leistung aufnehmen. Deshalb hat Dyna-Mess ein Antriebskonzept entwickelt, das besonders energiesparend ist, es benötigt mit 0,35 MW nur einen Bruchteil der bisher üblichen Leistung.

Typisch für derartige Projekte ist ihre lange Vorbereitungszeit: Der Kontakt zum Kunden entstand schon im Jahre 2010, „als wir unsere Systeme auf der Messe ‚Composites‘ in Essen ausstellten“, so Jarchow. Danach folgte eine Phase der Ausarbeitung des Konzeptes und der Entwicklung der Regelungsverfahren. Mitte 2012 war der Auftrag zum Bau der Anlage im Haus. Die Inbetriebnahme beim Kunden ist für Juli 2013 geplant.

Mit den Prüfsystemen beliefert Dyna-Mess unterschiedlichste Kunden. Das Spektrum reicht von der Prüfung von Zahnimplantaten mit Zugkräften von wenigen Kilogramm bis hin zu Anlagen für die Metallindustrie, die bis zu 80 Milimeter dicke Bleche zerreißen. Erst kürzlich hat das Stolberger Unternehmen eine Anlage für die Prüfung von Schrauben für Windkraftanlagen ausgeliefert, deren Hydraulikzylinder mit Leichtigkeit auch einen voll beladenen Jumbo Jet anheben könnten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert