Stolberg - Durchbruch bei Prym lässt noch auf sich warten

Durchbruch bei Prym lässt noch auf sich warten

Von: Michael Grobusch
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Vier Firmen unter einem Konzerndach: Die Geschäftsführung erhofft sich durch den flexiblen Einsatz der Mitarbeiter von Prym Fashion, Inovan und Consumer sowie der Holding wirtschaftliche Vorteile. Foto: M. Grobusch
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Keine Unterschrift ohne angemessene Gegenleistungen: Gewerkschaftler Helmut Wirtz will Standort und Arbeitsplätze gesichert wissen.

Stolberg. Am Montag wird Jens Waldau zum ersten Mal am Verhandlungstisch sitzen. Die angekündigte Präsenz des Vorsitzenden der Geschäftsführung kann als Zeichen gewertet werden, dass es nun ernst wird mit den Gesprächen bei Prym. Oder aber als Indiz dafür, dass die Lage ziemlich ernst ist.

Gewerkschaft und Betriebsrat tendieren derzeit eher zur zweiten Interpretation. Denn seit mittlerweile mehr als fünf Monaten diskutieren Arbeitgeber und Arbeitnehmer über den Abschluss eines Haustarifvertrages. Er soll den konzernintern flexiblen Einsatz der rund 580 Mitarbeiter in den vier Prym-Divisionen an den Standorten Stolberg und Alsdorf möglich machen.

Von einer Einigung scheinen beide Seiten derzeit weit entfernt zu sein. Bereits im August hatte Ralf Radmacher, Vorsitzender des Konzern- und Europabetriebsrates, gegenüber unserer Zeitung klargestellt, dass zentrale Forderungen bis dato von der Prym-Leitung nicht erfüllt seien. Und bis heute hat sich daran offensichtlich nicht viel geändert. „Wir werden nur dann zu einem Abschluss kommen, wenn sich das Unternehmen deutlich mehr auf uns zubewegt“, sagt Stolbergs IG Metall-Geschäftsführer Helmut Wirtz.

Der Kern der ganzen Angelegenheit ist ein sogenannter Matrix-Tarifvertrag. Den hatte Jens Waldau ins Gespräch gebracht, um die Beschäftigten nach Bedarf und Auftragslage in den eigentlich unabhängigen Divisionen Fashion, Consumer, Inovan und der Holding einsetzen zu können. Eine solche „Ausleihe“ ist in der Regel an strenge gesetzliche Vorschriften gebunden und setzt beispielsweise eine Änderungskündigung voraus. Der Matrix-Tarifvertrag aber würde die Sache deutlich vereinfachen und es der Geschäftsführung ermöglichen, kurzfristig Mitarbeiter zu versetzen, ohne dass ihre Arbeitsverträge geändert werden müssten.

Den Vorteil einer solchen Flexibilität erkennt auch die IG Metall an. Sie hat deshalb den Pulheimer Arbeitsrechtler Jost Kingler mit der Ausarbeitung eines Vertragswerkes beauftragt. Das Ergebnis liegt mittlerweile vor und erhält allgemeine Zustimmung. „Aber natürlich erwarten wir für unser Entgegenkommen auch Zugeständnisse des Unternehmens“, betont Helmut Wirtz.

Elf Forderungen hat die Gewerkschaft aufgelistet, von denen einige als unumstößlich gelten. An aller erster Stelle steht die Sicherung von Arbeitsplätzen. Deshalb soll, entsprechend der geplanten Laufzeit des Matrix-Tarifvertrages, der Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2017 festgeschrieben werden. Die Prym-Geschäftsführung hat bis dato lediglich einen Abschluss für zwei Jahre und lediglich 400 Mitarbeiter angeboten. „Wir wollen aber Sicherheit für alle, und nicht nur für einen Teil der Kollegen“, stellt Ralf Radmacher klar.

Übernahme des Flächentarifs

Desweiteren fordern die Arbeitnehmer-Vertretungen, an der Ausbildung in den Betrieben festzuhalten und Azubis nach Abschluss ihrer Lehre zu übernehmen. Übernommen werden soll auch der im Rahmen der Ende des Jahres anstehenden Runde noch auszuhandelnde Flächentarifvertrag.

Das käme einer Verlängerung des derzeit gültigen Haustarifvertrages gleich, mit dem nach Jahren der Einschränkungen die Rückkehr zum Flächentarif bei Prym zum 1. Oktober 2013 und zunächst bis Ende dieses Jahres vereinbart worden war. „Wir wollen nicht in ein paar Monaten schon wieder verhandeln müssen. Es gibt im Zusammenhang mit dem Matrix-Tarifvertrag jetzt schon die Möglichkeit, diese Dinge zu regeln“, meint Helmut Wirtz. Nicht zuletzt fordert die Gewerkschaft zur Standortsicherung weitere Investitionen in das Stolberger Werk.

Auch darüber wird zu reden sein am kommenden Montag. Nachdem die Verhandlungen zwischenzeitlich schon beinahe als gescheitert galten, zeigte sich Wirtz nach einem kurzfristig anberaumten Telefongespräch mit der Geschäftsführung am Donnerstag wieder etwas zuversichtlicher. „Es besteht die Hoffnung, dass es doch noch eine einvernehmliche Lösung geben wird.“ Und was passiert, falls dies nicht gelingt? Der Gewerkschafter sieht sich in einer komfortablen Situation und bleibt gelassen: „Nichts. Denn Fakt ist doch, dass die Geschäftsführung etwas von uns will, und nicht umgekehrt.“

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