Durchatmen nach dem Katastrophenjahr

Von: Michael Grobusch
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Nicht nur die Clownerike (r.)
Nicht nur die Clownerike (r.) kommt beim jungen Publikum gut an. Die Programmarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Angebotes in der Stadtbücherei. 2011 gab es erhebliche Einschränkungen. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Das Bekenntnis der Verwaltung zum Erhalt der Stadtbücherei ist trotz der schwierigen finanziellen Situation weiterhin eindeutig. „Eine Stadt mit knapp 60 000 Einwohnern braucht diese Bildungseinrichtung”, stellte Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt am Freitag gegenüber unserer Zeitung seine unveränderte Sicht der Dinge noch einmal dar.

Doch wie sehr der Erfolg einer solchen Einrichtung von ihrer personellen und materiellen Ausstattung abhängig ist, hat das vergangene Jahr in Stolberg deutlich gezeigt. Reduzierte Öffnungszeiten aufgrund einer nicht besetzten Stelle sowie fehlende Mittel für die Auffrischung des in die Jahre gekommenen Medienbestandes führten 2011 zu einem dramatischen Rückgang der Nutzer- und Ausleihzahlen.

Die registrierten 38.737 Ausleihen bedeuteten gegenüber 2010 einen Rückgang um 21,8 Prozent, noch drastischer fiel die Entwicklung bei den Lesern aus: 1448 aktive Nutzer bedeuteten einen Schwund von 27,6 Prozent, wobei der Anteil der jungen Leser bis zwölf Jahre auf 527 einbrach, was sogar einem Verlust von 38,1 Prozent entsprach.

„Die Stadtbücherei verfügte 2011 über einen Bestand von 54.716 Medien. Mit den registrierten Ausleihen haben wir einen Umsatzwert von 0,7 erreicht”, zieht Pickhardt eine weitere statistische Größe hinzu, um die Lage an der Frankentalstraße zu beschreiben. „Damit waren wir weit entfernt von dem von den Bibliotheksverbänden empfohlenen Wert von vier bis fünf.”

Verwundern kann das eigentlich nicht, wenn man berücksichtigt, dass im sogenannten Erwerbungsetat im vergangenen Jahr gerade einmal 3646 Euro waren. Damit konnten mit viel Mühe die Tageszeitungen und Zeitschriften, die zur absoluten Grundausstattung gehören, bezahlt werden. Die Anschaffung neuer Medien hingegen entfiel komplett.

Das galt auch für wesentliche Teile der Programmarbeit, allen voran die Sommer-Lese-Rallye. Das unterm Strich dennoch 68 Veranstaltungen stattfinden konnten, von denen sich 49 an Kinder richteten, schreibt der Fachbereichsleiter in erster Linie dem großen Engagement des Fördervereins zu.

Er war es auch, der im laufenden Jahr erhebliche Geldmittel zum Kauf neuer Medien akquirierte. Und damit nimmt Geschichte dann doch noch einen wieder etwas hoffnungsvolleren Verlauf. Denn mit Hilfe der externen Mittel konnte die Ausstattung wesentlich verbessert werden. „Die neuen Romane haben aktuell einen Umsatz von 6,45”,stellt Andreas Pickhardt fest. Auch die 230 neu gekauften Kinderbücher erfreuen sich großer Beliebtheit und Nachfrage.

Da trifft es sich gut, dass es auch im personellen Bereich Entspannung zu vermelden gibt. Mit der Besetzung der zuvor vakanten Stelle und der dadurch ermöglichten Ausweitung der Öffnungszeiten auf derzeit zwei Vormittage und vier Nachmittage wurde ein Aufschwung eingeleitet, der sich an den aktuellen Zahlen gut ablesen lässt. So wurden bis zum 15. Oktober bereits 3400 Ausleihen mehr getätigt als im Vorjahreszeitraum. „Und die Tendenz ist weiterhin steigend”, frohlockt Pickardt.

Auch das Programmangebot konnte wieder aufgestockt werden - inklusive der neu aufgelegten Sommer-Lese-Rallye - und wird bis Ende Dezember mehr als 100 Veranstaltungen mit über 3000 Besuchern erreicht haben.

Entwarnung will der Fachbereichsleiter aber nicht geben. Durch eine weitere Pensionierung, die nur zum Teil durch 400-Euro-Kräfte kompensiert werden kann, wird sich der Personalplan zum Beginn des nächsten Jahres von vier auf rund 3,5 Stellen reduzieren. Das wiederum dürfte zu einer neuerlichen Einschränkung der Öffnungszeiten führen. „Wir werden versuchen, die Tage zu halten und nur bei den Stundenumfängen etwas zurückzufahren”, kündigt Andreas Pickhardt an.

Offen ist auch, inwieweit es Sponsorengelder für die dauerhafte Aktualisierung des Medienbestandes geben wird. „Eine weitere erfolgreiche Arbeit wird nur möglich sein, wenn sowohl genügend Personal als auch ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden”, mahnt der Fachbereichsleiter. Und kann angesichts der Auflagen des Stärkungspakts nicht ausschließen, dass die nahe Zukunft ähnlich düster wird wie es die jüngste Vergangenheit war.

Im Bereich der „Non-Book-Medien” verzeichnet Stolberg eine kontinuierlich steigende Nachfrage. Mit 4826 Medien und 10.527 Ausleihen wurde hier selbst im schwierigen Jahr 2011 ein Umsatzwert von 2,18 erzielt, der vor allem auf Hörbücher zurückzuführen ist.

Diese werden nicht nur von Kindern und Jugendlichen, sondern vermehrt auch von Senioren ausgeliehen.

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