Drogen, Messer und ein Exhibitionist

Von: Dirk Müller
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Bei der Fahrt durch die Stolberger Innenstadt machen die zivilen Beamten mit einem guten Auge aus Erfahrung verdächtige Personen aus, kontrollieren sie und haben oft den „richtigen Riecher“. Foto: D. Müller
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Auch ein Drogen-Spürhund kommt zum Einsatz, als in der Altstadt ein Kiosk durchsucht wird. Foto: dpa
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Ein Messer, Cannabis-Mühlen und ein Behältnis samt Droge werden von den Beamten beschlagnahmt. Foto: D. Müller

Stolberg. Der Einsatz in der Kupferstadt hat vor kaum fünf Minuten begonnen, schon erreicht der erste Funkspruch den Einsatzleiter der Polizei: Kollegen haben drei verdächtige junge Männer auf dem Willy-Brandt-Platz ausgemacht, und Hauptkommissar, dessen Name nicht genannt werden soll, steuert seinen zivilen Dienstwagen in Richtung Ketschenburg.

Zivil ist auch die Kleidung der insgesamt fünf Zweierteams, die an diesem Mittag bis in den Abend in Stolberg unterwegs sind. „Da, wo die uniformierten Kollegen Probleme haben, kommen wir ins Spiel“, beschreibt Kripo-Mann vom Einsatztrupp, dessen Revier die gesamte Städteregion ist.

Bei den drei jungen Männern werden die Beamten schnell fündig. „Man bekommt mit der Zeit ein Auge dafür, wen man überprüft“ erklärt der Hauptkommissar, der aber auch den richtigen Riecher hat: Die Männer verströmen dezenten, aber wahrnehmbaren Cannabis-Geruch. Die Beamten finden ein leeres Tütchen und eine „Cruncher“ genannte Cannabis-Mühle zum Zerkleinern der Droge. Einer der kontrollierten Männer trägt in der Hosentasche ein langes Küchenmesser bei sich. „Um sich zu verteidigen“, wie er angibt. Die Gegenstände werden von den Polizeibeamten beschlagnahmt, den Eigner der Cannabis-Mühle, in der sich Reste der Droge befinden, erwartet eine Strafanzeige wegen Drogenbesitzes.

„Der mit dem gelben T-Shirt will weg, den nimmst Du bitte als erstes“, sagt der Einsatzleiter zu seinem Partner, als die Polizisten im Steinweg auf das nächste Trio aufmerksam werden. Nach der Kontrolle erklärt er, dass es sich „um alte Kunden, also hinlänglich bekannte Personen“ handelt. Heute waren die Drei relativ „sauber“; die Beamten finden nur eine Cannabis-Mühle. Die Fahrt geht weiter über die Mühle bis zum Donnerberg, zurück zur Altstadt. Die Route wirkt willkürlich, wird aber via Funk mit den anderen Teams abgesprochen, und „wir fahren routinemäßig Plätze und Stellen ab, die uns als problematisch bekannt sind“, erläutert der Einsatzleiter.

Auf der Salmstraße zeigt die Ampel rot, ein Rollerfahrer überquert die Kreuzung trotzdem. Die Zivilpolizisten folgen dem Fahrer und halten ihn auf der Rhenaniastraße an. Von dort aus muss der Mann sein Gefährt nach Hause schieben, denn der „Rotsünder“ hat gar keinen Führerschein für den Roller.

Das nächste Ziel der Fahnder ist ein Kiosk in der Stolberg Altstadt. „Es gibt Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang mit Drogenhandel“, sagt der Beamte. „Denen gehen wir jetzt nach“. Vor Ort entscheiden die Beamten aus der Situation heraus, dies gründlich zu tun und fordern einen vierbeinigen Kollegen an, dessen Nase noch wesentlich besser ist als die der zweibeinigen Polizisten.

Der Spürhund leistet ganze Arbeit: Der Mann hinter dem Kiosk-Tresen händigt den Beamten ein leeres Behältnis aus, in dem er Cannabis zum Eigenkonsum aufbewahre. Der Hund erschnuppert den eilig entsorgten Inhalt aber schnell. Anhaltspunkte auf etwaigen Handel mit Drogen finden die Polizisten jedoch nicht; es bleibt beim Eigenkonsum einer Person und dem Besitz einer geringen Menge Cannabis. Auf seinem weiteren Weg fällt dem Team ein Pkw mit rumänischem Kennzeichen auf. Wieder ein Treffer: Der Halter lebt in der Städteregion, zahlt aber keine Kfz-Steuer in Deutschland – ein klarer Verstoß gegen die Abgabenordnung.

Dass die zivilen Teams der Polizei über einen längeren Zeitraum in der Kupferstadt unterwegs sind, zahlt sich aus. Allerdings nicht für die drei Männer, die zu Beginn des Einsatzes am Willy-Brandt-Platz überprüft wurden. Sie befinden sich inzwischen in Büschen nahe dem Victor-Parkhaus und werden diesmal von einem anderen Team kontrolliert, da bei einem der Dreien vor rund zwei Stunden eine größere Geldmenge auffiel.

Der Trupp steuert das Parkhaus neben dem Spielplatz an der Arnolds Mühle an. In einer Ecke sitzt ein augenfällig betrunkener Mann auf dem Boden. Er musste auf dem Heimweg gegen 17 Uhr eine Pause einlegen. Aber bis nach Hause schafft er es dann doch nicht: Am frühen Abend begegnen die Polizisten ihm wieder. Und die Beamten nehmen den zuvor noch harmlos erscheinenden Zeitgenossen in Gewahrsam, denn der Mann hat sich auf dem Spielplatz entblößt. Die Einsätze der Beamten in Zivil erfolgen in der Kupferstadt „regelmäßig unregelmäßig“. Diesmal blieben die „großen Fische“ aus.

„Mal sind wir alle zwei Wochen in Stolberg, mal dreimal in einer Woche“, beschreibt der Einsatzleiter, dass die Teams sowohl routinemäßig Kontrollfahrten unternehmen, als auch dann vor Ort sind, wenn die uniformierten Kollegen meinen, es sei dringend. Für heute brechen sie den Einsatz am Abend ab, Feierabend haben die Beamten aber noch nicht, da der „Papierkram“ noch zu erledigen ist. „Die Kontrollen und Beschlagnahmungen zu protokollieren wird schon noch zwei Stunden dauern“, sagt der Hauptkommissar.

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