Dr. Kentrup verlässt die Stolberger Klinik

Von: Ottmar Hansen
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Dr. Heiner Kentrup ist vor allem Fachmann bei der Behandlung von Frühgeborenen. Das Krankenhaus in Birkesdorf biete hier mehr Möglichkeiten, so der Mediziner. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Die Kinderklinik am Stolberger Bethlehem-Gesundheitszentrum muss nach einem neuen Leiter suchen. Chefarzt Dr. Heiner Kentrup wird spätestens zum Jahresende an das Marien-Hospital nach Düren-Birkesdorf wechseln.

Der bisherige Leiter der Birkesdorfer Kinderklinik, Dr. Frank Wegner, geht bereits zum 1. Oktober in den Ruhestand. Dass dort nun ein neuer Chef gesucht werde, sei ein ganz normaler Vorgang, sagte der Geschäftsführer des Stolberger Krankenhauses, Gabór Szük am Freitag auf Nachfrage. Weniger normal war wohl, dass sich Dr. Kentrup in Birkesdorf bewarb, ohne die Geschäftsführung der Caritas Trägergesellschaft West (CTW) zu informieren, die zu diesem Zeitpunkt sowohl für das Krankenhaus in Birkesdorf als auch für die Klinik in Stolberg zuständig war. Szük: „Ich lege wert auf die Feststellung, dass wir den Mann nicht nach Birkesdorf abgeworben haben.“

Die Bewerbungsgespräche mit Kentrup führte denn auch nur CTW-Geschäftsführer Bernd Koch. Beide Kinderkliniken sind etwa gleich groß. Während das Birkesdorfer Haus für den Kreis Düren zuständig ist, betreut die Stolberger Einrichtung die Kinder der Städteregion. In Stolberg werden jährlich mehr als 3000 Kinder behandelt, in Birkesdorf 3500. Allerdings kann die Birkesdorfer Kinderklinik inzwischen, nach Schließung der Fachabteilung des städtischen Krankenhauses in Düren etwa 80 Betten aufbieten, doppelt so viele wie die Stolberger Einrichtung (43 Betten).

Der entscheidende Grund für den Wechsel des Chefarztes dürfte allerdings sein: In Birkesdorf gibt es die feste Garantie, dass das Krankenhaus dort weiterhin „Frühchen“ mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm betreuen wird. Das Stolberger Haus muss sich stets neu um den Erhalt der „Neonatologie“ bewerben. „Ansonsten sind die Abteilungen eigentlich gleich“, sagt Gábor Szük.

Die medizinischen Kollegen in der Stolberger Klinik für Kinder- und Jugendmedizin hätten durchaus Verständnis gezeigt für den Wechsel ihres Chefs nach Birkesdorf. Von den Oberärzten habe sich niemand auf den Chefsessel beworben, so Szük. Entsprechend werde die Stelle der Abteilungsleitung nun ausgeschrieben. Szük: „Wir haben einen Headhunter beauftragt, uns bei der Suche zu helfen.“ Dr. Kentrup werde dann noch bei der Auswahl seines Nachfolgers behilflich sein. Szük: „Eher werden wir ihn nicht gehen lassen. Notfalls muss er zunächst an beiden Kliniken tätig sein.“ Kentrup hat selbst den Aufsichtsrat der Stolberger Klinik von seiner Entscheidung informiert. Erst anschließend gab es ein Gespräch zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung. Szük ist fest davon überzeugt, dass auf absehbare Zeit Ersatz für den Mediziner gefunden wird. Bis dahin werde es kaum zu einem Einbruch in den Fallzahlen der Kinderklinik kommen: „Die Kinderklinik läuft ja gut.“

Dr. Heiner Kentrup geht nach zehnjähriger Tätigkeit in Stolberg nicht ohne Wehmut: „Die Entscheidung, zu wechseln, fällt mir sehr schwer. Ich hänge an diesem Haus, ich kenne es schließlich schon seit Studienzeiten.“ Für die Stolberger Kinderklinik spreche ihre Entwicklung in den vergangenen Jahren: „Die Zahl der stationären Patienten ist um 30 Prozent gestiegen, die Zahl der ambulanten Patienten hat sich verdoppelt.“ Schwierig für das Haus sei allerdings, dass die Neonatologie zunehmend beschnitten werde. Das heißt: Es ist unklar, ob in den kommenden Jahren in der Stolberger Klinik weiterhin Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm behandelt werden dürfen.

Und dies ist nun mal eines der Spezialgebiete für den ausgebildeten Neonatologen: „Das ist ein wichtiges Fach für die Klinik und mich persönlich.“ Kentrup hatte deshalb bis zuletzt auf eine Übernahme des Stolberger Hauses durch die CTW gesetzt, die das Kinderkrankenhaus in Birkesdorf betreibt, das wohl weiterhin auch Kinder mit einem Geburtsgewicht von 1250 Gramm aufwärts behandeln darf. In der Geburtshilfeabteilung des Stolberger Krankenhauses kommen jährlich rund 1200 Kinder zur Welt. Im Krankenhausbedarfsplan 2015 wird entschieden, wo und wie Frühgeburten behandelt werden. Kentrup kann sich da für die Zukunft durchaus eine Zusammenarbeit der Kliniken von Stolberg und Birkesdorf vorstellen.

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