„Dr. Blues, Mr. Rock und ihre Miss Voice“ im Piano

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
4825593.jpg
Andrea Porten und Saturday Night Fish Fry brannten im „Piano“ ein wahres Feuerwerk an Rhythm and Blues ab. Foto: D. Müller

Stolberg. Die Musikkneipe in der Altstadt war sehr gut gefüllt, die Stimmung der Gäste im „Piano“ großartig, und doch war niemand wirklich jeck, sondern die Pappnasen blieben im Schrank. Das „Trömmelche“ war ein ausgewachsenes Schlagzeug und das „Gitarren- und Basskorps“ der Band „Saturday Night Fish Fry“ (SNFF) ließ Heiterkeit und Frohsinn nur am Rande regieren – im Vordergrund standen eindeutig „Dr. Blues und Mr. Rock“.

Mit gewohnter Leidenschaft und virtuosem Können spielten die „frittierten Fische“ eine lange Samstagnacht lang sich und das begeisterte Publikum in einen musikalischen Rausch, der sich hören lassen konnte.

Winni Rüland an den Drums und Dieter Nitsche am Bass erwiesen sich dabei als unwiderstehliche Rhythmussektion, die die Tanzbeine der Gäste vom ersten bis zum letzten Takt reizte. Die wechselweise gespielten Lead- und Sologitarren von Majid Salama und Sänger Wolfgang Wynands wurden im Piano ebenso frenetisch gefeiert wie der Einsatz des zweiten Frontmanns Erwin Görres, der mit seinen Bluesharps wie seinem unverwechselbaren Gesang überzeugte. Fast 40 Songs servierte „SNFF“ – allesamt frisch und gar – darunter Klassiker wie Henri Mancinis „Peter Gunn Theme“, den „Down Home Blues“ (George Henry Jackson) oder Albert Kings „Let‘s have a natural Ball“.

Der kraftvolle und ursprüngliche Blues, gepaart mit Rock‘n‘Roll wie bei „You upset me Baby“ (King, Mahoney, Coppenrath) und wie bei Steve Gibbons‘ „Any Road up“ sogar mit einer Prise Country gewürzt, war ganz nach dem Geschmack Publikums. Nahtlos fügten sich auch die starken Eigenkompositionen der „Fische“ in das stimmige Programm ein. Bewährte Stücke à la „Rollin‘ Kitchen Boogie“ oder „I‘m the Man“ und neue SNFF-Songs wie „This Show feels fine“ brachte die Band glänzend zu Gehör, und nach „Me and the Devil“ applaudierten die Gäste wie der Teufel.

Für einen kleinen Moment nur ebbte die Stimmung in der Altstadt allerdings ein wenig ab: Wynands‘ Ankündigung, „Jetzt wird’s sexy: Erwin und ich ziehen uns aus“, hatte kurzes ehrfürchtiges Schweigen zur Folge.

Doch die Frontmänner der „Fische“ behielten die Kleider an – und trotzdem Recht, denn die charmante Sängerin und SNFF-Gründungsmitglied Andrea Porten griff zur Freude des Publikums immer wieder zum Mikrofon. Sie sang unter anderem Chuck Berrys „Route 66“ und „Don‘t touch me“ von Johnny Guitar Watson, brillierte dabei mit ihrer energiegeladenen Bluesröhre und temperamentvoller Bühnenpräsenz.

Mit Görres im Duett erinnerte sie an den „Little red Rooster“ (Willie Mae Thornton) und dem Titel „Is you is or is you ain‘t my Baby“ (Billy Austin, Louis Jordan) verlieh Porten stilvolle Eleganz durch ihren mondän anmutenden Gesang.

Nach der ersten Zugabe und rund dreistündigem Konzert von „Saturday Night Fish Fry“ hatten die Gäste im Piano noch nicht genug, so dass die Band noch das eigene Stück „Dancin‘ in on Neptune“ präsentierte.

Nach diesem Feuerwerk an Rhythm and Blues, das schiere Begeisterung des Publikums nach sich zog, mussten die „Fische“ das Ende des rundum gelungenen Abends noch einmal gute drei Minuten aufschieben und verabschiedeten sich erst nach Mitternacht mit Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ unter lautem Jubel.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert