Dr. Andreas Frick feiert sein Silbernes Priesterjubiläum

Von: Tobias Röber
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Seit sieben Jahren arbeitet Dr. Andreas Frick in Eschweiler. Am Freitag vor 25 Jahren wurde er in Rom zum Priester geweiht. Foto: Tobias Röber
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Heute trifft Dr. Andreas Frick Papst Benedikt XVI. Foto: stock/UPI Photo

Stolberg/Eschweiler. Am Freitag vor 25 Jahren wurde Dr. Andreas Frick zum Priester geweiht. Im Interview spricht der 50-Jährige, der in Stolberg aufgewachsen ist, über die Veränderungen in einem Vierteljahrhundert, schwierige Entscheidungen wie die Änderungen der Gottesdienstordnung und das KIM-Konzept sowie die Aufgabe der Gesellschaft, auf die wachsende Zahl an Flüchtlingen zu reagieren.

Zu Ihrem Silbernen Priesterjubiläum treffen Sie Joseph Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI. Wie kommt es dazu?

Dr. Frick: Er war es, der mich vor 25 Jahren, am 10. Oktober 1989, in der Kirche Sant‘ Ignazio in Rom zum Priester geweiht hat. Zusammen mit 17 Mitbrüdern. Ich denke, dass zehn von ihnen in Rom dabei sein werden. Am Morgen treffen wir uns um 7 Uhr, und um 7.45 Uhr beginnt die gemeinsame Lithurgie. Um 13 Uhr lande ich schon wieder in Düsseldorf, und um 17 Uhr beginnt die Feier in St. Peter und Paul.

Klingt nach Jet-Set-Leben...

Dr. Frick: (lacht) Vielleicht wirkt das so, aber der Rest meiner Woche sieht nicht so aus, und schon gar nicht mein Leben als Priester in Eschweiler. Natürlich freue ich mich sehr über die Möglichkeit, Benedikt XVI. und die anderen Mitbrüder zu treffen, die vor 25 Jahren mit mir gemeinsam von ihm geweiht wurden.

Sie kennen Joseph Kardinal Ratzinger also seit vielen Jahren. Welchen Eindruck haben Sie von ihm?

Dr. Frick: Er ist ein ganz bescheidener und freundlicher Mann, der gut zuhören kann. Auch ist er ein sehr gütiger Mensch. In der Öffentlichkeit wurde er leider oft anders dargestellt, als er ist. Außerdem ist er im selben Jahr geboren wie mein Vater und vielleicht auch deshalb eine Vaterfigur für mich. Wir hatten in den zurückliegenden Jahren immer wieder mal Kontakt, und ich habe immer wieder für ihn gebetet. Insofern ist diese besondere Beziehung nie abgerissen.

Wie kam es, dass Sie Priester werden wollten?

Dr. Frick: Meine Eltern sind bewusst eine christliche Ehe eingegangen. Beten und christliche Werte waren bei uns immer wichtig. Als Familie sind wir immer zusammen in Gottesdienste gegangen, und auch über Glaubensfragen wurde bei uns oft gesprochen. Außerdem waren drei Verwandte meiner Mutter Priester. Als ich drei Jahre lang bei den Franziskanern in Vossenack war, wo ich auch mein Abitur „gebaut“ habe, hat sich mein Weg weiter verfestigt.

Was hat sich in den 25 Jahren, die Sie als Priester tätig sind, verändert?

Dr. Frick: Positiv: Viele derjenigen, die heute als Priester oder in anderen Ämtern für die Kirche tätig sind, nehmen ihre Aufgaben mit einem größeren Bewusstsein und einer größeren Verantwortung wahr. Auf der anderen Seite spüren auch wir Priester die Hochgeschwindigkeit des Lebens und die Verknappung der Ressourcen. Anderen geht es nach meiner Wahrnehmung ähnlich. Insgesamt wird der christliche Glaube in der Gesellschaft weniger. Die Kirche hat sich auch verändert. Sie ist in den Jahren bescheidener geworden. Wichtig war sicher auch die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an die Zeit Ihrer Priesterweihe?

Dr. Frick: In diese Zeit fiel die Deutsche Einheit. Das war eine Sensation und eine beglückende Zeit mit vielen spannenden Fragen. Etwa der, wann das Grundgesetz für alle gilt oder alle Bürger die D-Mark bekommen. Natürlich gab es auch für die Kirche eine Menge an Veränderungen. Sie musste sich neu positionieren. Auch das Verhältnis der Konfessionen hat sich verändert, auch deshalb, weil viele Ostdeutsche Protestanten sind.

Zurück zum Thema Bescheidenheit der Kirche. Inwiefern ärgert Sie das Verhalten des früheren Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst?

Dr. Frick: Ich weiß nicht, ob ärgern da das richtige Wort ist. Es macht mich traurig, dass selbst einem Bischof das Gespür für das rechte Maß abhanden kommen konnte. Und ich kann nicht leugnen, dass ein solcher Stil auch unsere Bemühungen hier vor Ort belastet. Auf der anderen Seite gab und gibt es auch viel Häme, die einem Mann, der offenbar nicht im Gleichgewicht war, in dieser Form nicht gerecht wird. Hier ist vieles öffentlich ausgetragen worden, was eigentlich eher Gegenstand brüderlicher Zurechtweisung gewesen wäre. Hier muss sich Kirche auch selbst hinterfragen. Wir sind schließlich nicht nur Anbieter von Festen.

Schnelllebigkeit spielt eine große Rolle. Wie gehen Sie damit um?

Dr. Frick: Man muss sich mit der Frage auseinandersetzen: Was ist gesellschaftliche Realität? Für einen Priester, der auch Manager ist, ist die Sicherung des Gebets, der Stille, der persönlichen Spiritualität besonders notwendig. Für mich sind die tägliche Messfeier, die täglichen Gebetsfeiern und Exerzitien sehr wichtig und umso wichtiger, seit ich eine leitende Funktion habe. Der Druck ist dann besonders groß.

Bleibt bei Ihrem vollen Terminkalender überhaupt noch Platz für Hobbys?

Dr. Frick: Ja, aber auch nur, weil ich gelernt habe, auch darauf zu achten. Ich wandere und schwimme gerne. Begeistert hat mich zum Beispiel, wie viele junge Menschen an der jährlichen Kevelaer-Fußwallfahrt teilnehmen, bei der ich gerne dabei bin. Im Winter genieße ich es, ein paar Tage am Stück in den Alpen Skilanglauf machen zu können.

Es gibt weniger bekennende Christen und auch weniger Priesterkandidaten. Inwiefern muss sich die Kirche ändern?

Dr. Frick: Aus meiner Sicht haben viele Menschen eine religiöse Sehnsucht und suchen nach einer Antwort auf den Sinn des Lebens. Viele versuchen jedoch die Antwort auf „alternativen“ Wegen zu finden. Mich besorgt, dass viele Menschen die Regelmäßigkeit des persönlichen Gebets gar nicht mehr oder viel seltener erfahren. Die Vielfalt der Angebote ist gestiegen, egal ob in Ausbildung oder Freizeit. Ein Problem der Kirche ist, dass sie von außen betrachtet an Themen gemessen wird, die zwar wichtig sind, aber auf der Agenda sicher nicht ganz oben stehen.

Zum Beispiel?

Dr. Frick: Das Thema Sexualität wird im 6. Gebot behandelt, nicht im 1. Gar nicht darüber zu sprechen, wäre verkehrt. Das würde bedeuten, dass die Kirche eine Antwort schuldig bleibt, aber es gibt auch andere wichtige Themen. Ich bin froh, dass wir in Eschweiler unseren Dienst als Kirche weiterentwickelt haben und weiterhin entwickeln wollen und Angebote machen.

An welche Angebote denken Sie?

Dr. Frick: Beispielsweise an die Angebote für Schulen. Da haben wir hier einen guten Standard. Auch, weil wir gemeinsam mit den Schülern arbeiten. Ich freue mich, welche Offenheit und Kooperationsbereitschaft bei den großen Schulen vorhanden ist.

Die veränderte Gottesdienstordnung war eine der großen Herausforderungen in Ihrer Amtszeit. Haben Sie alles richtig gemacht?

Dr. Frick: Das waren sicher die schmerzlichsten Schritte in meiner bisherigen Amtszeit. Wir haben eine Konzentration vorgenommen mit dem Ziel, die Gottesdienste für die Gemeinde wieder erlebbar zu machen. Es war ein großer Schritt in einer Zeit des Umbruchs. Das lag natürlich auch daran, dass wir drei Jahre lang nur noch zwei Priester für die Gottesdienste zur Verfügung hatten. Zwischenzeitlich die Zahl der Gottesdienste hochfahren, um sie später wieder runterzuschrauben, halte ich nicht für gut. Es waren notwendige Entscheidungen.

Weitere Veränderungen stehen an. Stichwort: Kirchliches Immobilienmanagement, das bei vielen Gläubigen für emotionale Reaktionen sorgt. Wie geht es mit den Kirchen St. Michael und Herz-Jesu sowie dem Pfarrheim in Röhe weiter?

Dr. Frick: Wir haben drei Arbeitsgruppen gebildet: Umnutzung, Eigenfinanzierung (Röhe) und Neuverortung. An Lösungen wird gearbeitet, spruchreif ist noch nichts. So wollen wir natürlich für alle Gruppen, die sich in St. Michael und Herz-Jesu treffen, bis spätestens zum 1. Juli 2015 neue Orte gefunden haben. Die Umnutzung der Kirchen ist ein emotionales Thema, das wir mit großer Sorgfalt behandeln.

Dem Thema Flüchtlinge kommt gerade für Eschweiler künftig eine noch größere Bedeutung zu. Welche Rolle spielt die Kirche dabei?

Dr. Frick: Wer die Bilder im Fernsehen sieht, kann nur erschüttert sein. Unsere Antwort kann nicht sein, die Grenzen einfach dicht zu machen. Ich war selbst vor einigen Jahren in Syrien, als es noch zu bereisen war. Es tut weh, wenn man erlebt, wie freundlich die Menschen dort waren und wie sie dort jetzt leben. Die Frage lautet: Wie kann und wie muss diesen Menschen geholfen werden? Eine menschenwürdige Versorgung muss gewährleistet werden. Und selbst, wenn es nur vorübergehend ist, müssen wir uns fragen: Wie kann eine psychologische, medizinische und pädagogische Hilfe aussehen? Als Kirche denken wir etwa über Patenmodelle nach, um die Flüchtlinge zu integrieren. Ich stelle ein wachsendes Bewusstsein für das Thema fest. Das finde ich toll. Leider gibt es auch viele Vorurteile. Es darf nicht sein, dass alle Flüchtlinge mit Problemen zu kämpfen haben, nur weil es dort, genauso wie bei uns, einige schwarze Schafe gibt.

Welche Ziele haben Sie für die nächsten Jahre?

Dr. Frick: Ich möchte mich weiter für eine wachsende Solidarität und ein Mehr an spirituellen Angeboten einsetzen. Außerdem soll die Schnittstelle zwischen Kultur und Kirche weiter gefördert werden. Ich bin sicher, dass das in Zukunft ganz wichtig wird. Und dann wird es immer wieder neue Herausforderungen geben, an die jetzt noch niemand denkt. Auch ihnen gilt es, sich dann zu stellen.

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