Stolberg-Zweifall - Dorfversammlung: Vorstand der Kirche in Bedrängnis

Dorfversammlung: Vorstand der Kirche in Bedrängnis

Von: Nadine Tocay
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Sie wird weder geschlossen noch verkauft, aber ihre Instandhaltung muss die Gemeinde künftig selbst finanzieren: Die Pfarrkirche St. Rochus wird nicht mehr vom Bistum unterstützt. Foto: Nadine Tocay
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Sie wird weder geschlossen noch verkauft, aber die Instandhaltung muss die Pfarrgemeinde nun selbst finanzieren: Die Kirche St. Rochus wird zukünftig nicht mehr vom Bistum unterstützt. Foto: Nadine Tocay

Stolberg-Zweifall. „Die Kirche wird weder geschlossen noch verkauft“, diese Worte von Pastor Norbert Bolz lösten am Mittwochabend bei den Bürgern des Eifelortes Zweifall eine Welle der Erleichterung aus.

Nachdem die Gemeinschaft der Gemeinden (GDG) Stolberg-Süd – zu der auch die katholische Pfarrkirche St. Rochus in Zweifall zählt – beschlossen hatte, das Gotteshaus aufgrund von Sparmaßnahmen auf die sogenannte „rote Liste“ zu setzen, machte sich Empörung im Dorf breit.

Bei einer Dorfversammlung, die der neu gegründete Verein „IG Unser Dorf Zweifall“ in der Gaststätte „Zur Post“ einberufen hatte, nahm sich der Pastor viel Zeit, den 130 erschienen Dorfbewohnern den Sachverhalt genau zu erläutern.

Die GDG hat im vergangenen Jahr vom Bistum die Auflage bekommen, 33 Prozent der Kosten für Immobilien einzusparen. Kirchen, die zum Beispiel als zu groß für einen Ort deklariert wurden, wurden deshalb auf die „rote Liste“ gesetzt. „Das bedeutet: Sie werden in Zukunft bei Reparaturen und Sanierungen finanziell nicht mehr aus Kirchensteuermitteln unterstützt“, erklärte Bolz. Die Pfarrgemeinden müssen dann also selbst für die Kosten der Instandhaltung aufkommen.

Sollte eine Baumaßnahme nötig werden, müssten beispielsweise Investoren oder Träger gefunden werden, die St. Rochus finanziell unterstützen. Was mit der Kirche und dem anliegenden Pfarrheim und -haus geschieht, das obliegt jedoch dem Eigentümer der Gebäude, der Pfarrgemeinde.

„Dass das Bistum nicht an einer Kirche festhält, die immer leer ist, wundert mich nicht“, sagte eine Frau aus dem Publikum. Man müsse sich da auch an die eigene Nase fassen. Pastor Bolz stimmte ihr zu. Es sei deprimierend, die Samstagsmesse vor weniger als 20 Leuten zu halten.

Rückgängig machen kann man die Entscheidung des Bistums nicht. Aber es gab Überlegungen, wie man die Finanzen der kleinen Gemeinde stärken könnte: „Es wäre viel schöner, wenn man sich für die Gottesdienste wieder in der alten Kirche versammeln würde. Die Atmosphäre wäre dort besser, und man könnte den Neubau abtrennen“, meinte Bolz.

Wie der Anbau, der 1962 errichtet wurde, dann genutzt werden könnte, müsste im nächsten Schritt überlegt werden. Es gebe den Vorschlag, ihn in eine Grabeskirche umzuwidmen und dadurch Geld einzunehmen, so Bolz. Dr. Michael Koch, zweiter Vorsitzender des Vereins, schlug vor, dass man einen Teil des Gebäudes als Gemeindezentrum nutzen könnte, denn das fehle dem Dorf ohnehin noch.

In der Kritik stand an diesem Abend vor allem der Kirchenvorstand der katholischen Pfarrgemeinde von Zweifall. Sowohl die Interessengemeinschaft als auch die Teilnehmer der Versammlung machten ihren Unmut darüber, dass der Vorstand nicht schon längst über den Sachstand informiert hatte, deutlich. Dieser versuchte, sich zu verteidigen, und erläuterte, dass man sich momentan mit der Schimmelpilzbildung des Pfarrhauses und -heims beschäftige.

Man überlege, im Pfarrhaus Mietswohnungen einzurichten, da es ohnehin nicht genutzt werde. Die Beseitigung des Schimmels würde zwar vom Bistum mitgetragen werden, da sich das Gebäude auf der „grünen Liste“ befinde, aber eine Entfernung sei mit enormen Kosten für die Gemeinde verbunden. Deshalb sei bisher lediglich eine Schadensbegrenzung erfolgt.

„Wir müssen endlich aktiv werden und nicht darauf warten, dass der Segen von oben kommt“, betonte Dr. Koch. Im Namen des Vereins forderte er den Kirchenvorstand auf, eine Dorfversammlung einzuberufen, um Vorschläge für eine Nutzungsänderung der Kirche und ihrer Gebäude zu sammeln und in Kontakt zur Gemeinde zu treten.

Bei der Versammlung ging es jedoch nicht ausschließlich um das Thema Kirche. Die IG nutze die Gelegenheit, seinen Verein genauer vorzustellen. Elf Mitglieder zählt er aktuell. Unter der Leitung des Vorsitzenden Heinz-Gerd Braun hat er es sich zum Ziel gesetzt, die Belange der Dorfbewohner an die Stadt heranzutragen. Darüber hinaus setzt er sich für eine Verschönerung des Dorfes ein, möchte Monumente restaurieren, einen Rundwanderweg um Zweifall bauen und die Bäche und Wege der Gegend reinigen.

Von den Besuchern wurde angesprochen, dass es ein Problem mit Müll im Dorf gebe: Zu wenig Mülleimer, verdreckte Straßenrinnen, Hausmüll auf dem Friedhof und verschmutzte Bäche wurden thematisiert.

Man nehme sich die Anliegen zu Herzen, versprach die IG. Eines gab der zweite Vorsitzende dann jedoch noch zu bedenken: „Die Schönheit unseres Dorfes ist unsere Angelegenheit. Man darf nicht warten, dass andere etwas für einen tun.“

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