Stolberg - Donnerberg-Kaserne: Die letzten Rekruten falten ihr erstes Hemd

Donnerberg-Kaserne: Die letzten Rekruten falten ihr erstes Hemd

Von: Dirk Müller
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Ubung macht den Meister: Die ersten Hemden, die auf DIN-A4-Format gefaltet werden wollen, stellen auch für die letzten Wehrpflichtigen in der Donnerberg-Kaserne noch eine Herausforderung dar. Foto: Dirk Müller

Stolberg. Im Sommer dieses Jahres geht in der Bundesrepublik eine Ära zu Ende, denn am 3. Januar haben die letzten Wehrpflichtigen den Dienst in der Bundeswehr angetreten. Künftig wird Deutschland über eine reine Berufsarmee verfügen, die nur noch aus Freiwilligen besteht.

Für rund 170 der letzten Pflicht-Rekruten beginnt derzeit die dreimonatige Grundausbildung in der Donnerberg-Kaserne, nachdem sie in Aachen-Brand ihre Ausrüstung erhalten haben. Nun heißt es für die „Frischlinge” zunächst, die Stube zu beziehen und den Spind einzuräumen, wobei die Schwierigkeiten im Detail stecken.

„Wenn Sie Ihre Stubenmappe zur Hilfe nehmen, können Sie sehen, dass Ihr Hemd nicht exakt auf DIN A4 gefaltet ist”, erklärt Oberfeldwebel Andreas Graf einem der jungen Männer, der wie die meisten mehrere Versuche benötigt, um das Kleidungsstück auf das geforderte Format zu bringen.

„Wir machen das ja nicht ohne Grund. Nur so passt die gesamte Ausrüstung in ihren Spind, dessen Inhalt klar geordnet sein muss, damit sie auch im Dunkeln und in Sekundenschnelle alles beisammen haben”, begründet Graf die Anforderungen. Als Ausbilder sei er gleichsam eine Art Manager und manchmal auch ein bisschen Sozialarbeiter, da in der Truppe alle Gesellschaftsschichten vertreten seien, sagt der Oberfeldwebel mit einem Schmunzeln.

Ein wenig Zuspruch benötigt zum Beispiel Domenico Marciano. Der 18-Jährige aus Remscheid ist nicht sonderlich davon begeistert, zu den letzten Rekruten zu gehören, die den Wehrdienst leisten müssen. „Immerhin stört es nicht wirklich in meiner Planung, da ich meine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann ohnehin erst im Sommer anfange. Trotzdem hätte ich lieber sechs Monate gejobbt statt zur Bundeswehr zu gehen”, klagt Marciano.

Berufliche Perspektiven

Zuversichtlich hingegen bemüht sich Pascal Schiller aus Frechen aufs Neue, sein Hemd korrekt zusammenzulegen. Der 19-Jährige absolviert gerne den Wehrdienst. „Ich möchte mich später verpflichten und bei der Bundeswehr eine Ausbildung zum Koch machen”, berichtet Schiller.

Wie er sieht auch sein Stuben-Kamerad Denniz Jakobsmeier aus Köln den Wehrdienst als eine Chance für Ausbildung und Berufsleben. „Ich möchte die Erfahrung mit der Bundeswehr machen und erhoffe für mich persönlich auch berufliche Perspektiven”, sagt der Rekrut. Bisher habe er relativ planlos seine Zeit zwischen Schule und Wehrdienst als Hilfsarbeiter bei einer Zeitarbeitsfirma gefristet.

Die beiden seien nur zwei von vielen Wehrpflichtigen, die sich für die Möglichkeiten von Ausbildung und Studium innerhalb der Bundeswehr interessieren, meint Major David Helm, Presseoffizier der Technischen Schule Landsysteme und Fachschule des Heeres für Technik: „Schon während der Grundausbildung hier in der Donnerberg-Kaserne werden den Rekruten im Unterricht von einem Personaloffizier Karrierechancen innerhalb der Bundeswehr aufgezeigt. Grundsätzlich kann man sagen: Aus dem Dienst in der Bundeswehr kommt man immer qualifizierter heraus, als man hineingekommen ist. Gerade heute wissen das viele junge Menschen zu schätzen.”

Ordnung und Sauberkeit zu erlernen und zu üben und die Kameradschaft untereinander zu erleben, seien weitere Vorteile des Wehrdienstes. „Man lernt sich kennen, und Freundschaften entstehen. Der menschliche Horizont wird erweitert, die soziale Kompetenz gefördert und der Charakter positiv geformt”, zählt Major Helm auf. Zu der prägenden Erfahrung, die die Zeit bei der Bundeswehr darstelle, gehöre nach wie vor natürlich auch ein Hauch von Abenteuer, wie in der Natur zu campieren oder eigenhändig ein Feuer zu entfachen.

Bis zu 192 Rekruten können in der Donnerberg-Kaserne ausgebildet werden. Derzeit beginnen dort knapp 170 Rekruten ihre dreimonatige Grundausbildung. Diese Zahl entspricht dem Durchschnitt. 20 Ausbilder und 16 Hilfsausbilder sind für die letzten wehrpflichtigen jungen Männer zuständig.

Die Wehrpflicht wird in der Bundesrepublik Deutschland zum 1. Juli 2011 ausgesetzt, und die Bundeswehr wird zu einer reinen Berufsarmee.

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