Ditib-Gemeinde: „Mit uns hat das alles nichts zu tun“

Von: Sarah-Lena Gombert
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Erol Kilic ist Vorsitzender der Stolberger Ditib-Gemeinde. Die Debatte um das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei hat mit der Vereinsarbeit in der Kupferstadt nichts zu tun, sagt er. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Das Verhältnis zwischen der deutschen Bundesregierung und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist derzeit mehr als angespannt. Auch Ditib, der Dachverband türkischer Moscheegemeinden, ist in die Kritik geraten, unter anderem NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist auf Distanz gegangen.

„Mit uns hier in Stolberg hat das alles überhaupt nichts zu tun“, sagt hingegen Erol Kilic. Er ist Vorsitzender der örtlichen Ditib-Gemeinde.Die Stolberger Ditib-Moschee liegt an der Rathausstraße, ein klein wenig versteckt in einem Hinterhof.

Das Tor steht offen, auch die Türen, die zu den unterschiedlichen Räumen des Gebäudes führen: eine geräumige Teestube, mit Teppichen ausgelegte Gebetsräume für Frauen und Männer, ein modern gestalteter Aufenthaltsraum für Jugendliche. Überall hängen deutsche und türkische Flaggen. „Kommen Sie, schauen Sie sich bitte um“, sagt Erol Kilic mit Nachdruck, „unsere Moschee steht immer offen, für jeden.“

Rund 400 Mitglieder hat die Stolberger Ditib-Gemeinde aktuell. Sie kommen zu regelmäßigen Gebeten her, oder zum Austausch in der Teestube. Über alles mögliche wird hier diskutiert. Aber: „Politik bleibt draußen!“, betont Kilic. Er wisse: Es gebe innerhalb der Stolberger Ditib-Gemeinde Kritiker und Befürworter der türkischen Politik. „Das steht ja auch jedem frei, seine politische Meinung zu haben“, sagt Kilic. Auf die Arbeit des Vereins vor Ort soll das aber keinen Einfluss haben.

Er selbst sei während des Putschversuchs in der Türkei gewesen, sagt Erol Kilic im Gespräch mit unserer Zeitung, und betont, dass den meisten Türken eines wichtig gewesen sei: Durch einen Militärputsch soll keine neue Regierung an die Macht kommen.

„Die Menschen in der Türkei glauben an die Demokratie, das gilt für Erdogan-Anhänger und auch für die Gegner.“ Von dem Vorwurf, dass Erdogan politische Einflussnahme auf Ditib-Gemeinden ausübt, hält Kilic nichts. Für die Gemeinde in Stolberg gelte: „Wir machen mit unserer Arbeit so weiter, egal, wer in der Türkei an der Macht ist.“

Neben den regelmäßigen Gebeten gibt es neben Koran- auch Sprachkurse. Der Verein feiert das Ramadan-Fastenbrechen, beispielsweise mit den in Stolberg untergebrachten Flüchtlingen, organisiert einen Tag der offenen Moschee. Im Juli gab es am Glashütterweiher ein großes Jugend- und Sportfest, zu dem die Stolberger Fußballvereine eingeladen wurden.

Aus Sicht des Moscheevereins ist das ganz konkrete Jugend- und Integrationsarbeit, alles auf ehrenamtlicher Basis. „Wenn ich dann höre, dass die Politiker über Ditib schimpfen, dann macht mich das traurig“, sagt Erol Kilic, „hier bei uns in Stolberg läuft das alles so gut, und die Bundespolitik äußert pauschale Kritik, die aus meiner Sicht unbegründet ist.“

Zu der Stolberger Stadtverwaltung habe man ein sehr gutes Verhältnis, betont Kilic. Am türkischen „Tag des Kindes“ beispielsweise habe man den Bürgermeister besucht. „Und Herr Grüttemeier hat die Kinder auf seinem Stuhl sitzen lassen“, erzählt Kilic, und ergänzt: „Die Stadt weiß, was wir für die Jugend leisten.“

In einen der Moschee angegliederten Raum kann sich der Imam zurückziehen, um mit den Gemeindemitgliedern persönliche Gespräche zu führen. „Er ist für uns auch ein Seelsorger“, sagt Kilic. Aber auch der Imam lege großen Wert darauf, dass in der Moschee nicht über politische Fragen diskutiert wird.

Eine gemütliche Sofalandschaft, Brett- und Videospiele und eine große Leinwand bilden den Jugendraum der Gemeinde. Das gemütlich eingerichtete Zimmer hat der Verein auf eigene Kosten herrichten lassen. „Wir haben etwa 40 Jugendliche und Kinder, die regelmäßig herkommen. Wir wollen das gerne noch ausbauen“, sagt Erol Kilic.

Die Jugendarbeit sei dem Verein besonders wichtig. „Wir haben keinerlei Interesse daran, dass sich unsere Kinder in irgendeiner Weise radikalisieren. Wir tun alles Erdenkliche, um das zu verhindern“, sagt er. Auch mit der Stolberger Polizei pflege man ein vertrauensvolles Verhältnis: „Die kennen uns, und die kennen unsere Kinder“, erklärt Kilic.

Stolberg liegt ihm am Herzen

Genau aus diesem Grund hält er generelle Schelte gegenüber Ditib-Gemeinden für einen Fehler: „Wenn die Vereine, wie zum Beispiel unserer, in Stolberg nicht ihre ehrenamtliche Arbeit machen, dann ist die Gefahr groß, dass noch mehr Jugendliche den Radikalen in die Arme laufen.“ Die „große“ Politik sollte die Aktivitäten von Ditib vor Ort mehr würdigen, findet Kilic.

Auch wenn er regelmäßig in die Türkei in Urlaub fliegt und dort die Wurzeln seiner Familie liegen. Erol Kilic sieht sich vor allem als eins: als Stolberger. „Wissen Sie, ich wohne hier seit vielen Jahren. Ich arbeite hier, meine Kinder sind hier aufgewachsen“, erzählt er. Die Stadt liege ihm und auch den anderen Ditib-Aktiven am Herzen. „Denn wir wollen für unsere Kinder eine gute Stadt.“

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