Diskussionen um Bildung, Umwelt, Sicherheit: Schüler fragen die Politik

Von: Naima Wolfsperger
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Volle Aula zur Diskussion mit den Landtagskandidaten und ihren Vertretern: Das Ritzefeld- und das Goethe-Gymnasium haben Vertreter der Politik in die Aula des Goethe-Gymnasiums gebeten, um sich und ihre Parteien vorzustellen – aber auch, um sich den kritischen Fragen der zukünftigen Wähler aus den Jahrgängen Q1 und Q2 zu stellen. Foto: Naima Wolfsperger

Stolberg. „Aber wie stellen Sie sich das vor, Herr Kämmerling, mit dem gleichzeitigen Angebot von G8 und G9? Wie soll eine Schule so etwas leisten können?“ Die Schüler des Goethe- und des Ritzefeld-Gymnasiums lassen besonders in Sachen Bildungspolitik nicht locker. Wo sie doch schon einmal die Landtagskandidaten der Parteien und ihre Vertretungen vor sich haben.

Seit Oktober wurden von Schülerteams beider Schulen Expertenthemen und Fragen vorbereitet, um mit ihren möglicherweise zukünftigen Vertretern im Landtag darüber zu sprechen. In der Aula des Goethe-Gymnasiums stellten sich die Landtagskandidaten Stefan Kämmerling (SPD), Axel Wirtz (CDU), Albert Borchardt (Die Linke), Lukas Brenner (Die Grünen) und Maximilian Möhring (Piraten-Partei) der Diskussion mit den Schülern.

Die FDP-Landtagskandidatin Anke Göbbels ließ sich wegen eines Auslandstermins von ihrem Parteikollegen Dr. Werner Pfeil vertreten. Die Moderation übernahm Alina Meuser. Die RWTH-Studentin und ehemalige Ritzefeld-Schülerin hat in der Städteregion Aachen „YMCA- Youth, Music & Culture“ gegründet.

„Die Idee ist vor allem, den Schülern eine Orientierungshilfe zu bieten und sie an das komplexe Thema „Politik“ heranzuführen. Wir wollen sie natürlich motivieren, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und sich selbstständig für eine Partei zu entscheiden“, sagt Alexander Mischlewitz der, mit seinem Lehrerkollegen vom Ritzefeld-Gymnasium, Dennis Fischer, und mit Dennis Mager und Philipp Pletsch vom Goethe-Gymnasium, den Schülerexperten mit Rat und Tat zur Seite stand.

Die Schüler konnten in dem Projekt eigene Themenvorschläge miteinbringen, „aber wir mussten natürlich auch darauf achten, dass die Politiker in diesem Fall auch die richtigen Ansprechpartner sind. Schließlich ist nicht alles, was die jungen Menschen in Stolberg interessiert, in der Zuständigkeit der Landespolitik“, sagt Mischlewitz. Schlussendlich haben sich die Schüler aus den Stufen Q1 und Q2 um vier große Themenblöcke gruppiert: Innere Sicherheit und europäische Integration, Bildung, Umwelt und Infrastruktur.

Der Fachbereich Bildung liegt den zukünftigen Abiturienten natürlich besonders nahe. Der Bereich wurde von Pia Kraushaar und Luca Offermann vom Ritzfeld-Gymnasium bearbeitet. Sie formulierten Fragen zu der Position der Politiker bezüglich der G8-/G9-Problematik und wollten wissen, was sie vom dreigliedrigen Schulsystem halten.

In den anschließenden Publikumsfragen wurde auch deutlich, dass auch jene Schüler, die nicht an der Vorbereitung beteiligt waren, es den Landtagskandidaten und ihren Vertretungen nicht einfach machen wollten. Wie sich die Kandidaten die Umstellung vorstellten und warum etwa Axel Wirtz von der CDU G8 für gescheitert erkläre und trotzdem dafür plädiere, den Schulen bezüglich des Turbo-Abis die freie Wahl zu lassen.

Für Fragen im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit hatten sich Christoph Meis und Lena Deliege vom Goethe-Gymnasium vorbereitet. Sie wollten vor allem hören, wie die Politiker sich gegenüber Atomenergie und den Krisenreaktoren Tihange und Doel in Belgien verhalten, aber auch wie sie einen sanften Ausstieg aus dem Kohleabbau mit Nachhaltigkeit verbinden wollen. Hinzu kam auch die Frage nach den hohen Nitratwerten im Grundwasser. Denn, so betonte Christoph Meis: „Das Trinkwasser ist eines unserer wichtigsten Güter!“

Bezüglich der komplexen Themen Innere Sicherheit und Europäische Integration hatten sich Julia Hellebrand und Dilay Boyaci aus der Stufe Q1 am Goethe-Gymnasium informiert. Sie wollten genau wissen, wo die Politiker die Grenze zwischen dem Grundrecht der Freiheit und dem der Sicherheit des Bürgers ziehen.

Eines jener Themen, das den Schülern erst einmal näher gebracht werden musste, war Infrastruktur. „Das hatten sie anfangs nicht so sehr auf dem Schirm, aber als dann die Rede von Busverbindungen auf dem Land und von Breitbandverbindungen war, fanden sich schnell viele Interessenten“, sagte Mischlewitz. Am Ende waren es Elena Hoß und Leon Grot aus der Stufe Q1 vom Ritzefeld-Gymnasium, die sich darauf vorbereiteten.

Die Diskussion kam bei den jungen zukünftigen Wählern gut an. Merit Kramp vom Goethe-Gymnasium haben besonders die zweiminütigen Vorstellungsstatements der Politiker gefallen: „Da hat man einen guten Einblick in ihre politischen Schwerpunkte bekommen.“ Schließlich gebe es so viele Ziele, in denen sich die einzelnen Parteien gar nicht wirklich unterscheiden, sagt die 17-Jährige. Da sei es besonders wichtig, zu sehen, welche Punkte die Politiker selbst betonen, um zu wissen, welche Partei die eigenen Interessen auch wirklich vornan stellt.

Am Ende der Veranstaltung bat die Moderatorin, Alina Meuser, jene Schüler aufzustehen, die nun wüssten, wenn sie wählen wollen. Nur wenige blieben sitzen nach dieser Frage. Fast alle der jungen Besucher in der Aula des Goethe-Gymnasiums hatten sich in einer der politischen Richtungen wiedergefunden.

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