Discounter: „Neubau für Nahversorgung überflüssig”

Von: Jürgen Lange
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Anlieger befürchten eine zunehmende Belastung durch Verkehr und Lärm, wenn der Lidl-Markt an der Ardennenstraße in einen großzügigeren Neubau auf dem gegenüberliegenden Wiesen-Grundstück verlagert wird. Foto: J. Lange

Stolberg. „Das ist der letzte freie Grünzug auf der Liester”, befürchtet Dr. Rudolf Wagemann, dass weder der Sperber noch die Lerche zukünftig die Gelegenheit haben auf der Wiese zwischen den nach ihnen benannten Wegen ein Liedchen zu trällern. Einstimmig hatte jetzt der Stadtrat die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das rund 7900m<sup>2</sup> großen Gebietes im beschleunigten Verfahren beschlossen,

Lidl möchte dort einen neuen Supermarkt mit einer Verkaufsfläche von etwa 1200m2 errichten kann.

Das Unternehmen hat die Wiese sowie das ehemalige Vikariat von der Evangelischen Kirchengemeinde erworben, um einen zeitgemäßen Ersatz für die heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechende Filiale an der gegenüberliegenden Seite der Ardennenstraße zu realisieren. Seit Jahren bemühte sich der Discounter um einen Alternativstandort; jetzt soll das Vorhaben zügig realisiert werden.

Ein Plan, der Dr. Wagemann, der am Lerchenweg wohnt, ein Dorn im Auge ist. „Sicherlich spreche ich pro domo”, gesteht er freimütig ein. „Aber nicht nur, denn durch die Verlagerung und Vergrößerung der Verkaufsfläche kommen erhebliche Belastungen auf den Stadtteil zu”, zeigt Wagemann sich überzeugt. „Wir werden uns mit allerhand abfinden müssen”.

Das sind aus seiner Sicht in erster Linie Verkehr, Lärm und der Einzug einer Gewerbeoptik in einem bislang von Wohnbebauung geprägten Bereich.

Die Anbindung an die Ardennenstraße mit der Bündelung von Grundstücks- und Straßeneinfahrten sei wenig optimal. Angesichts der Größe des Projektes werde deutlich mehr Verkehr in den Stadtteil gezogen, der über die schmalen Straßen und den extrem verkehrsberuhigt ausgebauten Geschwister-Scholl-Platz nicht leistungsfähig abgewickelt werden könne.

Schon heute könne die Ampel zur Prämienstraße das Verkehrsaufkommen nicht bewältigen, und der Lerchenweg sei nicht nur zu Schulzeiten ein stark belasteter Zubringer zu Gymnasium und Realschule, sondern auch zu Zeiten der Nutzung der Sportanlagen des Gymnasiums regelmäßig zugeparkt. „Dann müssen wir schon als Bürger die Kontrolleure für das Ordnungsamt der Stadt spielen, weil das nicht aktiv wird”, ärgert sich Dr. Wagemann.

„Musik vom Parkplatz”

Hinzu komme mit dem Supermarkt eine verstärkte Lärmbelästigung der Anwohner nicht nur durch den Kundenverkehr, - Wagemann rechnet mit einer Verdopplung auf 600 Fahrzeuge am Tag - sondern auch durch Kühlaggregate, Papierpresse und anliefernde Lastwagen.

Nicht zu unterschätzen sei auch eine unerlaubte Nutzung des asphaltierten Parkplatzes, der nach Geschäftsschluss nur durch eine Schranke versperrt werden soll, mahnt Dr. Wagemann: „Dann können wir die Bass-Booster der Jugendlichen vom Parkplatz statt unserer eigenen Musik zuhause hören.”

Dr. Rudolf Wagemann geht sogar noch weiter und zweifelt die Bedeutung eines Markt-Neubaus für die Nahversorgung in dem Stadtgebiet an. „Er ist überflüssig, denn auch ohne diesen Markt werden wir auf der Liester keinen Hunger leiden”, sagt der Anwohner und verweist auf die Edeka-Märkte an der Konrad-Adenauer- und Mauerstraße, den Plus an der Prämienstraße sowie die Verkaufsstelle im Seniorenzentrum.

„Und dass Lidl seinen jetzigen Markt ohne einen Neubau schließen würde, ist nur eine Behauptung wie beim Pokern”, glaubt Dr. Wagemann und fordert den Ausstieg aus dem Ansiedlungsvorhaben.

„Ich hoffe, dass sich jemand findet, wenn ich es nicht selber bin, der vor dem Verwaltungsgericht Klage einricht”, kündigt er juristische Geschütze gegen einen Bebauungsplan an.
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