Dirk Offermann: „Entscheidung steht fest, daran ist nicht zu rütteln“

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Blickt optimistisch in die Zukunft: BGZ-Geschäftsführer Dirk Offermann. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg/Eschweiler. Seit das Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg (BGZ) und das St.-Antonius-Hospital Eschweiler vergangene Woche ihre Pläne publik machten, ein „Regionetzwerk für Frauen“ zu gründen, wächst in Eschweiler der Protest.

Hebammen aus Eschweiler befürchten den Jobverlust und die Bürger beklagen, dass mit der neuen Trennung von Gynäkologie und Geburtshilfe das Gütesiegel „geboren in Eschweiler“ der Vergangenheit angehört. In Stolberg dagegen blieb es bislang ruhig. Unsere Mitarbeiterin Katharina Menne hat mit Dirk Offermann, Geschäftsführer des BGZ, über die Gesamtsituation gesprochen.

Herr Offermann, haben Sie mit einem so starken Protest in Eschweiler gerechnet?

Offermann: Nein, mit einer so starken Gegenwehr definitiv nicht. Ich kann diese emotionale Reaktion zwar auch ein bisschen verstehen, aber Tatsache ist, dass wir mit der Spezialisierung die jeweiligen Qualitätsstandards noch einmal deutlich erhöhen und eine noch bessere Versorgung gewährleisten können.

Wie sieht es denn mit den Kapazitäten in Stolberg aus, wenn ab dem 1. Oktober zusätzlich zu den 1300 Stolberger Geburten noch die 580 Geburten aus Eschweiler dazukommen?

Offermann: Selbst, wenn ab Oktober alle 580 Frauen zu uns kämen, um ihr Kind hier zu entbinden, würden wir das ohne Probleme schaffen. Wir haben kurzfristig schon jetzt einen vierten Kreißsaal eingerichtet und sind auch für einen Erweiterungsbau mit sechs zusätzlichen Kreißsälen in der Endphase der Planungen. Sobald wir die Baugenehmigung haben geht es los. Der Bau soll dann noch im Jahr 2017 fertig werden.

Mit der ans BGZ angeschlossenen Kinderklinik sind Sie für Notfälle auf Seiten der Neugeborenen gut gerüstet. Wie sieht es künftig mit der Versorgung gynäkologischer Notfälle während und nach der Geburt aus?

Offermann: Jeder Gynäkologe, der in der Geburtshilfe arbeitet, kann auch operieren – das ist also kein Problem. Außerdem wird die Kooperation so tief sein, dass in Zukunft alle Assistenzärzte während ihrer Ausbildung rotieren und in beiden Teilgebieten zu Spezialisten werden. Auch die Fachärzte rotieren, damit wir in beiden Krankenhäusern eine hohe Qualität gewährleisten können.

Es wurde verkündet, dass es für alle angestellten Hebammen und Krankenpfleger eine Jobgarantie gibt. Wie sieht die konkret aus?

Offermann: Bei allen Hebammen aus Eschweiler, die zu uns kommen möchten und die wir im Übrigen auch dringend brauchen, werden wir ein stark vereinfachtes Bewerbungsverfahren einrichten – ganz so wie bei einer internen Versetzung. Dabei reicht ein Dreizeiler als Bewerbungsanschreiben aus und das Einverständnis, in die Personalakte schauen zu dürfen. Die Probezeit wird auf drei Monate verkürzt. Sollte es aus unserer Sicht trotzdem nicht passen, gibt es auf jeden Fall eine Rückkehrgarantie. Das gilt auch umgekehrt für alle Pflegekräfte aus Stolberg, die künftig in Eschweiler gynäkologisch arbeiten wollen. Es soll alles möglichst unkompliziert ablaufen – wir möchten nicht, dass irgendjemand zu Schaden kommt.

Wie sieht es bei der Bezahlung aus? Wird sich für irgendwen etwas ändern?

Offermann: Nein, bei uns gilt der gleiche Tarifvertrag wie in allen anderen kirchlichen Krankenhäusern auch.

Wie sind die Reaktionen in Stolberg?

Offermann: Hier ist die Stimmung eigentlich durchweg positiv. Wir wollen ja das, was wir gut können, noch weiter ausbauen. Wir müssen auch kein Personal abbauen, sondern vielmehr aufstocken. Außerdem wissen die Mitarbeiter seit langem, dass der politische Wille in diese Richtung geht.

Besteht die Möglichkeit, dass Sie bei all dem Widerstand aus Eschweiler doch noch einlenken?

Offermann: Nein, aus unserer Sicht steht die Entscheidung fest. Daran ist nicht zu rütteln. Wir halten diese Aufteilung für eine gute Lösung – insbesondere auch mit Blick auf die Patienten, die eine optimale Behandlung erfahren sollen.

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