Dioxin-Skandal: Die Kunden überlegen sich ihren Ei(n)kauf

Von: Mischa Wyboris
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„Ei”-lige Ware: Weil die Kunden zur Zeit des Dioxin-Skandals gesteigerten Wert auf Bio-Eier legen, kann Rewe-Verkäuferin Sabine Kreitz in Breinig die Hühnerprodukte aus ökologischer Landwirtschaft nur noch sporadisch anbieten. Foto: M. Wyboris

Stolberg. So mancher Supermarkt-Kunde entwickelt derzeit so seine „Ei”-genheiten beim Kaufverhalten. Kein Wunder, dass einige Regale gähnende Leere offenbaren: Bio ist gefragter denn je. Milch und Eier aus ökologischer Landwirtschaft gehen gut, seit der Dioxin-Skandal die Runde macht.

Doch während so mancher Anbieter mit der Bio-Lieferung nicht mehr hinterherkommt, bleiben die Filialleiter der kupferstädtischen Supermärkte entspannt.

„Der Kunde ist deutlich vorsichtiger geworden und fragt viel öfter nach”, sagt Georg Goffart, Leiter der Rewe-Filiale in Breinig, Mausbach und Bohl, und fügt hinzu: „Der Gewinner des Dioxin-Skandals ist Bio.” Gäbe es daraufhin keinen Engpass bei Bio-Waren, würde die Branche an Glaubwürdigkeit verlieren, meint Goffart. „Die Hühner legen ja nicht plötzlich vier Bio-Eier am Tag, weil jetzt Dioxin-Skandal ist.” Umsatzeinbußen habe der Filialleiter bislang nicht verzeichnet.

Anders als beim Edeka-Center in Münsterbusch: „Wir verzeichnen im Fleisch-Bereich einen Umsatzrückgang”, sagt Geschäftsführer Ender Cevik. „Das ist zwar nicht extrem, macht sich aber schon bemerkbar.” Auch in seinem Supermarkt sind Bio-Eier derzeit öfter Mangelware. Auf lange Sicht macht sich Cevik aber keine Sorgen: „Solche Skandale werden ein paar Tage hochgepuscht, aber danach normalisiert sich das Kaufverhalten wieder.” Schweinepest und BSE seien in ihren Auswirkungen auf den Lebensmittelhandel deutlich drastischer gewesen.

Während die Verbraucher derzeit doch recht verunsichert ihren Ei(n)kauf machen, sind viele Supermärkte bemüht, ihre Kunden über Qualität und Herkunft von Hühnerfutter und Fleischangebot aufzuklären. So verteilen zahlreiche Läden und Bäckereien Flyer, auf denen sie ihre Lieferanten nennen. Das Zauberwort in neuen Zeiten der Vertrauensfrage heißt „Transparenz”.

Die lässt so mancher Anbieter allerdings vermissen, wenn es um die konkrete Frage nach den Auswirkungen des Dioxin-Skandals auf das Einkaufsverhalten der Kunden geht. „Umsatzzahlen und Kaufverhalten kommentieren wir nicht. Das ist eine Grundsatzentscheidung, von der wir nicht abweichen”, erklärt Lidl-Sprecherin Simone Hartmann am Firmenhauptsitz in Neckarsulm.

Auch die Aldi-Süd-Gruppe bittet „um Verständnis, dass wir aus grundsätzlichen Erwägungen zu Umsatzentwicklungen keine Angaben machen möchten”. Das schließt offenbar auch die Frage nach der aktuellen Beliebtheit von Bio-Produkten ein. Nur geringfügig informativer zeigt sich Netto-Sprecherin Christina Stylianou: „Wir können eine leichte Verbraucherzurückhaltung beim Kauf von Eiern feststellen, bei Bio-Eiern allerdings einen vermehrten Absatz.” Ähnliches gilt auch für die Kaufland-Filiale an der Zweifaller Straße.

Bio hin oder her: Glaubt man Professor Peter Fürst, Leiter der Abteilung „Zentrale Analytik” und damit auch des Dioxin-Labors am CVUA (Chemisches Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe), besteht trotz überschrittener Grenzwerte im aktuellen Dioxin-Skandal auch bei den Nicht-Bio-Produkten kein Grund zur gesteigerten Sorge: „Die derzeitigen Werte liegen im Bereich der tolerierbaren wöchentlichen Ausnahme”, sagt Fürst. Darüber hinaus könne ökologische Landwirtschaft nicht garantieren, dass in ihren Produkten kein Dioxin enthalten ist.

Georg Goffart kann sich derweil entspannt zurücklehnen: Sein Konzept, sich beim Sortiment auch auf lokale Lieferanten zu verlassen, schafft Vertrauen. „Wir verkaufen seit Jahren Ware von regionalen Anbietern”, sagt Goffart. „Das zahlt sich jetzt aus.”

Dioxine: Krebserregend und kaum abbaubar

Dioxine entstehen als Nebenprodukte bei der Herstellung chlororganischer Chemikalien oder bei Verbrennungsreaktionen. Durch technische Maßnahmen, zum Beispiel durch den Einbau von entsprechenden Filtern in Müllverbrennungsanlagen, kann der Ausstoß jedoch verringert werden.

Schon in kleinen Mengen können Dioxine die Entstehung von Krebs fördern. Als langlebige organische Schadstoffe werden sie in der Umwelt kaum abgebaut, Spuren von Dioxinen kommen überall vor. Der Mensch nimmt Dioxine vor allem über tierische Nahrung wie Fisch, Eier, Fleisch und Milchprodukte auf.

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