Dieser Tanzstil passt in keine Schublade

Von: Heike Eisenmenger
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Eine Schweißtreibende Choreog
Eine Schweißtreibende Choreografien und die pure Lust am Tanzen: „Schiff ahoi, wir stechen in See” lautete das Motto bei der Schulaufführung von „Not Just Dancing” am Wochendende. Viele begeisterte Zuschauer und glückliche Tanzschüler waren das Ergebnis der Show. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg-Münsterbusch. Es ist die pure Lust am Tanzen, die den Boden der Turnhalle erbeben lässt. Street-Style mit Hip-Hop-Elementen wird gerade gezeigt, und das ist ganz schön sexy.

Es ist eine Rebellion, die dieser Tanz- und Musikstil im Rhythmus der Beats zum Ausdruck bringt. Ungebändigt, frei, sich nicht in eine Schublade pressen lassen. Das ist es, was die etwa 20 jungen Tänzer und Tänzerinnen den Zuschauern mit ihren Bewegungen, die stellenweise bewusst abgehakt sind, transportieren möchten.

Eine Menge Arbeit

360 Eleven der Tanzschule „Not Just Dancing” nehmen die Zuschauer in der voll besetzten Turnhalle des Goethe-Gymnasiums mehr als zwei Stunden lang mit auf „große Fahrt”. „Schiff ahoi, wir stechen in See” lautet das Motto, das die Schüler gemeinsam mit ihren Dozenten für die Schulaufführung gewählt haben.

Das Motto ist spätestens beim Anblick der Bühnenkulisse klar. Im Rücken der Tänzer ist ein riesigen Vergnügungsdampfer aus Pappmaché. Entstanden ist das imposante Pappschiff nach einer Idee der 20 Jahren alten Tanzschülerin Theresa Kau. Bereits das Schiff für sich betrachtet, muss eine Menge Arbeit bereitet haben.

Wenn es nur allein das Pappschiff wäre, das angefertigt werden muss: Kostüme und Make-up für die einzelnen Nummern zu entwerfen, ist ein noch größerer Posten bei einer Schulaufführung mit 360 Schülern.

Ganz zu schweigen von der schweißtreibenden Choreographie, die in vielen, vielen Stunden einstudiert wurde. Alle zwei Jahren lädt die Schule „Not Just Dancing” zur großen Aufführung ein. Nicht mitgerechnet sind die Musicals, die viermal im Jahr stattfinden, die aber im Umfang nicht mit der Schulaufführung mithalten können, weil nicht alle Klassen mit eingebunden sind.

Die Protagonisten sind zwischen drei und 20 Jahre alt. Doch ob es nun die Minis oder junge Erwachsene sind - die Freude und der Stolz, Teil einer solchen Aufführung zu sein, lässt ihre Gesichter förmlich glühen. Eine aus der Schülerschar ist die 17-jährige Nadine Conrads aus Stolberg. Sie trägt hat noch die kesse rote Mütze, Rippshirt und die weitgeschnittenen Hosen, die sie beim Auftritt eben an hatte.

Fünfmal in der Woche geht die junge Stolbergerin zum Training. Tanzen ist eben die Leidenschaft der Abiturientin. Angefangen hat sie mit der Tanzerei bereits als kleines Kind. Mit Ballett. „Was sonst? So ziemlich alle kleinen Mädchen fangen mit Ballett an”, erzählt Nadine Conrads mit einem Schmunzeln. Längst ist Hip-Hop ihr Tanz, aber das, was sie im Ballett gelernt hat, kann sie gut jetzt gut gebrauchen, zumal der Körper durch da die unendlich oft durchexerzierten Dehnübungen geschmeidig ist. Geschmeidigkeit ist gut bei einem Tänzer. Die Anstrengung soll der Zuschauer ja nicht sehen. In der Regel zumindest nicht.

Das Tanzen würde die 17-Jährige gerne zu ihrem Beruf machen, aber die junge Frau ist geerdet, was Zukunftsträume in dieser Richtung betrifft.

Tanzen in jeder freien Minute

„Mit Tanzen sein Geld zu verdienen, ist sehr, sehr schwer. Außerdem hat man nur wenige Jahre, in denen man über die volle Leistungsfähigkeit verfügt”, sagt sie. Darum tanzt Nadine zwar in jeder freien Minute, aber das Abitur hat auf jeden Fall Vorrang. Die 16-jährige Jessica Willems tanzt wie Nadine von klein auf. „Ich gehe aber nur dreimal in der Woche zum Training”, sagt die Gymnasiastin. „Nur” ist gut.

Auch Jessica hat mit Ballett begonnen. Das Pirouetten drehen begeisterte sie irgendwann nicht mehr: Nun ist der Street Style und Hip-Hop das, was ihr gefällt.

Es sind erstaunlich viele junge Männer in den Hip-Hop-Klassen. „Man kann fast schon sagen, dass mehr Jungs als Mädchen in den Kursen vertreten sind, allerdings mehr in Richtung Aachen als hier”, bemerkt ihre Tanzkollegin Nadine.

Die Herren der Schöpfung machen ihre Sache gut. Der junge Mann, der als einer der Fronttänzer beim Auftritt der „„Unter-Deck-Arbeiter” mit dabei ist, hat einen Hüftschwung, der Elvis Presley zur Ehre gereicht hätte. Die Mädchen lachen wegen des Vergleichs, aber es stimmt tatsächlich dass der junge Mann seine Hüften exzellent kreisen lässt.

Bei den einzelnen Shows, die eine Reise quer durch das Schiff darstellt, sieht man zahlreiche Leistungsträger. Doch um die Leistung geht es primär nicht. Was bei der Schulaufführung zähle sei einzig und allein, dass die Schüler ihren Familien und Freunden zeigen können, was ihr Herz zum Jubeln bringt. Was sie alles in der Tanzschule lernen. Die meisten Schüler haben ihre Eltern und Großeltern mitgebracht. Ohne die Hilfe der Angehörigen wäre die Schulaufführung nicht zu realisieren: „Ohne die tolle Einsatzbereitschaft von Menschen wie Jutta Wieland - sie ist einer der Mütter - wäre wir aufgeschmissen. Sie hat nach unseren Entwürfen die Kostüme genäht, das hätten wir nie und nimmer bezahlen können”, berichtet Dozentin Nicole Zeitz, die gemeinsam mit dem Tanzpädagogen Josef Stoll die Schule leitet.

Lampenfieber

Helfer wie Jutta Wieland hat die Tanzschule zum Glück gleich mehrere in petto. Sie schminken Backstage die Kinder, helfen beim An- und Ausziehen der Kostüme und trösten, wenn einem der jungen Tänzer vor Lampenfieber die Knie weich werden.

Die größeren Schüler bringen die Zuschauer zum Staunen, die „Minis” hingegen lassen das Publikum dahinschmelzen. Weich wie ein Butterkeks ist man als Zuschauer spätestens beim Auftritt der stöpselgroßen „Knastbrüder” . Herzallerliebst im schwarz-weißen-Ringellook und mit aufgemaltem Schnurbärtchen erobern die Kids das Publikum innerhalb von Sekunden.

Schluss ist mit dem Fallen des Vorhangs am Wochenende übrigens noch lange nicht: Am 1. und 2. Dezember laden die „Musicalzwerge” von „Not Just Dancing” zu einer weiteren Aufführung ein. Unter dem Motto „Klaras Bonbonladen” geht es auf eine fröhlich-süße Reise. Die nächste Schulaufführung ist 2014.
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