Die Wege zur Notfall-Apotheke könnten länger werden

Von: Guido Jansen
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Auch der Apotheker Wolfgang Schüder aus Breinig begrüßt die Neuregelung des Notdienstes. Foto: Guido Jansen

Stolberg. Die Notdienst-Apotheke in der Nacht mitten in der Innenstadt? Bisher war das in Stolberg eigentlich immer so. Seit dem 1. Januar ist das nicht mehr unbedingt der Fall. Am Dienstag beispielsweise. Dann müssen Menschen auf der nächtlichen Suche nach Medikamenten entweder nach Aachen bis zur Trierer Straße oder nach Alsdorf fahren.

Der Grund dafür ist der im Bereich der Apothekerkammer Nordrhein neu organisierter Notdienst. Die Zahl der Dienste nach Feierabend, die jede Apotheke pro Jahr leisten muss, sinkt jetzt im Schnitt um ein Drittel, von 24 oder 25 pro Jahr auf 15. Die Stolberger Apotheker sehen in der Neuregelung einen Fortschritt. Denn Notdienste sind für die Apotheker ein Zuschussgeschäft. Das sagt jeder der befragten Stolberger Pharmazeutiker.

„Da klingelt es in der Nacht vielleicht zehn Mal“, sagt Hartmut Kleis, Inhaber der Apotheke Kleis. Fünf Mal sei es ein Notfall. In der Hälfte aller Fälle aber würden die Kunden nach Medikamenten fragen, die eigentlich nicht dringend notwendig wären.

Irmgard Hoyer-Schopp von Schopps Johannes Apotheke in Vicht berichtet von häufigen Anfragen nach Schnupfenmitteln oder Schwangerschaftstest. Ähnliche Erfahrungen hat Wolfgang Schüder von der Barbara Apotheke in Breinig gemacht. Zehn Kunden pro Nacht seien schon viel. Und lange nicht alle seien Notfälle. „Meine Höhepunkte waren Leute, die Gummibärchen haben wollten oder Wechselgeld für den Zigarettenautomaten.“ Für Menschen mit Notfällen kann die neue Regelung ein Problem werden. Denn ab sofort gilt eine neue Faustregel. 15 Kilometer Straße – weiter darf die nächste Notfall-Apotheke von keinem Haus und keiner Wohnung entfernt sein. Das kann zu einer längeren Anfahrt führen. Vor allem dann, wenn man in der Innenstadt kurze Wege gewohnt ist. Irmgard Hoyer-Schopp kennt die Verhältnisse, dass Kunden lange Wege für den Notdienst in Kauf nehmen müssen. Sie betreibt eine Apotheke in Hürtgenwald. Teilweise kommen die Menschen auf Suche nach Hilfe in der Nacht aus Simmerath oder gar Monschau.

„Die Menschen, die wirklich Hilfe brauchen, sind in der Regel dankbar dafür, dass sie überhaupt welche finden“, sagt Hoyer-Schopp.

Dass mancher Hilfesuchender in der Nacht mit dem neuen Notfall-System Probleme haben könnte, kann keiner der Stolberger Apotheker abstreiten. Die Strecken könnten länger werden. Vor allem, wenn der Weg erst ins Bethlehem-Krankenhaus oder in die dortige Notfall-Praxis der niedergelassenen Ärzte und dann zu einer möglicherweise fast 15 Kilometer entfernten Apotheke führen würde. „Für Menschen, die kein Auto haben und die ganze Strecke mit dem Taxi machen müssen, ist das natürlich teuer“, sagt Wolfgang Schüder. „Aber grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass sich mit dem neuen System für die Menschen in Stolberg nur wenig ändert.“

Längere Wege können passieren, allerdings nicht unbedingt. Denn Tage wie heute sind nicht die Regel. Das hat eine Stichprobe im Notdienstkalender auf der Internetseite der Apothekerkammer Nordrhein (www.aknr.de) für Stolberg ergeben.

Etwa alle drei bis vier Tage gibt es keinen Notdienst auf Stadtgebiet, dafür aber in Eschweiler oder Aachen. Je nachdem, wo der Hilfesuchende wohnt, wird der Weg zum Medikament damit sogar kürzer. Die Apotheker sparen aus ihrer Sicht mit dem neuen System für Nachtdienste nicht nur wenig lukrative Geschäftszeiten ein, sie reduzieren auch Stress. Denn oftmals machen die Inhaber die Dienste selbst, damit sie die Kosten für den Nachteinsatz eines Apothekers einsparen können. „Dann macht man nach dem Nachtdienst noch den Tagdienst“, spricht Hartmut Kleis von stressigen Arbeitszeiten.

Außerdem, so gibt Michael Reinartz von der Kupferhof-Apotheke zu bedenken, würden mit dem neuen System ausgeschlossen, dass es ein Überangebot an Notfall-Apotheken gibt. „Es kam sonst schon mal vor, dass eine Apotheke in Stolberg Dienst hatte und drei Kilometer weiter eine in Eschweiler. Das war eigentlich unnötig“, sagt Reinartz.

Die Stolberger Apotheker raten den Menschen dazu, eine gut gepflegte Hausapotheke zu führen. Das spare in der Hälfte der Fälle die nächtliche Medikamenten-Suche. Außerdem sei es sinnvoll, sich gut zu informieren, wie die Notdienste verteilt sind. Das geht zum Beispiel auf der Internetseite www.aknr.de. Oder mit Hilfe unserer Zeitung auf der zweiten Lokalseite oder mit unserem Internet-Angebot.

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