Die Vicht an den Hammerberg verlegt

Von: Toni Dörflinger
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Seit den 1940er Jahren hat das Gebäude Zweifaller Straße 61 eine andere Umgebung. Vorher hatte das Haus jenseits der Vicht gelegen und war nur über ein kleine Brücke zu erreichen. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Der Dollartshammer - der einst an der Ecke von Finkensief- und Zweifaller Straße lag – gilt als Urzelle des alten Oberstolberger Ortsteiles Hammer. Erstmals dargestellt wurde die alte Hofanlage, die anfänglich der Eisen- und später der Messingherstellung diente, 1544 von Egidius von Walschaple.

Anlass für die Darstellung war ein zwischen dem Burgherrn und dem Abt von Kornelimünster geführter Rechtsstreit, der sich in erster Linie um links der Vicht liegende Ansprüche drehte.

Zu seinem Namen kam der Dollartshammer 1497, als das Hammerwerk vom Aachener Schöffen Heinrich Dollart übernommen wurde. Auch als herzogliche Waffenschmiede hat das Hammerwerk Geschichte geschrieben. Denn in der Mitte des 16. Jahrhunderts hatte Herzog Wilhelm V. von Jülich dort Gewehre, Geschütze und Kugeln herstellen lassen.

1642 ließ sich auf dem Dollartshammer Christian Prym nieder, dessen Familie in der Folgezeit auch die benachbarten Höfe Salzrumpf und Bauschenberg zum Hauptsitz des Unternehmens William Prym ausbaute. Prym hat sich mit der Herstellung von Kurzwaren aus Metall einen Namen gemacht. Dazu gehörte auch der 1885 in Pforzheim erfundene Druckknopf, dessen Schließmechanismus 1903 von Hans Prym verbessert wurde. Er hatte dem Artikel eine Doppel-S-Feder aus Bronzedraht hinzugefügt und durch diese Neuerung den Marktanteil des Druckknopfes erheblich gesteigert.

Dem Dollartshammer gegenüber lag ein großer Garten. In dieses als Dollgarten bezeichnetes Gelände verlagerte 1913 der Waschmittel- und Kosmetikproduzent Mäurer & Wirtz seine Betriebsgebäude: Als vorherige Standorte hatte man anfänglich ein Haus an der Klatterstraße und später den Kupferhof Grünenthal genutzt. Begrenzt wurden die Firmengelände von Vichtbach und Zweifaller Straße sowie der Bahnlinie.

Diese Situation hatte in den 1930er Jahren für Probleme gesorgt. Denn das nur eingeschränkt verfügbare Gelände konnte für Erweiterungsbauten nicht genutzt werden. Platz wurde dadurch gewonnen, dass man im Zeitraum zwischen 1938 und 1940 den Vichtbach verlegte und ihm am Abhang des Hammerbergs ein neues Bett schuf. Folgen hatte die Bachverlegung auch für die Zweifaller Straße. Für sie wurde ebenfalls am Hammerberg eine neue Trasse angelegt. Den Geländezuwachs nutzten dann später Prym und Dalli für ihre Erweiterungen.

Straße führt durch die Bleihütte

So errichtete 1953 das Pharmaunternehmen Grünenthal seine neue Produktionsstätte auf einem Gelände, das zuvor der Vicht als Ufer gedient hatte. Allerdings hatte man die alte Zweifaller Straße nicht gänzlich beseitigt, sondern ihr wegen der dort liegenden Wohngebäude eine Übergangsfrist eingeräumt. Das führte dazu, dass man bis in die 1970er Jahre hinein eine Unterscheidung zwischen alter und neuer Zweifaller Straße machte.

Bereinigt wurden diese Verhältnisse dadurch, dass man schon in der unmittelbaren Nachkriegszeit damit begonnen hatte, die alten Wohnbauten nach und nach abzureißen. Inzwischen ist von der alten Zweifaller Straße nichts mehr zu sehen. Die dort liegenden Bauten sind längst dem Erdboden gleich gemacht worden und das so gewonnene Gelände haben Firmen für erneute Ausbauten genutzt.

Ein Kuriosum hatte einst die Trassenführung der alten Zweifaller Straße im oberen Bereich dargestellt: Schließlich hatte dort bis in die 1960er Jahre hinein die alte Straße mitten durch das Werksgelände der Bleihütte – heute „Berzelius Stolberg GmbH“ – geführt.

Auch für das Gebäude Zweifaller Straße Nr. 61, das in den 1930er Jahren dem Arztehepaar Johanna und Wilhelm Hackenberg als Praxis gedient hatte, sollte die Bachverlegung Folgen haben. Schließlich hatte das Haus einst jenseits der Vicht gelegen. Der Zugang erfolgte über eine kleine Brücke. Als man Ende der 1930er Jahre die Vicht in den hinteren Bereich verlegte, wurde das Inseldasein beendet: Zugang war nun nicht mehr die kleine Brücke, sondern die neue Zweifaller Straße.

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