Die vertonte Poesie hat nichts von ihrem Reiz verloren

Von: red
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Begeisterten das Publikum im Rittersaal: Klaus Weiß (v.l.), Sarah Corp, Anita May und Josef Otten.

Stolberg. Das wird beim Liederabend im Rittersaal der Burg deutlich. Das komponierte Kunstlied ist für den solistischen Vortrag mit Instrumentalbegleitung bestimmt und stellt im Gegensatz zum Volkslied hohe Ansprüche an die Stimme und das musikalische Verständnis.

Dass diese vertonte Poesie, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufblühte, auch heute noch beim Publikum ankommt, zeigten Sarah Corp (Sopran), Anita May (Alt), Josef Otten (Bariton) und Klaus Weiß am Flügel den interessierten Zuhörern im Rittersaal der Stolberger Burg. Das Quartett verstand es hervorragend, die differenzierten Stimmungen innerhalb der klavierbegleiteten Lieder – mal stärker, mal schlichter in der Melodik – eindrucksvoll zu gestalten.

Der Liederabend stand unter dem Motto „In Nacht und Traum“ und beschäftigte sich mit Komponisten der Klassik und Romantik. Den Anfang machte das Terzett mit zwei Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart, in denen sie von der Liebsten schwärmten und von dem Schmerz, den sie bereitet, wenn sie fernbleibt.

Dann schloss sich die „Abendempfindung“ – eines der bekanntesten Mozartlieder – an, das Sarah Corp mit großer Geschmeidigkeit sang. Fast wie eine Opernarie erklang „An Chloé“, das die Sopranistin sicher in den Höhen meisterte. Das Duett der Pamina mit Papageno Josef Otten aus Mozarts „Zauberflöte“ gestalteten die beiden reizvoll und bühnenwirksam.

Ein Leben ohne Nacht

Klaus Weiß hatte in seiner Moderation nicht zu viel versprochen. Dunkelheit und Finsternis gehören zum Leben dazu, so der Pianist, und ein Leben ohne Nacht bedeute keinen Schlaf, keinen Traum, keine dramatischen Erscheinungen. Von der „Göttin im Verborgenen, der süßen Gefährtin der Liebe“ sang dann Altistin Anita May und „zitterte vor Liebe, Hoffnung und Angst“.

Zu den wichtigen Liedkomponisten des 19. Jahrhunderts zählt Felix Mendelssohn-Bartholdy. In „Wie kann ich froh und lustig sein“ und „Abendlied“ zeichneten sich Anita May und Sarah Corp im Duett als Liedinterpretinnen aus. Dann wagte sich May an die „Neue Liebe“ des selben Komponisten und an Hugo Wolfs „Über Nacht“. Wohlklingend wusste sie die freudigen Stimmungen und den düsteren Traum auszugestalten. Klaus Weiß erwies sich besonders hier als souveräner Liedbegleiter, gefiel durch schöne Ausformung der Phrasen und ließ die Glöcklein im wahrsten Sinne läuten.

Der nächste Solist war Josef Otten, der mit zwei Liedern aus der „Winterreise“ und dem „Schwanengesang“ von Franz Schubert die Zuhörer beglückte. Tadellos in der Artikulation, bot er „Gute Nacht“ und das „Ständchen“ meisterhaft dar. Vor der Pause setzte Sarah Corp noch einen Glanzpunkt mit der „Mondnacht“ aus dem Liederkreis von Robert Schumann.

Nach einer Verschnaufpause ging es mit Johannes Brahms weiter. Die musikalische Reise ins Reich der Nacht und Träume führte über „die Meere“ in die „Mainacht“, ließ die „Nachtigall“ erschallen und „das Schlummern leiser werden“.

Für das Lied „Um Mitternacht“ ließ sich Gustav Mahler von Friedrich Rückert inspirieren, dem für ihn größten deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts. Josef Otten wusste dem durch die dunkelsten Ecken der menschlichen Seele führenden Stück Gestalt zu geben und Gefühle wie Trostlosigkeit, Einsamkeit sowie die Angst vor dem Tod ausdrucksstark darzustellen.

Der „Abendsegen“ aus der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck beendete einen eindrucksvollen Liederabend. Nach lang anhaltendem Applaus kamen die Künstler dem Wunsch nach einer Zugabe gerne nach.

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