Stolberg - Die Tradition der Kutscher aufrechterhalten

Die Tradition der Kutscher aufrechterhalten

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
12210159.jpg
Gemeinsam mit den Schweizer Freibergern Lambrusco (links) und Sonato (rechts) sind Peter Groten (2.v.l.) und Rolf Honerlage (3.v.l.) gerne in den Feldern von Mausbach und Gressenicht unterwegs. Foto: L. Beemelmanns
12210162.jpg
Über Wiesen und Felder: Mit dem Zweispänner sind die beiden Fahrer gerne in Stolberg unterwegs. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Wenn sich Peter Groten zwischen einem Vierspänner und einem Ferrari entscheiden müsste, müsste er gar nicht lange grübeln. Bei ihm würde immer der Vierspänner das Rennen machen. Vier Pferdestärken gegen mehr als 500 – für Groten eine klare Entscheidung.

Die enorme Kraft des Pferdes mit Leichtigkeit zu lenken, das sei es, was ihn am Fahren so fasziniere. Groten sagt, für ihn sei das Kutsche-Fahren das „Salz in der Suppe“.

Die beiden Stolberger Peter Groten und Rolf Honerlage sind waschechte Kutscher, oder moderner formuliert: Fahrer. Beide hatten immer schon hobbymäßig Reitsport betrieben, aber bis vor rund fünf Jahren saßen sie noch auf dem Pferd – nicht dahinter. Das hat sich inzwischen geändert. „Durch einen Zufall“, wie Groten sagt. Denn jetzt spannen sie am liebsten Lambrusco und Sonato vor die Kutsche. Die beiden Schweizer Freiberger leben in Honerlages Garten. Dort haben sie einen schmucken Stall und viel Auslauf. Und immer wenn es geht, macht Honerlage das hintere Gartentor auf und die vier fahren los.

Zunächst seien beide bei anderen Fahrern mitgefahren. Dann hätten sie Blut geleckt. Inzwischen haben sie sogar einen eigenen Trainingsplatz, Gespanne, Pferde, Geschirre – eben alles, was dazu gehört. Und dass eben auch ein bisschen das sprichwörtliche Glück dieser Erde auf dem Rücken – oder besser dem Wagen hinter dem Pferde – liege, das wollen Groten und Honerlage gerne vermitteln.

Sie gehören dem Euregio Reit- und Fahrverein Aachen an. Groten ist sogar Geschäftsführer – und Trainer. Gemeinsam mit vier anderen Stolbergern bilden sie das Fünftel aus der Kupferstadt. Die weiteren Mitglieder kommen aus der gesamten Region und dem angrenzenden Ausland. Dennoch sind es derzeit nur 32 Mitglieder insgesamt. „Fahren mit Pferden war früher mal hoch populär“, sagt Groten. Das habe sich jedoch geändert. Der Verein hat Nachwuchssorgen.

Honerlage und Groten wollen dem entgegenwirken. „Wir wollen den Fahrsport als Tradition aufrechterhalten“, sagt Honerlage. Und sie wollen Hemmschwellen nehmen. „Wer Fahrer sein möchte, muss kein Millionär sein“, sagt Groten. Denn Gespanne, Geschirre, den 1,2 Hektar großen Trainingsplatz zwischen Mausbach und Gressenich und die Pferde hätten sie ja schon. Wer ein Gespann fahren möchte, der könne auch erst mal die Trainingsmittel des Vereins nutzen. Und im Idealfall zuvor einen Fahrschein machen. Den brauche man für die Versicherung. Denn ohne nachgewiesen zu haben, dass der Fahrer mit dem Gespann umgehen und sicher am Straßenverkehr teilnehmen könne, würde niemand Fahrer mitsamt Gespann versichern.

Den Fahrschein könne man beim Verein machen. „Das ist ähnlich wie beim Autofüherschein. Nur günstiger“, sagt Groten. Der Fahrschein inklusive Basispass und Gebühren für die Prüfung koste unter 500 Euro. Aufgebaut ist er aus etwa 30 Theoriestunden und mindestens zehn Fahrstunden. Die Ausbildung übernimmt Groten selbst, er ist Trainer und hat eine gültige DOSB-Lizenz (Deutscher Olympischer Sportbund).

Was der Fahrer sonst noch mitbringen müsse? „Ruhe und Teamgeist“, sagt Honerlage. „Fahrsport ist Teamsport. Man ist immer mindestens zu zweit unterwegs. Wir legen in unserem Verein sehr viel Wert auf Sicherheit“, sagt Groten. Und die Ruhe sei wichtig, um die Pferde nicht nervös zu machen. „Der Ruhigste auf dem Gespann muss der Fahrer sein“, sagt Groten. Denn wäre er aufgeregt oder sogar aggressiv, würde sich das auch auf die Tiere übertragen. „Und auch die Liebe zum Tier spielt eine große Rolle beim Fahren“, sagt Honerlage.

Immer in der Natur

Immer wenn sie können, sind die beiden in der Natur unterwegs. Manches Mal nur zu zweit, manches Mal mit der ganzen Familie oder Freunden. „Wir machen ganz unterschiedliche Touren. Manchmal sind wir drei Stunden am Stück unterwegs“, sagt Honerlage. Fahren dürfen sie allerdings nur auf Feldern und Straßen. „Im Wald zu fahren, ist leider hier in NRW verboten“, sagt Groten. Doch gerade die Gegend rund um Mausbach und Gressenich bietet wunderbare Möglichkeiten.

Wer möchte, könne aber neben dem reinen Freizeitfahren auch Turniere besuchen. Dafür müsse man mit den Pferden jedoch zunächst sehr viel trainieren. „Es gibt ganz unterschiedliche Methoden. Aber man muss die Tiere erst mal an alles gewöhnen“, sagt Honerlage. Wenn sie mit ihrem Gespann im Feld, auf den landwirtschaftlichen Wegen, unterwegs sind, dann kommen ihnen natürlich auch Bauern mit ihren Traktoren entgegen. „Für Pferde sind das riesige Monster“, sagt Honerlage. Lambrusco und Sonato kennen das schon. Sie bleiben ganz ruhig, schauen nur interessiert auf.

Geübt wird das unter anderem auf dem Trainingsplatz. Groten und Honerlage bauen dann einen Parcours aus Hütchen und Hölzern auf oder rascheln beispielsweise mit Mülltüten. „So lernen die Pferde seltsame Geräusche kennen und schrecken nicht so schnell auf“, sagt Groten. „Das ist eben jahrelange Arbeit“, fügt Honerlage hinzu.

So wachse das Team zusammen. Die Pferde vertrauen dem Fahrer und umgekehrt. Große Worte sind dann gar nicht mehr nötig. Lambrusco und Sonato reagieren auf die langen Zügel und die sehr leichten Hiebe mit der Peitsche. Ein paar Worte sagen Groten und Honerlage nur, wenn sie bremsen oder losfahren möchten – ganz ruhig, so wie es sein soll.

Mit einem Ferrari wäre all das Training natürlich nicht nötig, er reagiert unabhängig von Traktoren oder Geräuschen auf die Befehle seines Fahrer. Doch tauschen wollen die beiden Stolberger Kutscher niemals. „Es gibt nichts Schöneres, als mit dem Gespann durch Stolberg zu fahren“, sagt Groten. Und Honerlage stimmt ihm nickend zu.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert