„Die Synergieeffekte zum Wohle der Patienten genutzt“

Von: -jül-
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Geballte medizinische Kompetenz in Stolberg: Die Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte zieht in die Notfallambulanz des „Bethlehem“.Chefarzt Dr. Joachim Heise, Iris Schroif und Dr. Bernd Kallenberg (v.l.) wollen die Synergieeffekte zum Wohle der Patienten nutzen. Foto: J. Lange

Stolberg. Es hat schon symbolhafte Ausdruckskraft, als Dr. Bernd Kallenberg und Dr. Joachim Heise das Schild der Notfallpraxis vom Türmchen zur Notfallambulanz ins Krankenhaus tragen. Dort wird ab Montag, 19. Januar, die Versorgung medizinischer Notfälle in der Kupferstadt konzentriert. Tür an Tür residieren dann die Notdienste der Krankenhaus-Mediziner mit denen der niedergelassenen Ärzte.

Wege der Besucher kanalisiert

„Wir können so die medizinische Kompetenz vor Ort bündeln“, unterstreichen der Chefarzt der Chirurgie des „Bethlehem“ und der Sprecher der Stolberger Ärzteschaft. Sie setzen neben den fachlichen auch auf die räumlichen Synergieeffekte. Die Patienten haben für die Notfälle nun eine einheitliche Anlaufstelle im Krankenhaus. Dort funktioniert die Notfallpraxis dann „wie ein Flaschenhals“: Je nach Art und Schwere der Erkrankung übernimmt der niedergelassene Arzt oder der Krankenhaus-Mediziner die Behandlung.

Vorbei sind dann die Zeiten, in denen Kunden mit kleinen „Wehwehchen“ die Kapazitäten der Bethlehem-Crew belasteten oder tapfere Patienten mit schlimmeren Leiden zuerst im „Türmchen“ warteten und dann weiter zur stationären Behandlung geschickt wurden. Zukünftig können die Wege der Besucher verkürzt und besser kanalisiert werden. „Zum Wohle der Patienten“, betont Dr. Kallenberg. Und die Zusammenlegung ist sicherlich auch ein „taktisches Zeichen um Stolberg positiv zu positionieren“, unterstreicht Dr. Heise.

„Es kann keine Rede davon sein, dass die Notfallpraxis zugemacht wird“, sagt Kallenberg. „Das sind noch alles nur Gerüchte.“ Richtig sei, dass die Kassenärztliche Vereinigung auf ihrer Vollversammlung im März darüber diskutieren werde, ob es eine Zusammenlegung der Notfallpraxen Eschweiler, Simmerath und Stolberg geben soll oder auch nicht. Wie auch immer die Entscheidung ausfalle, „haben wir Ärzte das letzte Wort“. Denn in einem zweiten Schritt müsse die Ärztekammer darüber befinden, ob es eine Zusammenlegung geben soll und wenn ja, wo. „Gegen den Willen der Ärzte passiert gar nichts, denn wir müssen das auch alles selbst bezahlen“, erklärt Bernd Kallenberg.

Der Ursprung der Debatte sei wohl in Eschweiler aufgekommen, wo ein Verein Träger der Notfallpraxis sei. Dieses Modell, das im Land in lediglich einer weiteren Stadt bestehe, bietet den Vorteil, dass die ärztlichen Leistungen besser abgerechnet werden könnten. In Stolberg sei die Notfallpraxis ein Zusatzgeschäft – wohl auch deshalb, weil viele Patienten vorbei am Türmchen direkt ins Hospital spazierten. Die neue räumliche Nähe Tür an Tür mit der Notfallambulanz im Krankenhauses „ist eine Win-Win-Situation für alle Seiten“, betont der Obmann der gut 80 Ärzte in der Kupferstadt – darunter etwa 70 mit Kassenzulassung – auch vor dem Hintergrund der Veränderungen im Gesundheitswesen. „Wer weiß, wo die Reise hingeht?“ Vielleicht sei das Stolberger Projekt einer ambulant-stationären Versorgung das Modell für die Zukunft.

Begonnen hatte die Versorgung der Patienten in der Notfallpraxis zum 1. Januar 2005. Bis dahin hatten die niedergelassenen Ärzte den medizinischen Notdienst in ihren jeweils eigenen Praxen absolviert. „Das war zwar lukrativer, aber ein absoluter Knochenjob“, erinnert Kallenberg. Mehr als 100 Besucher wollten oft an einem Wochenend-Tag behandelt werden; hinzu kamen die Hausbesuche. „Und viele Kunden waren keine eigentlichen Notfall-Patienten, sondern wollten sich nur schnell einmal eine zweite ärztliche Meinung einholen oder in den Genuss einer speziellen Untersuchung kommen.“

Die Belastung habe die Ärzteschaft auch selbst an den Rand der körperlichen Belastbarkeit gebracht. Die Notfallpraxis sollte Mediziner entlasten und Patienten eine gut erreichbare Anlaufstelle ermöglichen. Die befand sich in in den Anfangsjahren innerhalb des Krankenhauses; erst seit August 2007 versehen die niedergelassenen Ärzte ihren Notfall-Dienst im „Türmchen“, dem ehemaligen Café des Krankenhauses.

Für die 59 Quadratmeter große Praxis dort soll nun ein Nachfolger gesucht werden. „Am liebsten für ein medizinisches oder medizinnahes Angebot das unsere Kompetenz am Standort Steinfeldstraße weiter ergänzt“, sagt Krankenhaus-Geschäftsführer Gábor Szük.

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